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Lebensversicherer müssen künftig radikal umdenken

BaFin verlangt Alternativen zu den Zinsgarantien

Die Finanzaufsicht BaFin hat die deutschen Lebensversicherer zu einem radikalen Umsteuern aufgefordert. „Die Versicherer müssen differenziertere Angebote entwickeln und das Produkt Lebensversicherung in Teilen neu erfinden“, sagte die Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Elke König. Die niedrigen Zinsen auf sichere Wertpapiere belasten die Branche zunehmend, weil sie den Kunden langfristige Zinsgarantien gegeben haben, die teilweise über Jahrzehnte gelten. Große Versicherer wie die Allianz und Ergo haben bereits alternative Produkte ohne diese Garantien eingeführt.

Damit die Lebensversicherer genügend Geld zurücklegen, um die Garantien auch künftig zahlen zu können, hat ihnen die BaFin vor drei Jahren auferlegt, eine Zinszusatzreserve zu bilden. Die Branche habe dafür allein im vergangenen Jahr sechs Milliarden Euro aufgewendet, sagte die BaFin-Chefin. König forderte „intelligente, ausgewogene Lösungen“, die den Kunden die nötige Sicherheit für die Altersvorsorge geben und im Rahmen des Möglichen verständlich seien. „Die ersten Schritte in diese Richtung haben wir schon gesehen, und ich kann die Unternehmen nur ermutigen, auf diesem Weg weiterzugehen, denn es geht um ihre Zukunft“, sagte die BaFin-Chefin.

Im Zuge der neuen, stärker am Risiko ausgerichteten Kapitalregeln „werden einige Anbieter langfristiger Garantien sicher zusätzliche Eigenmittel aufbauen müssen“, sagte König.

Neben den Versicherern müssten jedoch auch die Großbanken umdenken. Die Vorwürfe um die Manipulation von Referenzzinsen und Devisenkursen hätten „eine Branche in Verruf gebracht, deren Ansehen ohnehin lädiert war, die aber wie keine andere darauf angewiesen ist, dass man ihr vertraut“, sagte König. „Statt der Parole ,Profit um jeden Preis’ müssen langfristiges Denken und verantwortungsvolles Handeln die Richtschnur sein“, forderte sie. „Ein Sinneswandel in diese Richtung ist zu erkennen.“