Steuern

Mit dem Taxi-Schein an die Uni

Viele Studierende sollen Ausbildungskosten steuerlich nicht mehr geltend machen können. Doch wer den richtigen Umweg wählt, kommt günstiger weg

Höchstrichterlich abgesegnete Zweiklassengesellschaft – anders kann man die gesetzlichen Regeln zur Absetzbarkeit von Kosten für ein Studium kaum nennen. Zweiklassengesellschaft, weil nur derjenige Aufwendungen für sein Studium von der Steuer absetzen kann, der zuvor eine Ausbildung gemacht hat. Alle anderen bleiben darauf sitzen. Höchstrichterlich abgesegnet, weil der Bundesfinanzhof in München – und damit das oberste Gericht für Steuersachen – diese Regelung bestätigt hat (Az.: VIII R 22/12).

Damit dürfte ein lange währender und heftiger Streit beigelegt sein. Durchgesetzt hat sich der Gesetzgeber. Als Verlierer hingegen könnte ein Großteil der Studierenden dastehen. Doch was zunächst schlecht für die Studenten klingt, hat auch sein Gutes. Denn jetzt sind die Regeln klar. Und damit auch, welche steuerrechtlichen Umstände dazu führen, dass Ausbildungskosten absetzbar sind. Überraschend viele dürften nun die Möglichkeit haben, davon zu profitieren.

Umstritten ist die Beteiligung des Fiskus an Ausbildungskosten seit langem. Eine neue Dimension hatte der Streit im Jahr 2011 erreicht. Nachdem der Bundesfinanzhof die systematische Ungerechtigkeit erkannt und in der Folge auch die Kosten für Erstausbildungen als Werbungs- oder Betriebsausgaben anerkannt hatte, zog der Gesetzgeber nach. Er führte die Paragrafen 12 Nr. 5 und 4 Abs. 9 Einkommensteuergesetz ein.

Keine Werbungskosten

In diesen Regelungen ordnete er ausdrücklich und unmissverständlich an, dass Aufwendungen des Steuerpflichtigen für seine erstmalige Berufsausbildung oder für ein Erststudium, das zugleich eine Erstausbildung vermittelt, weder Betriebsausgaben noch Werbungskosten darstellen. Anzuwenden ist diese Neufassung nach dem Willen des Gesetzgebers für Veranlagungszeiträu-me ab 2004. Während die Finanzrichter bislang den Gesetzestext noch in ihrem Sinne auslegen konnten, ist ihnen diese Möglichkeit nun genommen. Mit ihrem nun ergangenen Urteil haben sie sich folglich dem Willen des Gesetzgebers gefügt.

Die Folge: Aufwendungen fürs erste Studium sind nur als Sonderausgaben bis 6000 Euro im Jahr absetzbar. Davon haben Studierende jedoch rein gar nichts, weil sie kein Einkommen haben. Und Sonderausgaben können nicht in spätere Jahre getragen werde – im Gegensatz zu Werbungskosten. Wer von der Schulbank nahtlos an die Uni geht, bleibt also voll auf seiner Investition in die erste Berufsausbildung sitzen. Ein Zweitstudium oder ein dualer Studiengang lassen sich dagegen unbegrenzt absetzen. Doch wie so oft gibt es auch für diese Steuerregelung Ausnahmen, die Bürger für sich nutzen können. Nur – kaum jemand kennt sie, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) in Berlin.

Kurzausbildung vorschalten

Aus dem „Erststudium“ lässt sich nämlich eine „Zweitausbildung“ machen. Dazu müssen Studierende einen Umweg einlegen. Doch dieser kann sich – zumindest steuerlich – lohnen. Denn wer nach seinem Abitur nicht direkt zur Uni geht, sondern eine Ausbildung vorschaltet, kann danach einige Tausend Euro fürs Hochschulstudium oder für die kostenpflichtige Ausbildung steuerlich absetzen. Nicht jeder muss dafür eine jahrelange Lehre absolvieren.

Denn während früher noch ein enger Zusammenhang zwischen Erst- und Zweitausbildung bestehen musste, akzeptiert der Fiskus neuerdings auch kurze Schulungen zum Taxifahrer, zum Rettungssanitäter, zum Flugbegleiter als Erstausbildung. Möglich ist auch, innerhalb des freiwilligen sozialen Jahres eine Schulung zum Sanitäter zu machen. Oder während des freiwilligen Wehrdienstes einen Lkw-Führerschein.

Wichtige Voraussetzung ist, dass die erste Ausbildung nach einem festen Plan abläuft, erklärt Markus Deutsch, Steuerberater und Sprecher des NVL und bezieht sich auf ein weiteres Urteil des Bundesfinanzhofes (Az.: VI R 6/12). Dann spiele es keine Rolle, welches Studium der junge Mensch danach ergreift. Auch ein ausgebildeter Rettungssanitäter beispielsweise dürfe Kosten seines späteren Maschinenbaustudium als Werbungskosten anrechnen. Oder – wie im Fall, der bei den obersten Finanzrichtern auf dem Pult landete – eine Stewardess später Pilotin werden. Die Klägerin wollte die Kosten für ihre zweite Ausbildung in Höhe von knapp 19.000 Euro pro Jahr als vorweggenommene Werbungskosten anerkannt haben. Sie bekam Recht.

Das Urteil habe echte Chancen eröffnet, erläutert Rauhöft. Er nennt ein weiteres Beispiel: den Taxischein. Wer die Kurzausbildung zum Taxifahrer mache, müsse um die 350 Euro investieren, ein paar Wochen lang büffeln und dann die Prüfung bestehen. Damit werde ein anschließendes Studium zur Zweitausbildung und somit absetzbar. Wermutstropfen: Erst ab 21 kann man Taxifahrer werden. Eine Alternative ist die Ausbildung zum Rettungssanitäter – das geht schon mit 18 Jahren. Beim Malteser-Hilfsdienst dauert die Ausbildung in Vollzeit rund 16 Wochen: Kostenpunkt 1250 Euro.

Vorsicht bei Studentenjob

Außer des Zeitverlusts, sind zwei wichtige Punkte zu beachten: Nur wer das Studium noch nicht begonnen hat, kann auf diesem Wege profitieren. Und für den, der eine richtig teure (Zweit-)Ausbildung vorhat, wird sich die vorherige Kurzausbildung lohnen. Steuerlich funktioniert das Ganze über das Modell vorweggenommener Werbungskosten beziehungsweise Betriebsausgaben, erklärt Rauhöft: Haben Studierende in der Zweitausbildung hohe Ausgaben, aber keine Einnahmen, schreibt das Finanzamt einen Verlust aus. Dieser werde für spätere Veranlagungsjahre festgeschrieben und erst eingelöst, wenn der Berufsanfänger einmal eigenes Geld verdient. Als Folge zahlt er in den ersten Jahren weniger Einkommensteuer.

Isabel Klocke, Expertin beim Bund der Steuerzahler, bestätigt die Einschätzung von Rauhöft: „Gerade wenn das Studium kostspielig ist, wie etwa bei Medizinern, oder wenn Studenten an Privat-Unis gehen beziehungsweise Auslandssemester einlegen, kann es sinnvoll sein, die Steuersparmöglichkeit zu nutzen.“ Gleiches gilt für alle, die teure Ausbildungen ins Auge gefasst haben. Etwa Piloten, Heilpraktiker, Physiotherapeuten, Erzieher, Dolmetscher oder auch Sekretärinnen.

Aber Achtung: Wenn Studenten kaum Kosten oder recht hohe Einnahmen aus einem Studentenjob haben, lohnt der Umweg über die Ausbildung steuerlich eher nicht, sagt Klocke. Weitere, aber auch letzte Voraussetzung: Studenten müssen Belege sammeln und jedes Jahr eine Steuererklärungen machen, um auf der ersten Seite des Mantelbogens die „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ anzukreuzen.