Geldinstitut

Deutsche Bank hakt das Jahr schon ab

Deutschlands größtes Geldhaus vertröstet Anleger. 2014 wird nochmals schwierig. Umbau geht weiter

Die Deutsche Bank hakt das neue Jahr schon ab, bevor es richtig angefangen hat. Die Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen vertrösten ihre Investoren und Kunden auf 2015. Denn nach einem enttäuschenden Ergebnis 2013 werde das größte deutsche Geldhaus auch in den nächsten Monaten mit Gegenwind zu kämpfen haben, warnten beide Spitzenbanker am Mittwoch in Frankfurt. Milliardenkosten für zahlreiche Rechtsstreitigkeiten und den Umbau des Instituts lasten auf der Bilanz. Angreifen will die Bank erst wieder ab 2015 – erstmals seit längerem ist gar von möglichen Übernahmen die Rede. „2013 war anstrengend, 2014 wird nicht weniger anstrengend sein“, sagte Fitschen auf der Bilanzpressekonferenz. Fortschritte sieht der Norddeutsche allerdings bei der Umsetzung des „Kulturwandels“, den das Führungsduo nach dem Amtsantritt im Sommer 2012 angekündigt hatte. Daran änderten auch die vielen negativen Schlagzeilen nichts. „Wir werden aber nicht gänzlich verhindern können, dass es auch in Zukunft Rechtsstreitigkeiten gibt“, räumte er ein. Dank besserer Kontrollen und einer anderen Haltung des Personals werde Fehlverhalten aber seltener.

Die Deutsche Bank ist weltweit in eine Vielzahl von Skandalen verwickelt. 2014 wolle das Institut die größten noch offenen Rechtsstreitigkeiten hinter sich lassen, kündigte Fitschen an. Dazu zählen die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Libor und der Streit mit den Erben von Leo Kirch um die Pleite von dessen Medien-Konzern. „Dafür werden voraussichtlich weitere Kosten entstehen“, sagte Fitschen. Andere Banken mussten zur Beilegung des Libor-Falls insgesamt bereits Milliardensummen zahlen.

Schon im vergangenen Jahr hatten Strafen und Bußen den Gewinn der Deutschen Bank um 2,5 Milliarden Euro gedrückt. Unter dem Strich verdiente der deutsche Branchenprimus somit lediglich 1,08 (0,32) Milliarden Euro und damit deutlich weniger als viele globale Konkurrenten. „Mit diesem Ergebnis ist die Führungsspitze nicht zufrieden“, betonte Jain. Die Dividende will das Geldhaus dennoch stabil bei 75 Cent halten.

Jain war vor seiner Berufung zum Vorstandschef Leiter der Investmentbank, die für viele Skandale verantwortlich gemacht wird. Von den rund 100 anwesenden Journalisten gab es deshalb viele kritische Fragen: Wie kann es sein, dass Jain von all den Skandalen nichts mitbekommen hat? Und ist er der Richtige, um den „Kulturwandel“ bei der Bank anzuführen? „Ich glaube daran“, entgegnete der gebürtige Inder. „Ich weiß, dass das von oben vorgelebt werden muss – und es gibt keine Zweifel bei unseren Mitarbeitern und Kunden, dass ich dafür die richtige Person bin.“

Jain und Fitschen rechnen damit, dass es nach dem anstehenden Gesundheitscheck der europäischen Aufsichtsbehörden spätestens 2015 zu einer weiteren Fusionswelle im Bankensektor kommen wird. Das Frankfurter Geldhaus wolle daraus als eines der führenden europäischen Institute hervorgehen, unterstrich Fitschen. „Wir wollen zu denen gehören, die sich aktiv raussuchen, was zu unserer Strategie passt.“ Vor allem mittelgroße Institute gelten in Europa nach dem Stresstest der Aufseher als potenzielle Übernahmeziele.

Sondereffekte herausgerechnet habe das Institut in der Kernbank 2013 einen Vorsteuergewinn von 8,4 Milliarden Euro eingefahren, rechnetet Finanzchef Stefan Krause vor. Dies zeige, wie groß die Ertragskraft der Deutschen Bank trotz eines schwierigen Marktumfelds sei.