E-Commerce

Konkurrenz für Lovefilm und Watchever

Netflix hat in den USA gezeigt, wie Videothek online funktioniert. Jetzt soll auch Europa erobert werden

Die in den USA beliebte Online-Videothek Netflix will auch außerhalb ihres Heimatmarktes mehr Zuschauer erreichen. „Wir planen, uns später im Jahr merklich in Europa auszubreiten“, erklärte das Unternehmen. Es gebe „international eine große Chance für Netflix“.

Immer wieder wird spekuliert, dass Netflix auch nach Deutschland gehen könnte. Auf Nachfrage hielt sich Firmenchef Reed Hastings allerdings bedeckt. „Es gibt eine Reihe von Spielern in allen wichtigen Märkten“, sagte Hastings. „Und sie leisten alle gute Arbeit.“ Dennoch könne Netflix in den Ländern ein „sehr erfolgreiches Geschäft aufbauen“. In Deutschland gehören die Amazon-Tochter Lovefilm und Watchever aus dem Vivendi-Konzern zu den größeren Spielern bei Filmen und Serien, die sich übers Internet anschauen lassen. Ein Monatsabo bei Lovefilm kostet 6,99 Euro und damit ähnlich viel wie Netflix umgerechnet in den USA verlangt.

Hastings und ein Partner hatten Netflix 1997 gegründet. In Zeiten langsamer Internetverbindungen spielte der Verleih von DVDs per Post eine große Rolle. Der wahre Durchbruch gelang aber mit dem sogenannten Streaming, bei dem Videoinhalte direkt aus dem Netz abgespielt werden. Netflix mischte damit den US-Fernsehmarkt auf und heimste zuletzt mit Eigenproduktionen Preise ein. Von Netflix produzierte Serien sind „House of Cards“ über Intrigen in Washington oder „Orange is the New Black“ über ein Frauengefängnis.

Weltweit hatte die Online-Videothek zum Jahreswechsel mehr als 44 Millionen Mitglieder, gut 33 Millionen davon in den USA. Der Rest verteilt sich auf Kanada, Lateinamerika und die ersten europäischen Länder. Das sind im Einzelnen Großbritannien, Irland sowie Finnland, Dänemark, Schweden und Norwegen. Auf dem Heimatmarkt gehören der Bezahlsender HBO („Game of Thrones“) und das Streaming-Portal Hulu zu den größten Rivalen.

Im vergangenen Jahr konnte Netflix dank eines kräftigen Zustroms an Nutzern seinen Umsatz um 21 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar (3,2 Milliarden Euro) steigern. Der Gewinn war mit 112 Millionen Dollar fast sieben Mal so hoch wie im Vorjahr. Das Unternehmen erwartet auch im laufenden Quartal einen Zuwachs an Zuschauern. Die Aktie schoss am Donnerstag vorbörslich um 17 Prozent in die Höhe.

Auch der TV-Konzern ProSiebenSat.1 zeigt seine Kanäle bald über das Internet. Von März an seien alle Sendungen von ProSieben, Sat.1 und der kleineren Kanäle auch auf dem PC und dem Smartphone zu empfangen, kündigte das Unternehmen am Donnerstag an. Die deutschen TV-Sender der RTL-Gruppe gingen diesen Schritt bereits vor einem halben Jahr. ProSiebenSat.1 bietet bisher über Internet-Browser und Apps lediglich programmbegleitende Infos und Videos an. Wie bereits RTL arbeitet ProSiebenSat.1 bei seinem neuen Angebot mit dem schwedischen Streaming-Dienst Magine zusammen.

Obwohl sich die Deutschen trotz zunehmender Internetnutzung immer noch so oft vor den Fernseher setzen wie seit Jahren, gelten vor allem Mobilangebote als Zukunftsmarkt. So nähert sich der defizitäre Bezahlsender Sky Deutschland den schwarzen Zahlen unter anderem, weil er mit seinem Programm die Zuschauer zunehmend unterwegs via Smartphone-App erreicht. Die TV-Sender konkurrieren auf Handys und Tablets mit dem Videodienst Youtube von Google und Online-Videotheken wie Netflix. Youtube ist für einige Sender zugleich Partner.