Ausstieg

Ex-Telekom-Chef Obermann gibt neuen Posten wieder auf

Nach nur knapp vier Wochen an der Spitze des niederländischen Kabelnetzbetreibers Ziggo muss sich Ex-Telekom-Chef Rene Obermann voraussichtlich wieder mit der Jobsuche befassen.

Grund ist, dass der US-Rivale Liberty Global für zehn Milliarden Euro Ziggo komplett schlucken will. Falls es zu einem Abschluss komme, habe Obermann nicht die Absicht, im Konzern zu verbleiben, teilten beide Unternehmen am Montag mit. Geplant sei, dass der neue Ziggo-Chef von Liberty Global benannt werde, sobald der Kauf in trockenen Tüchern sei. Der 50-jährige Obermann hatte die Deutsche Telekom gut sieben Jahre geführt und das Ruder zum Jahreswechsel abgegeben.

Der Ausstieg von Obermann kurz nach dem Einstieg hatte sich abgezeichnet, als der Kabelriese aus Denver im Herbst einen ersten, glücklosen Anlauf für die Übernahme von Ziggo unternommen hatte. Pikant ist die Konstellation, da Liberty Global mit seinem deutschen Ableger Unitymedia zu den direkten Konkurrenten der Telekom zählt. Der Bonner Konzern versucht seit Jahren, den Exodus von Internetkunden zu Kabelfirmen zu stoppen. Obermann hätte sich also in die Dienste eines der ärgsten Rivalen aus alten Tagen stellen müssen.

Liberty Global fasst mit dem Vorstoß noch stärker Fuß in Europa und kontrolliert im Erfolgsfall 90 Prozent des niederländischen Kabelmarkts, denn der neben Ziggo zweite große Betreiber UPC gehört den Amerikanern bereits. Liberty Global kündigte an, je Ziggo-Titel 34,53 Euro auf den Tisch zu legen – elf Euro davon in bar, den Rest in eigenen Aktien. Das ist ein Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs der Ziggo-Aktien von 33,25 Euro am Freitag. Auf Basis der Offerte wäre das gesamte Unternehmen zehn Milliarden Euro wert. Das Management und der Verwaltungsrat von Ziggo unterstützen die Offerte geschlossen. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus. 29 Prozent an Ziggo besitzt der vom US-Tycoon John Malone kontrollierte Kabelriese bereits.

Die Ziggo-Titel verloren an der Amsterdamer Börse knapp vier Prozent. Investoren seien verunsichert, da der Baranteil der Offerte recht niedrig sei, sagte Rabobank-Analyst Frank Claassen.