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Der ADAC spaltet sich auf

Großes Reformpaket nach Skandalen. Verein will sich stärker vom Geschäft abgrenzen

Nach einer Kette von Skandalen und Ungereimtheiten kommen beim ADAC jetzt fast alle Strukturen auf den Prüfstand. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll bereits der Hauptversammlung des Mutter-Vereins ADAC eV Anfang Mai das Reformpaket vorgeschlagen werden. Die Änderungen sollen sich aus einer jetzt anlaufenden „Überprüfung der Struktur des Vereins und der wirtschaftlichen Aktivitäten“ ergeben. Das Umbauprogramm soll dann in den 18 Regionalvereinen diskutiert werden. Endgültig beschlossen würde die Neuausrichtung in einer zusätzlichen außerordentlichen Hauptversammlung. Die Bedeutung des Ablaufs wird daran erkennbar, dass die letzte außerordentliche Hauptversammlung des ADAC eV 1948 einberufen wurde.

Der Umbau soll von „unabhängigen, externen Experten aktiv begleitet werden“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins, ohne weitere Namensnennung. ADAC-Präsident Peter Meyer, der in der ADAC-Gruppe einen Rücktritt ablehnt, kündigt an, sämtliche Kritikpunkte in den Reformprozess einfließen zu lassen.

Eine direkte Abstimmung der rund 19 Millionen Mitglieder an den Vorschlägen des Präsidiums ist nicht möglich – weil der ADAC auf einem Delegiertenwahlsystem aufbaut. Zwar kann formal jedes Mitglied an der regionalen Mitgliederversammlung nach Anmeldung teilnehmen. Er ist aber erst als gewählter Delegierter in der Hauptversammlung stimmberechtigt. Eine direkte Mitgliederabstimmung über Beschlüsse gab es in der jüngeren Vergangenheit noch nie.

„Wir können nicht so weitermachen, dass ständig neue Berichte erscheinen, wer mal im Hubschrauber geflogen ist, oder wo eine Villa für einen Geschäftsführer gebaut wurde“, heißt es in ADAC-Kreisen. Fast täglich werden neue Verstöße gegen Regularien bekannt.

So soll die Ex-Geschäftsführerin der ADAC-Service-Gesellschaft ihren Sohn und dessen Freund im Herbst 2012 in einem ADAC-Rettungsjet in den Urlaub nach Ägypten geschickt haben. Beide hatten den Abflug verpasst. Die Managerin, zu deren Aufgaben auch die ADAC-Tochter Aero-Dienst mit einem Dutzend Flugzeugen gehörte, organisierte den Jungen nach Angaben der „Bild“-Zeitung zwei Plätze in dem mit Intensivmedizin-Geräten ausgerüsteten Ambulanz-Jet. Als der Verstoß gegen die ADAC-Richtlinien bekannt wurde, trat die Geschäftsführerin im Februar zurück.

Wie es heißt, soll der Status des sogenannten Idealvereins für die Muttergesellschaft ADAC eV beibehalten werden. Auch am förderalen Aufbau mit Regionalvereinen soll festgehalten werden. In der Diskussion ist aber eine stärkere Abgrenzung zu den Wirtschaftsaktivitäten. In ADAC-Kreisen wird diskutiert, ob eine Trennung der Wirtschaftsaktivitäten, die von Versicherungen über Finanzgeschäfte bis zum Fernreisebus reichen, sinnvoll wäre. Eine Variante könnte ein Genossenschaftsmodell für die Wirtschaftsgruppe sein, heißt es bei Branchenkennern. Eine Umwandlung der Wirtschafts-GmbH in eine getrennte Aktiengesellschaft und ein Teilverkauf widerspreche dem ADAC-Gedanken.