Mißbrauch

Ministerium nimmt ADAC-Tests unter die Lupe

Bundestagsausschuss berät über Klub-Affäre. Präsident flog auch mit Helikopter nach Hause

In die Affäre um den ADAC will sich nun auch das Bundesverbraucherministerium einschalten. Das Ministerium werde mit dem ADAC über deren Qualitätskontrollen und die Unabhängigkeit von Vergleichen und Zertifikaten sprechen, sagte der für den Verbraucherschutz zuständige Staatssekretär Ulrich Kelber (SPD). Auch mit anderen Organisationen wie etwa dem TÜV sollten Gespräche geführt werden. Die Vorkommnisse beim ADAC und zuvor auch im Zusammenhang mit TÜV-Zertifikaten hätten zu einem „erheblichen Vertrauensverlust“ geführt. Das Thema ADAC steht am Mittwoch auch auf der Tagesordnung des Verbraucherausschusses des Bundestags. „Es ist dringend nötig, dass das Vertrauen der Verbraucher auch in Testergebnisse und Zertifikate nicht-staatlicher Organisationen und Firmen hoch bleibt.“

Auch der Einsatz des Rettungshubschraubers zum Transport von ADAC-Präsidiumsmitgliedern sorgt für neue Aufregung. Nach einem Bericht der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ vom Dienstag soll Club-Präsident Peter Meyer mit einem ADAC-Hubschrauber nicht nur zu dienstlichen Terminen, sondern auch von einem Geschäftstermin nach Hause geflogen sein. Ein ADAC-Sprecher in München betonte, der Flug am 27. Juni 2003 sei nicht extra für Meyer organisiert worden, sondern der Hubschrauber sei ohnehin auf dem Rückweg zu seinem Standort in Bonn gewesen. „Herr Meyer ist auf diesem Weg in Essen ausgestiegen.“

„Flug wurde abgrechnet“

„Der Flug wurde kostendeckend abgerechnet“, sagte der ADAC-Sprecher zum Hubschrauberflug im Juni 2003. Der Umweg habe im widrigsten Fall bei 50 Kilometern gelegen. Was genau der Flug damit möglicherweise mehr kostete, blieb unklar. Aber: „Reisekosten wären sowieso entstanden.“ Diese hätten wohl kaum nicht niedriger gelegen als die möglichen Mehrkosten des Fluges. Ob Meyer in Essen auch dienstlich zu tun hatte oder nach Hause wollte, blieb unklar. Der Hubschrauber hatte Meyer zuvor von einem Diensttermin in Hamburg zu einem dienstlichen Termin in Wolfsburg gebracht. Die ADAC-Vorschriften gestatten es Präsidiumsmitgliedern, aus dienstlichen Anlässen mit Reservemaschinen der Luftrettung zu fliegen. Und auch ein kurioser Einsatz der ADAC-Luftrettung aus dem Februar 2006 wurde jetzt bekannt. Es regnete ohne Unterlass, die Böden waren gefroren, das Wasser floss nicht ab. In einigen norddeutschen Städten mussten bereits Fußballspiele abgesagt werden, weil die Plätze nicht bespielbar waren. Und so bangten Eintracht Braunschweig und ihre Fans: Kann das Abendspiel gegen den Zweitligisten Dynamo Dresden wie geplant stattfinden? Die Stadt Braunschweig versuchte alles. Sie setzte sogar städtische Mitarbeiter ein, die mit Laubsaugern das Spielfeld trocknen sollten. Keine Chance. Daraufhin riefen die Verantwortlichen beim ADAC an. In diesem Fall war Reinhard Manlik ihr Ansprechpartner. Der war damals Vorsitzender des ADAC Regionalklubs Niedersachsen/Sachsen-Anhalt und angesehener CDU-Lokalpolitiker. Manlik zögerte nicht lange und vermittelte den Kontakt zur Luftrettung des ADAC. Die Crew des Rettungshubschraubers „Christoph 30“ sollte den Platz mit dem Wind der Rotorblätter trockenpusten. Der ADAC beteuert, dass es auch beim Föhn-Einsatz im Eintracht-Stadion mit rechten Dingen zugegangen sei. So habe man den Einsatz der Stadt Braunschweig ordnungsgemäß in Rechnung gestellt. Wie viel die Stadt dafür bezahlte, ist nicht mehr nachzuvollziehen.

Derweil beauftragte der ADAC das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte mit der Untersuchung der Vorfälle beim Autopreis „Gelber Engel“. Geprüft werden demnach „sämtliche Verleihungen“ des Preises seit 2005. Wann die Untersuchung beendet sein wird, war zunächst offen. Deloitte werde die Ergebnisse nach Abschluss der Prüfung der Öffentlichkeit vorstellen. Der zurückgetretene ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter hatte gestanden, beim Autopreis „Gelber Engel“ die Leserwahl zum Lieblingsauto der Deutschen manipuliert zu haben. Der Preis wurde inzwischen abgeschafft.