Handel

Die neue große Preisschlacht der Discounter

Aldi reagiert auf wachsende Billig-Konkurrenz

Deutschlands größter Discounter Aldi heizt den Wettbewerb im deutschen Lebensmittelhandel weiter an. Der Marktführer senkte am Wochenende die Preise für verschiedene Frühstücksprodukte wie Cerealien, Müsli und Joghurt um bis zu zehn Cent. Aldi gebe damit erzielte Ersparnisse an die Kunden weiter, betonte das Unternehmen.

Die Preissenkungen von Aldi dürften Auswirkungen auf den gesamten Einzelhandel haben. Denn viele Händler orientieren sich im Preiseinstiegsbereich am Discount-Marktführer. Erst vor wenigen Tagen hatte Aldi die Preise für Eier, Instant-Kaffee und Instant-Tee gesenkt. Mehrere Ketten zogen unverzüglich nach.

Für den Discount-Marktführer ist es zurzeit wichtig denn je, dem Verbraucher klar zu suggerieren: „Wir sind noch immer die günstigsten.“ Denn immer mehr Konkurrenten machen Aldi den Titel des Preisführers streitig. Die Supermarktkette Real startete vor einigen Monaten sogar eine Billig-Eigenmarke, die erklärtermaßen Aldi, Lidl und Co. preislich nicht nur Paroli bieten, sondern sie sogar unterbieten soll. Dabei handelt es sich um knapp 20 Artikel: Fruchtsäfte, Nudeln, Toilettenpapier und Wurst, aber auch Socken und Glühbirnen. Knallgelb verpackt tragen sie statt eines Markennamens nur die Produktbezeichnung.

Nie gesehener Preiskrieg

Real wirbt dafür mit dem Slogan „Ohne Schnickschnack. Ohne teuer“. „Es ist durchaus möglich, dass Real damit einen Preiskrieg in Deutschland auslöst, wie wir ihn seit Jahren nicht mehr gesehen haben“, sagte Handelsexperte Matthias Queck vom Beratungsunternehmen Planet Retail. Und damit scheint er recht zu haben. Denn die vorletzte Rotstiftrunde von Aldi – erst wenig Tage alt – brachte ungewöhnlich deutliche Preissenkungen mit sich. So kostet etwa das Zehnerpack Eier aus der Bodenhaltung statt zuvor 1,29 Euro jetzt nur noch 99 Cent.

Eine Preissenkung um gut 23 Prozent. Auch Eier aus ökologischer Haltung wurden um 30 Cent günstiger. Prompt reagierten andere Discounter: Aldi Nord, Norma und Netto kündigten ähnliche Preissenkungen an. Bereits Ende November hatte Aldi ein Preissignal gesetzt, als das Unternehmen die Preise bei Frischwurstaufschnitt, Würstchen und Salamiprodukten zusammenstrich.

Mit den schnell aufeinander folgenden Preisrunden nimmt Aldi offensichtlich auch einen leichten Strategiewechsel vor. Denn der Konzern hatte vor rund eineinhalb Jahren damit begonnen, auch Markenprodukte in sein Sortiment aufzunehmen. Hintergrund: Lidl – der wichtigste und gefährlichste Konkurrent – nahm dem Platzhirschen mit seiner Markenstrategie immer mehr Marktanteile ab. Seitdem findet der Verbraucher neben den bewährten No-Name-Produkten auch Markenartikel wie beispielsweise Coca Cola in den Supermarkt-Gängen. Das aber macht Aldi austauschbar. Und: Bei Sonderaktionen unterschreitet der Preis für etwa Coca-Cola nicht nur bei den anderen Discountern das Aldi-Niveau, auch die klassischen Supermärkte liegen zeitweise darunter.