Konjunktur

In Deutschland scheint Vollbeschäftigung möglich

Arbeitgeberpräsident Kramer ist optimistisch

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hält Vollbeschäftigung in Deutschland noch in diesem Jahrzehnt für möglich. Voraussetzung sei, dass alles daran gesetzt werde, auch Geringqualifizierten und Langzeitarbeitslosen eine Chance auf Beschäftigung zu geben, sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). „Vollbeschäftigung ist möglich, wenn jetzt die Weichen richtig gestellt werden“, lautet Kramers Appell an die politisch Verantwortlichen. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise will die Zahl der Jobsuchenden von derzeit 2,8 Millionen auf 1,5 Millionen nahezu halbieren. Im November lag die Arbeitslosenquote bei 6,5 Prozent. Viele Ökonomen sprechen bereits bei Werten unter vier oder fünf Prozent von Vollbeschäftigung.

Für 2014 sieht Kramer die Entwicklung am Arbeitsmarkt weiterhin positiv. „Ich gehe von einem erneuten Anstieg der Beschäftigung aus. Allerdings wird die Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr wohl trotz steigender Beschäftigung allenfalls noch geringfügig sinken“, sagte der BDA-Präsident.

Für BA-Vorstandschef Weise sind Hilfen für schlecht qualifizierte und längere Zeit arbeitslose Menschen der Schlüssel für einen weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit. Einen zeitlichen Horizont für die Marke von 1,5 Millionen nannte er nicht. Alle Menschen in Arbeit zu bringen, hält er für kaum möglich – schon deshalb, weil es immer Menschen geben wird, die bei einem Stellenwechsel vorübergehend arbeitslos sind. Außerdem: „Wir werden immer Menschen haben, die den Anforderungen nicht gerecht werden.“

DGB-Chef Michael Sommer kritisierte, dass zu viele Menschen für nicht auskömmliche Löhne arbeiten müssten. Werde über den Abbau von Arbeitslosigkeit oder gar über Vollbeschäftigung geredet, denke er „an sozialversicherungspflichtige Vollarbeitsplätze, von denen man leben kann. Es nützt uns überhaupt nichts, die Zahl der Niedriglöhner und Teilzeitbeschäftigten immer weiter zu erhöhen“, sagte Sommer. „Wenn acht Millionen Menschen in Deutschland prekär beschäftigt sind, dann sind das acht Millionen zu viel“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes. „Und wir können uns nicht damit zufrieden geben, dass knapp drei Millionen Menschen arbeitslos sind, zumal wir eine zusätzliche verdeckte Arbeitslosigkeit von mindestens einer Million haben.“

BA-Chef Weise räumte ein, dass schon der Weg zu einer Halbierung der derzeitigen Arbeitslosigkeit schwierig genug sei. „Es gibt Entwicklungen, die spielen komplett dagegen.“ So gebe es in der Jobdatenbank der Bundesagentur lediglich 16 Prozent offene Stelle für Hilfskräfte. Gesucht würden solche Stellen aber von jedem zweiten Arbeitslosen; vielen Erwerbslosen fehlt es an der erforderlichen Schul- und Berufsausbildung. Auch Kramer sieht den Grund für den Abbau der Arbeitslosigkeit vor allem darin, dass die Anforderungen an Bewerber und das Profil vieler Arbeitsloser immer öfter nicht zusammenpassten.