Unternehmen

Wer an den guten Vorsätzen verdient

Fitnessstudios, Ernährungsberater und Apotheken machen zu Jahresbeginn Spitzenumsätze

Gänsebraten, Klöße und jede Menge Wein. Während der Weihnachtsfeiertage wächst die Zahl der übergewichtigen Deutschen stark an. Ein Blick auf die Waage genügt und die ersten guten Vorsätze für das neue Jahr sind gefasst. Weniger essen, mehr Sport und keine Zigaretten mehr. Was sich die Deutschen da vornehmen, hilft nicht nur ihrem Gewissen, sondern einer ganzen Branche, die mit den guten Vorsätzen anderer Leute gute Geschäfte macht. Für sie gibt es keine Umsatzflaute im Januar. Erst nach Weihnachten wird in Fitnesscentern, bei Ernährungsberatern oder in Apotheken überhaupt erst richtig Geschäft gemacht.

Es ist die Zeit im Jahr, in der Paul Linke (Name geändert) nicht besonders gern in sein Fitnessstudio geht. „Ab Januar ist es immer unerträglich“, sagt der Student, der bei der Berliner Kette „Superfit“ für 18,50 Euro im Monat trainiert. Bis zu 30 Prozent mehr Nutzer würden dann ins Studio strömen. Auf den ersten Blick ist das kein Wunder. Mit 18,50 Euro ist der Berliner Anbieter sogar noch billiger als der Branchenprimus „McFit“, der aktuell mit dem Discountpreis von 19,90 Euro, um untrainierte Deutsche buhlt.

Doch wer genau hinschaut, entdeckt auf den Homepages der Anbieter einen kleinen Stern neben dem Billigpreis. Wer sein schlechtes Gewissen nach dem üppigen Weihnachtsbraten auf günstige Art beruhigen will, muss sich lange binden. Für ein ganzes Jahr gilt die Mitgliedschaft bei „Superfit“ und „McFit“ – plus einmaligen Servicegebühren von 24,90 beziehungsweise 19,90 Euro. Wer nach zwei Monaten die guten Vorsätze über Bord wirft, muss weiter zahlen.

Das Konzept von „McFit“ geht trotzdem auf. Bis zu 1,2 Millionen Menschen trainieren aktuell in den europaweit 190 Studios der Kette. Doch wie viele Kunden im Frühjahr neu dazu kommen, will das Unternehmen nicht verraten. Einen vermehrten Zuwachs zu Beginn des Jahres gebe es schon, gibt Pressesprecherin Hannah Beckmann zu: „Der Januar ist generell der zulaufstärkste Monat in der Fitnessbranche.“ Darauf stellt sich die Kette natürlich auch mit speziellen Angeboten ein und aktiviert als Werbeinstrument einfach die eigenen Mitglieder. Sie konnten in den Studios von Mitte November bis Mitte Dezember maximal zwei Weihnachtsgutscheine für den Preis von je 29,90 Euro kaufen und unter den Weihnachtsbaum legen. Die Beschenkten sparen sich damit nicht nur die Servicepauschale, sondern trainieren auch zwei Monate umsonst. Noch einfacher könnte die Mitgliederwerbung für das Unternehmen kaum laufen.

Markt von vier Milliarden Euro

Auf dieses Werbekonzept setzt auch der Premiumanbieter „Fitness First“ mit seinen 270.000 Mitgliedern. Wer neue Mitglieder ködert, spart hier in drei Monaten 60 Euro Mitgliedsgebühr. Und wer noch gar nicht angemeldet ist, konnte von Weihnachten bis Silvester als Schnupperangebot kostenlos trainieren. Einzige Bedingung: Urlaub durften die Fitnesswilligen zwischen den Jahren nicht haben. Ohne ein Foto von sich selbst am Arbeitsplatz gab es kein Gratistraining. Mit diesen Angeboten versucht sich „Fitness First“ am vier Milliarden Euro schweren Fitnessmarkt zu profilieren. „Wir rechnen mit einem Mitgliederzuwachs von Januar bis März von vier Prozent, sagt Hagen Wingertszahn, Chief Operating Officer.

Im Gegensatz zu den Billiganbietern wirbt die Kette nun auch mit einer Zufriedenheitsgarantie, die einfache Kündigungen garantiere. Wer in 28 Tagen acht mal in den Studios trainiert und trotzdem nicht zufrieden ist, soll ohne weiteres wieder aussteigen können. Die Kündigung greift allerdings erst im zweiten Monat. Und wer genau wissen will, was die neue Sportlichkeit kostet, wird auf den Internetseiten nicht fündig. Zwischen 39,99 und 124,99 Euro kann der Beitrag je nach Vertragsdauer, Clubkategorie und Trainingsmöglichkeit schon liegen.

Übersichtlicher präsentiert sich da die Welt der Ernährungsberater. Branchenriese Weight Watchers will mit speziellen Angeboten zum Jahresstart auch von den guten Vorsätzen der Deutschen profitieren. Pro Jahr setzt der US-Konzern knapp 1,8 Milliarden US-Dollar mit Diät-Programmen um. In Deutschland versuchen durchschnittlich 360.000 Menschen mit Weight Watchers ihre Rettungsringe abzuschmelzen. Trotzdem will das Unternehmen mit einer umfassenden Marketing- und Kommunikationskampagne zum Jahreswechsel auf sich aufmerksam machen, sagt Sprecherin Tina Schabacker. So kostet die erste Monatsgebühr des Diätprogramms nun seit Weihnachten und noch bis 8. Februar nur 29,95 Euro. Im zweiten Monat kassiert Weight Watchers allerdings schon wieder die zehn Euro teurere Standardgebühr.

Konkurrent „Almased“ wirbt mit seinem Vitalkostpulver für schnelle Gewichtsreduktion. Und das in TV-Spots, die direkt vor der Tagesschau laufen. Eine wirklich günstige Alternative ist das Pulver aus der Apotheke, das pro 500 Gramm knapp 16 Euro kostet und innerhalb von fünf Tagen aufgebraucht sein kann, allerdings nicht.

Nichtrauchen kostet erstmal

Tief in die Tasche müssen auch künftige Nichtraucher greifen. Das viel belächelte Nikotinpflaster kostet in 14 Tagen stolze 44 Euro. Während ehemalige Vielraucher im Vergleich zum Zigarettenkauf vielleicht sparen, verdient auf jeden Fall immer der amerikanische Konsumgüterhersteller „Johnson & Johnson“, der in Deutschland die Pflaster unter dem Markennamen „Nicorette“ vertreibt. Pünktlich zum Jahresbeginn zeigt ein Werbespot das neuste Produkt: Ein Mundspray, das das Rauchverlangen minimiert. Für 34 Euro sollen sich Nichtraucher nun mit bis zu 150 möglichen Sprühstößen pro Dose die Lust aufs Rauchen nehmen. Die Kampagne kommt zum richtigen Zeitpunkt. Denn der Absatz von sogenannten Nikotinersatzprodukten steigt im Frühjahr signifikant. Die Versandapotheke „DocMorris" verschickte im Januar 2013 allein 75 Prozent mehr Nikotinpflaster oder -kaugummis als im Vormonat.

Ein Trend den der Verband des eZigarettenhandels (VdeH) nicht kennt. Der Umstieg auf eine Elektrozigarette falle einfach viel zu leicht, als dass man sich dafür einen guten Vorsatz nehmen müsste, erklärt VdeH-Vorsitzender Dac Sprengel. Dafür freut sich die Branche über den verkaufsstarken Dezember mit einem doppelten so hohen Monatsumsatz wie üblich. „Da scheinen viele E-Zigarretten unter dem Tannenbaum gelegen zu haben“, so Sprengel. Doch wer weiß, ob die Beschenkten nicht 2015 auch mit dem elektrischen Rauchen aufhören wollen?