Kommentar

Eigenverantwortung ist gefragt

Michael Fabricius über die Prokon-Pleite und die Ideen der Bundesregierung zum Anlegerschutz

Ein Anlageprodukt löst sich in Luft auf, und in aller Eile wird nach Schuldigen gesucht. Manche Prokon-Anleger zeigen auf die Teilhaber, die in den vergangenen Wochen ihre Genussscheine zurückgegeben haben. Damit machen sie es sich jedoch zu einfach. Denn selbst wenn alle dem Unternehmen treu geblieben wären – das Geschäftsmodell hätte weiterhin auf wackeligen Beinen gestanden. Andere nehmen Geschäftsführer Carsten Rodbertus ins Visier. Der ist zwar für das wirtschaftliche Desaster verantwortlich. Dass 75.000 Anleger seinen Zinsversprechen geglaubt haben, kann man ihm jedoch nicht direkt in die Schuhe schieben.

Also fehlt, und das ist in Deutschland ein schnell gefundener Konsens, eine Regelung, die sozusagen verbietet, dass Anleger auf falsche Versprechungen hereinfallen. Fast reflexartig stellt die Bundesregierung also in Aussicht, Produkte am grauen Kapitalmarkt strenger zu kontrollieren. Der Vertrieb soll erschwert werden.

Grundsätzlich ist es zwar richtig, dass von Emittenten wie Prokon Transparenz und Aufklärung gefordert wird. Wer sich jedoch ein wenig mit Geldanlage beschäftigt, weiß: Selbst der Kauf von Aktien, der transparentesten Anlageform überhaupt, ist mittlerweile so reguliert, dass er in der Bankberatung so gut wie gar nicht mehr stattfindet.

Ab einer gewissen Stufe ist Anleger- und Verbraucherschutz wirkungslos – möglicherweise sogar schädlich, weil suggeriert wird, dass jemand anderes als der Anleger das Ausfallrisiko übernimmt. Das ist jedoch nie der Fall. Auch der Gesetzgeber kann nichts daran ändern: Wer Rendite machen möchte, muss sich informieren und das Risiko dafür selbst tragen.