Prognose

Alles spricht für ein grandioses Börsenjahr

Aktienstrategen gehen davon aus, dass der Dax locker über die 10.000-Punkte-Marke springen wird

Die Zukunft hat fünf Stellen. Selten waren sich Analysten so einig wie in diesem Jahr. Der Deutsche Aktienindex Dax wird in den kommenden zwölf Monaten die historische Marke von 10.000 Punkten souverän erobern, prophezeien von der Morgenpost Investmentstrategen. Anhaltend niedrige Zinsen, ein sich verbesserndes wirtschaftliches Umfeld und weniger politische Querschläge sind nach Ansicht der Profis der perfekte Nährboden für ein weiteres Gewinnerjahr. Denn den Experten zufolge sind Aktien noch immer moderat bewertet. Auch angesichts der Tatsache, dass der Dax 2012 um 29 Prozent und im vergangenen Jahr um 25 Prozent gestiegen ist. Lediglich zwei der 22 befragten Analysten geben sich skeptisch. Im Durchschnitt prophezeien die Experten ein Dax-Niveau von 10.200 Punkten. Im Vergleich zu heute wäre das nochmals ein Aufschlag von fast sieben Prozent. So groß war der Optimismus zuletzt 2010. „Jetzt hört es jeder, und alle sagen dasselbe. Die Zeit, ein Armageddon zu befürchten, ist vorüber“, sagt Paul Jackson von Société Générale.

„Aktien haben sich zwar gut entwickelt. Doch wer deshalb glaubt, dass die Rallye jetzt zu Ende ist, der irrt“, sagt Mislav Matejka, Europa-Stratege bei J.P. Morgan. Die Aktie werde auch 2014 alle anderen Anlageklassen übertrumpfen. Auffällig ist: Die Investoren gehen ungewohnt siegesgewiss ins neue Jahr. Ablesen lässt sich das am VDax. Der sogenannte Angst-Index notiert aktuell rund 20 Prozent unter dem Wert vom Vorjahr. Je niedriger der Wert, desto geringer die Angst vor Kursverlusten. Total blauäugig gehen die Analysten allerdings nicht ins neue Jahr. Sie stellen auch Bedingungen für ihren Optimismus. „Die Unternehmensgewinne müssen zulegen, damit die Hausse ein stabiles Fundament hat“, erklärt Commerzbank-Stratege Andreas Hürkamp. „Nur dann sinkt die Gefahr eines herben Rückschlages.“ Hürkamp sagt aber auch, dass das von vielen erwartete Gewinnwachstum von zwölf bis 15 Prozent zu hoch sei. „Das wird der Markt im Laufe des Jahres korrigieren, so dass es 2014 auch zu stärkeren Korrekturen kommt.“ Er rechnet deshalb mit einem sehr volatilen Börsenjahr.

Zu den ausgemachten Optimisten zählt Andrew Garthwaite, Stratege bei der Credit Suisse. Er stützt seinen Dax-Optimismus auf das globale Wirtschaftswachstum. Die weltweit anziehende Konjunktur werde die Risiken für den deutschen Aktienmarkt weiter reduzieren. Er sieht den Dax in einem Jahr 15 Prozent höher als heute. „Die Aktienrallye wird so lange anhalten, wie die Papiere im Vergleich zu Anleiheninvestments nach wie vor unterbewertet sind.”

Doch genau hier klingt auch ein Risiko an. Die Anleiherenditen könnten in die Höhe schießen und damit die Attraktivität von Renten wieder erhöhen. Sollte die amerikanische Notenbank zu rasch ihre ultralockere Geldpolitik zurückfahren, könnte sich die Situation von vor zehn Jahren wiederholen. 1994 kam es zu einem abrupten Ausverkauf am Anleihemarkt. Doch damit rechnen heute nur die wenigsten. Sie rechnen mit einem moderaten Renditeanstieg bei zehnjährigen Bundesanleihen auf 2,25 Prozent.

Wenig Hoffnung machen Bank-Analysten dagegen den Fans von Gold und Silber. Edelmetalle haben 2013 den größten Kursrutsch seit Anfang der Achtzigerjahre erlitten. Das gelbe Metall wurde am Ende des alten Jahres bei rund 1200 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gehandelt, im Durchschnitt erwarten die Kapitalmarktexperten einen weiteren Rückgang auf 1192 Dollar. Ein Grund für die Edelmetall-Schwäche sind Veränderungen an der Devisenfront. Behalten die Auguren recht, wird der Dollar der große Sieger sein. Im Schnitt erwarten die 22 befragten Analysten für Ende 2014 eine Verteuerung der US-Währung um zehn Cent: von aktuell 1,38 auf dann 1,28 Dollar je Euro. Tritt die Stärke des Dollars tatsächlich ein, könnte das dem Dax wiederum Rückenwind verschaffen: Für die Gewinne der stark exportorientierten Dax-Konzerne wäre dieses Niveau nämlich eine echte Hilfe.

Lediglich zwei Mahner stemmen sich gegen die Optimisten. Carsten Brzeski, Chefökonom bei der ING Diba, gibt den Spielverderber: „Mittlerweile scheint nichts mehr die Märkte erschüttern zu können. Und diese Logik funktioniert nicht lange!“ Gertrud Traud, die Chefvolkswirtin bei der Helaba, sieht Überhitzungstendenzen und rät Anlegern, bei 9600 Punkten Kasse zu machen. Sollte der Dax gar auf 10.000 Zähler steigen, sollten Sparer „schleunigst aussteigen“.