Unternehmen

Bilanz nach einem turbulenten Jahr

Daimler-Chef Zetsche dürfte gute Zahlen vorlegen. Neues Modell zum erwarteten Aufschwung

Erst das Gezerre um die Vertragsverlängerung von Daimler-Chef Dieter Zetsche, dann eine Gewinnwarnung und nun der Rückzug von Vorstand Andreas Renschler. Eine ruhige Zeit sieht anders aus – trotzdem könnte die Bilanz für das Jahr 2013 Zetsche Rückenwind geben.

Die Nachricht ist zu bedeutend, als dass sie in wenigen Tagen verdaut werden könnte. Der angekündigte Weggang von Daimler-Produktionsvorstand Andreas Renschler dürfte wohl auch bei der Bilanz des Autoherstellers am kommenden Donnerstag für Diskussionsstoff sorgen. Dabei hätte Vorstandschef Zetsche viel Wichtigeres zu erzählen: Die Zahlen, die er präsentieren wird, dürften nicht schlecht ausgefallen sein.

„Zetsche hat vor zwei Jahren den Hebel umgelegt“, sagt Branchenanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. In diesem Jahr bringe Daimler eine Reihe von neuen Produkten wie die C-Klasse heraus – gerade richtig für den erwarteten Aufschwung der Branche in Europa. Die Autobauer hoffen, dass der Markt in Europa 2014 wieder wächst, nachdem sie 2013 das schlechteste Jahr seit langem verdauen mussten.

Und so werde Daimler seine Ziele wohl erreicht haben – „oder darüber liegen“, teilt Pieper die Einschätzung anderer Analysten. Auf das Gesamtjahr rechnet Daimler mit einem Gewinn vor Zinsen und Steuern von 7,5 Milliarden Euro nach 8,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Dabei ist der Verkauf der EADS-Aktien herausgerechnet, der Daimler 3,2 Milliarden Euro Gewinn brachte.

Zetsche hatte schon auf der Automesse in Detroit Fortschritte bei seinem Sparprogramm angekündigt. Die jährlichen Kosten dürften schon vor dem angepeilten Stichtag Ende 2014 um insgesamt zwei Milliarden Euro gedrückt werden, sagte er. Außerdem hatte Daimler für 2013 einen Rekordabsatz vermeldet. Zusammen mit der Marke Smart kam der Autohersteller auf 1,56 Millionen verkaufte Pkw. Der Konkurrenz konnte Daimler damit aber noch nicht das Wasser reichen.

„2014 kann nichts mehr schief gehen“, glaubt Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Auch Metzler-Analyst Pieper sagt: „Zetsche hat seine Position eher verfestigt.“ Der Vertrag des Daimler-Chefs läuft Ende 2016 aus. Vor gut einem Jahr hatten die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat nach dpa-Informationen durchgesetzt, dass die aktuelle Laufzeit auf drei statt der sonst üblichen fünf Jahre begrenzt wurde.

Ein Daimler-Kenner sieht in Renschlers Weggang einen möglichen Pluspunkt für den zwar bei den Arbeitnehmern weniger beliebten, aber immer wieder als potenziellen Nachfolger Zetsches gehandelten Vorstand Wolfgang Bernhard. Der Wechsel könne nun durchaus auch schneller vorangetrieben werden, so der Experte. Konkurrent Volkswagen will Renschler, der ebenfalls als Zetsche-Kronprinz im Gespräch war, nach dpa-Informationen so schnell wie möglich als Nutzfahrzeugchef ins Unternehmen holen.