Kursabsturz

Boomländern droht neue Finanzkrise

Auf einmal sind die Bilder wieder da: Schlangen vor den Bankschaltern, besorgte Bürger, die ihre Landeswährung in Hartgeld tauschen.

13 Jahre nach dem Staatsbankrott von 2001 scheint Argentinien wieder der Schauplatz einer schweren Finanzkrise zu werden. Um 15 Prozent ist der Kurs der Landeswährung Peso diese Woche abgestürzt. Versuche der Zentralbank, den Wechselkurs zu stabilisieren, blieben weitgehend erfolglos.

Unter Druck stehen derzeit auch die Türkische Lira, der Russische Rubel, der Südafrikanische Rand und der Brasilianische Real. „Wir haben ein potenziell äußerst toxisches Umfeld für die Währungen vieler Staaten“, beschreibt Eamon Aghdasi, Anlagestratege der Société Générale, die Lage im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Es gebe eine Menge Unsicherheitsfaktoren. Eine weitere Verschlimmerung der Situation sei jederzeit möglich. Die Verluste sind schon jetzt dramatisch: Südafrikanischer Rand, Türkische Lira und Indonesische Rupiah haben zum Euro auf Jahressicht mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Für den Brasilianischen Real ging es um 17 Prozent bergab, für die Indische Rupie um 15 Prozent.

Der Absturz folgt einem mehrjährigen hitzigen Boom. Länder wie die Türkei, Russland, Brasilien und andere waren als sogenannte „Schwellenländer“ lange die Lieblinge internationaler Investoren. Teilweise verdeckt blieben jedoch tiefer liegende Wettbewerbsprobleme der Wirtschaft. So litten Indien und die Türkei an hohen Leistungsbilanzdefiziten. Das machte die Staaten von einem anhaltenden Kapitalzufluss abhängig. Als nun zuletzt die Zinsen in den USA anzogen, kehrten sich die Kapitalströme um. Der Strohhalm, an den sich Investoren derzeit klammern, ist die Hoffnung auf eine erneute Umkehrung der US-Zinssituation.