Verkehr

Kartellamt nimmt Ticketverkauf der Bahn aufs Korn

Das Bundeskartellamt hat ein Verfahren gegen die Deutsche Bahn (DB) eingeleitet.

Grund ist der Verdacht auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung beim Vertrieb von Fahrkarten, wie die Behörde mitteilte. An den Schaltern der Bahn etwa gibt es keine Tickets von Konkurrenzunternehmen zu kaufen. Die DB erklärte, sie sehe dem Verfahren gelassen entgegen.

Zum einen geht es laut Kartellamt um die Fahrkartenverkäufe auf Bahnhöfen, zum zweiten um die Höhe von Provisionen bei Ticketverkäufen und zum dritten, ob die Bahn Mitbewerber zur Nutzung von Bahn-Vertriebsleistungen zwingt. Der Verband Mofair, der Konkurrenten der Bahn vertritt, hatte sich beim Kartellamt über die Bahn beschwert.

Das Kartellamt werde der Frage nachgehen, warum Wettbewerber der Bahn ihre Fahrkarten nicht an den Bahnhöfen verkaufen können, erklärte Behördenchef Andreas Mundt. Mofair-Geschäftsführer Engelbert Recker sagte, gerade im Fernverkehr sei das ein Problem. „Die Forderung, Fahrkarten konkurrierender Eisenbahnunternehmen für den Fernverkehr in DB Reisezentren mit zu verkaufen, entspricht nicht dem Gedanken von freiem Wettbewerb“, erklärte der für den DB-Personenverkehr zuständige Vorstand Ulrich Homburg.

Mofair zufolge ist es auch ein Problem, dass die privaten Wettbewerber ihre eigenen Automaten auf den Bahnhöfen aufstellen müssen. „Das ist natürlich für die Kunden verwirrend“, sagte Geschäftsführer Reckert. Die Bahn erklärte, an Bahnhöfen stelle sie anderen Unternehmen Flächen für deren Automaten sogar kostenfrei zur Verfügung.

Das Kartellamt ermittelt auch wegen der Provisionen für Ticketverkäufe. Laut Mofair verlangt die Bahn bis zu 20 Prozent Provision, wenn sie Nahverkehrstickets von Mitbewerbern verkauft. Konkurrenzunternehmen dagegen bekämen nur um die sieben Prozent Provision, wenn sie Tickets beispielsweise für eine Anschlussfahrt mit DB-Fernverkehrszügen verkaufen.