EU-Beitritt

Lettlands Banken schwimmen in dubiosem Geld

Ehemalige Sowjetrepublik ist jetzt Mitglied der Euro-Zone

Lettland ist zum Jahreswechsel der Euro-Zone beigetreten. Das Land bringt einen Bankensektor mit, der in dubiosen Geldern aus Russland und anderen östlichen Staaten schwimmt. Und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da die Währungsgemeinschaft versucht, gegen solche sicheren Häfen vorzugehen.

Gerade einmal rund neun Monate ist es her, dass die Euro-Zone Zypern finanziell beispringen musste, einem ähnlich kleinen Mitgliedsland, das ebenfalls umfangreiche Einzahlungen aus Russland empfing. Seitdem haben europäische Spitzenpolitiker geschworen, mehr Transparenz zu schaffen. Aber als 18. Mitglied der Euro-Zone wird Lettland wahrscheinlich eher noch einen größeren Zufluss von schmutzigen Geldern erleben. Denn der Staat dürfte als sicherer eingestuft werden als andere frühere Mitgliedsländer der Sowjetunion – mit einer Wirtschaft, die seit drei Jahren in einem stärkeren Tempo wächst als in jedem anderen EU-Land, und mit einem bemerkenswerten Grad an politischer Stabilität. Zugleich bleibt aber die finanzielle Aufsicht in diesem Staat locker, der Datenschutz wird großgeschrieben.

„Ich kann mir vorstellen, dass wir sofort nach Lettlands Beitritt einen Anstieg des Zustroms dubioser Gelder sehen“, sagt Professor Mark Galeotti von der New York University, der auf die Erforschung organisierter Verbrechen in der ehemaligen Sowjetunion spezialisiert ist. Jahrelang hatten politische und wirtschaftliche Führer in Lettland darauf gehofft, so etwas wie eine „Mini-Schweiz“ in Osteuropa zu schaffen. Einen Ort, wo Kapital aus instabilen Ländern wie Russland oder Kasachstan für eine Weile geparkt oder über den es weiter zu Banken-Mekkas wie Zürich oder London geschleust werden kann.

Nach einem kurzzeitigen Rückgang während der Finanzkrise ist der Umfang von Bankeinzahlungen, die nicht von Einwohnern Lettlands getätigt wurden, rapide angestiegen – insbesondere in den vergangenen zwei Jahren, im Vorfeld des Beitritts zur Euro-Zone. Fast die Hälfte aller Einzahlungen fallen in diese Kategorie, was äußerst ungewöhnlich ist.

Banken ohne Kreditgeschäft

Lettland hat 20 einheimisch registrierte Banken, das heißt, eine pro 100.000 Einwohner – eine extrem hohe Rate. 13 dieser zumeist sehr kleinen Einrichtungen stützen sich fast ganz auf ausländische Gelder, hauptsächlich aus instabilen Ländern der früheren Sowjetunion. Statt Kredite zu vergeben, dienen sie hauptsächlich als sichere Häfen oder Transfer-Unternehmen. Längerfristige feste Anlagen sind selten, die Mittel sollen schnell bewegt werden können.

Eine gute Nachricht für die Euro-Zone ist immerhin, dass Lettlands Bankensystem, gemessen an der Wirtschaft, nicht zu groß ist. Das macht es weniger wahrscheinlich, dass der Staat von seinen neuen Währungspartnern Hilfe zur Rettung seiner Banken benötigt, sollten diese – wie in Zypern geschehen – in Schwierigkeiten geraten. Nach dem Stand Ende September hielten die Banken umgerechnet knapp 22 Milliarden Euro an Vermögenswerten oder ungefähr 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Das liegt weit unter den durchschnittlichen 320 Prozent in der Euro-Zone im Jahr 2011.