Insolvenzgefahr

Strauss Innovation hat schlecht eingekauft

Einzelhändler beantragt Schutzschirmverfahren. Die Folgen für die rund 1400 Mitarbeiter sind unklar. Die Filialen bleiben geöffnet

In Deutschland ist ein weiteres großes Einzelhandelsunternehmen ins Schlingern geraten. Strauss Innovation aus Langenfeld steht kurz vor der Insolvenz. Das Unternehmen hat beim Amtsgericht Düsseldorf ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt, wie ein Gerichtssprecher sagte. Strauss beschäftigt gut 1400 Mitarbeiter und betreibt in Deutschland 96 Filialen, in denen vor allem Textilien und Deko-Artikel verkauft werden. Der Geschäftsbetrieb soll weiterlaufen – das Schutzverfahren soll die Sanierung stützen. In Berlin hat Strauss 14, in Brandenburg drei Filialen.

Gibt das Amtsgericht den Anträgen statt, könnte das Unternehmen drei Monate lang in Eigenregie versuchen, wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen. Im Schutzschirmverfahren, dass es erst seit knapp zwei Jahren gibt, ist die betroffene Firma vor Vollstreckungen und Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt. Nach Ablauf der drei Monate kann ein Insolvenzverfahren eröffnet werden, sofern das noch notwendig ist. Zuletzt hatte der Suhrkamp-Verlag in Berlin als prominentes Unternehmen das Verfahren genutzt.

Das vergangene Geschäftsjahr sei viel schlechter gelaufen als geplant, hieß es aus dem Umfeld des Unternehmens. Offenbar haben die Einkäufer des in weiten Teilen saisonabhängigen Sortiments häufig mit ihrer Auswahl schief gelegen. Der lange vorige Winter, gefolgt von einem kurzen Sommer und einem späten, warmen Winter 2013/14 habe die Kauflaune der Kunden für Frühlings-Deko oder warme Kleidung gedrückt. Dadurch sei die Kette immer wieder zu Rabatten gezwungen gewesen. Das habe zu einem „signifikanten Verlust im vergangenen Geschäftsjahr“, hieß es. Zahlen wurden nicht genannt.

Welche Bedeutung das Schutzschirmverfahren nun für die Beschäftigten in den Filialen, der Zentrale und in der Logistik haben wird, ist unklar. Ein Stellenabbau und auch die Schließung von Filialen ist nicht ausgeschlossen. Das Unternehmen äußerte sich zurückhaltend: Die Folgen für Mitarbeiter und Kunden sollten so gering wie möglich bleiben, hieß es. Alle Filialen blieben geöffnet, die Kunden könnten weiterhin bei Strauss zu den üblichen Preisen einkaufen gehen, sagte ein Sprecher.

Im Schutzschirmverfahren kann das bestehende Management weiter die Geschäfte führen. Ihm stellt das Gericht einen Sachwalter zur Seite, der im Sinne eines Anwalts der Gläubiger darauf zu achten hat, dass kein Geld unnötig abfließt. Die Bundesanstalt für Arbeit zahlt für drei Monate die Löhne. Zudem können Verträge, etwa mit Vermietern und Lieferanten, neu ausgehandelt werden.

Maria und Heinrich Strauss hatten das Unternehmen 1902 in Düsseldorf gegründet. Die Gründerfamilie zog sich Ende der 90er Jahre aus dem Unternehmen zurück. Es folgte eine Serie von Verkäufen an Investoren. 2008 ging Strauss an den schwedischen Finanzinvestor EQT. Drei Jahres später übernahm Sun Capital Partners, ein Spezialist für Firmen in Schwierigkeiten, aber mit hohem Potenzial für eine Ertragswende. Sun habe einen nennenswerten zweistelligen Millionenbetrag in das Langenfelder Unternehmen investiert, sei aber von der schwachen Entwicklung überrascht worden, sagte ein Insider. Der Investor hatte zuletzt noch versucht, die Schieflage mithilfe eines weiteren Investors abzuwenden – allerdings vergeblich.