Ermittlungen

Deutsche-Bank-Manager begeht Suizid

William Broeksmit tot in seiner Wohnung in London gefunden. Er galt als Vertrauter von Co-Chef Anshu Jain

Anshu Jain trauert zum zweiten Mal in seiner Karriere um einen engen Weggefährten. Der Risikomanager William Broeksmit wurde am Sonntag tot in seiner Londoner Wohnung aufgefunden. Der Amerikaner, der 2012 kurzzeitig als neuer Risikovorstand der Deutschen Bank im Gespräch war, hat sich offenbar das Leben genommen. Die Londoner Polizei hat den 58-Jährigen erhängt aufgefunden und ein Fremdverschulden ausgeschlossen.

Broeksmit hatte bereits in den 90er-Jahren mit dem heutigen Co-Chef der Deutschen Bank zusammengearbeitet. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat er mehrere Abschiedsbriefe hinterlassen, darunter auch einen an Anshu Jain. Der Inhalt der Briefe ist nicht bekannt. Dem Vernehmen nach soll es sich um sehr persönliche, freundschaftliche Zeilen handeln. Vertrauten zufolge geht der plötzliche Tod des Kollegen Jain sehr nahe. Der 51-Jährige musste schon einmal einen schmerzlichen Abschied verkraften. Sein langjähriger Ziehvater Edson Mitchell war im Jahr 2000 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Ein Foto Mitchells hängt bis heute in Jains Büro in London. „Anshu und Bill waren sehr nah“, sagte ein Bankmanager, der beide gut kannte. „Das Verhältnis war nicht ganz so nah wie zwischen Anshu und Edson, aber fast.“

Die Gründe für Broeksmits Suizid sind bisher nicht bekannt. In der deutschen Öffentlichkeit war der Amerikaner im Jahr 2012 bekannt geworden. Er war als neuer Risikovorstand für die Deutsche Bank vorgesehen. Die BaFin hielt ihn für den Posten jedoch für nicht geeignet, weil er keine ausreichende Erfahrung bei der Führung großer Abteilungen habe. Die Bank zog den Vorschlag daraufhin zurück und berief stattdessen Stuart Lewis in den Vorstand. Broeksmits gescheiterte Kandidatur wurde jedoch durch ein Informationsleck öffentlich bekannt. Broeksmit arbeitete Anfang der 90er-Jahre bereits bei der amerikanischen Brokerfirma Merrill Lynch mit Jain zusammen. Beide folgten 1996 Edson Mitchell zur Deutschen Bank, wo die Truppe das Investmentbanking aufbaute, das bald zur gewinnträchtigsten Sparte des Konzerns werden sollte. Broeksmit arbeitete bis 2001 bei der Bank, war dann einige Jahre als selbstständiger Berater tätig und kehrte 2008 zur Deutschen Bank zurück. Nach dem gescheiterten Aufstieg in den Vorstand ließ er sich im Februar 2013 pensionieren.

„Der Tod von Bill Broeksmit erfüllt uns mit tiefer Trauer“, schrieben Jain und Co-Bankchef Jürgen Fitschen in einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter. „Er war ein guter Freund und Kollege für viele von uns und hat uns mit seinem Intellekt und seinem Wissen bereichert.“ Jain und Fitschen würdigten Broeksmit als einen „der führenden Experten in den Bereichen Risiko- und Kapitalmanagement“. Er habe bei der Gründung der Investmentbanking-Sparte der Bank eine wichtige Rolle gespielt. Die Nachricht von Broeksmits Tod erreicht die Deutsche Bank unmittelbar vor der Jahrespressekonferenz am Mittwoch. Fitschen und Jain müssen sich in Frankfurt für einen überraschenden Milliardenverlust im Schlussquartal des Jahres 2013 erklären. Außerdem wollen sie den Fortschritt innerhalb ihres Strategieprogramms „2015plus“ darlegen.

Bereits 2013 hatte der Selbstmord eines Finanzmanagers Schlagzeilen gemacht. Der Finanzvorstand des Versicherungskonzerns Zurich, Pierre Wauthier, nahm sich das Leben und erhob in einem Abschiedsbrief auch schwere Vorwürfe gegen Verwaltungsratspräsident Josef Ackermann.