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Mode zum Mieten

Das Start-up Laremia verleiht Glamour auf Zeit. Vor allem Roben internationaler Designer sind gefragt

Es begann mit einer Hochzeit. Also eigentlich mit zwei. Naja, oder drei. Auf jeden Fall begann es in diesem Sommer, in dem Anna Mangold und Claudia von Boeselager auf mehreren großen Festen tanzen sollten und ihnen irgendwann nicht mehr einfiel, was sie anziehen könnten. Wenn man zum dritten Mal dasselbe Kleid zu einem festlichen Anlass trägt, dann langweilt man ja nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen um einen rum. Und dementsprechend fühlt man sich dann auch. So kam Anna Mangold und Claudia von Boeselager die Idee zu einem Service, den sie selber gerne nützen würden. Es entstand das Start-up „Laremia” – gebastelt aus „Love and Rent – Every Moment is Amazing“. Gut, der Name ist nicht ganz einleuchtend, das Konzept aber umso mehr.

Statt für ein Fest oder einen Empfang ein neues, teures Designer-Kleid zu kaufen, das anschließend nur noch den Schrank schmückt, kann man Designer-Mode bei Laremia mieten. Der Mietpreis ist abhängig vom Kleid, fängt bei 60 Euro an und reicht bis 150 Euro. Dafür bekommt man das ersehnte Stück für vier Tage nach Hause geschickt. Natürlich kann man das Teil im Voraus für den Termin der Hochzeit, des Geburtstags, der Preisverleihung reservieren. In derselben Box, in der das Kleid kommt, muss man es auch wieder abgeben. Wer es nicht zu Post schafft, der kann auch den kostenlosen Abholservice nutzen.

„Unkompliziert und bezahlbar“, das ist Anna Mangold wichtig beim Service. Und wenn eine Frau ihr Mietkleid nun partout nicht mehr rausrücken will? Wenn sie es kaufen will? Mangold lacht. „Noch ist das nicht möglich, zu unserem Konzept gehört es, von jedem Modell mehrere Größen liefern zu können.“ Da kann nicht auf einmal eine 38 fehlen. Laremia ist ein Bezahlmodell, aber das Start-up profitiert sicher auch davon, dass das Teilen von Dingen im Netz immer populärer wird. Aber zum Teilen gehört eben auch, dass man wieder abgibt.

An der begehrten Kollwitzstraße in Prenzlauer Berg liegen Büro und Showroom von Laremia. Anna Mangold empfängt im kleinen Blauen und schwarzen Stiefletten. Wer Mode vermieten will, der muss auch zeigen, dass er Ahnung davon hat. Immerhin verhandeln die Gründerinnen selbst mit den Designern, aus deren Kollektionen sie die Mode für ihr Unternehmen kaufen. David Meister, Nicole Miller, Chloe, Roberto Cavalli – die Designer machen den Unterschied zwischen Laremia und anderen Unternehmen, die Kleider verleihen.

Bei Laremia gibt es nicht einzelne Abendroben im Angebot, wie sie viele Läden anbieten, hier gibt es neue Styles in drei bis vier Größen. Nicht nur Ballkleider oder Cocktailkleider, wie Mangold betont, sondern Kleider für jede Gelegenheit, bei der man herausstechen will. „Wir bieten Mode für den besonderen Moment“, sagt Mangold. Am besten könne sie das an einer Geschichte zeigen. Eine ihrer Kundinnen, erzählt sie, hatte ein David-Meister-Kleid ausgeliehen, ein Sommerkleid mit großem Blumendruck. Der Anlass war ein 60. Geburtstag, nichts Außergewöhnliches, einfach ein schönes Fest, auf dem sie gut aussehen wollte. Als ihr Neffe sie erblickte, sagte er mit großen Augen: „Tante Kora, du siehst sooo schön aus.“

Showroom an der Kollwitzstraße

Die Kleider für die „Sooo schön“-Momente hängen im Showroom an der Kollwitzstraße auf der Stange. Es sind edle Stoffe, ausgefallene Schnitte, keine Cat-Walk-Kombinationen, sondern Kleider, die man sehr gerne sofort mal anprobieren würde. Der Kollektion merkt man einen eigenen Geschmack an „Unser eigener Stil spielt bei der Auswahl eine große Rolle“, sagt Anna Mangold. „aber vor allem wollen wir die Geschmäcker unserer Kundinnen treffen.“

Bald ist Silvester. Jeder, der sich schon einmal zu Saisonstart durch die einschlägigen Kaufhaus-Etagen gequält hat, also vermutlich jede zweite Frau, ist eine potenzielle Laremia-Kundin, denn auf den ersten Blick fällt auf, dass es sich beim Angebot um sorgfältig ausgewählte Stücke handelt. Hier die changierenden Pailletten, da Spitze, dort ein Stoffhauch, hier aufwändige Strass-Elemente – was passiert, wenn eine Kundin das Kleid zerstört? Anna Mangold scheint unbesorgt. Solange es keine mutwillige Zerstörung ist, sind die Kunden versichert.

Gerade bei den besonders aufwändigen Kleidern allerdings verlässt sich Laremia auf ihren besonderen Reinigungsservice. „Die arbeiten mit dem Friedrichstadt-Palast und mit der Oper zusammen, die kennen sich aus“, versichert Mangold. Der Anspruch, an dem sich ein Kleid von Laremia messen lassen muss, ist, dass es für jede Kundin jedes Mal wie ein neues Kleid erscheint. „Wir gehen von zehn bis 15 Reinigungen pro Kleid aus“, erklärt Anna Mangold. Allerdings gibt es bereits einige Stücke, die zeigen, dass auch mehr drin ist. Das blaue Wickelkleid der britischen Designerin Issa beispielsweise, das Modell, das Kate Middleton bei der Bekanntgabe ihrer Verlobung mit Prinz William trug.

Mangold und von Boeselager haben sich beim BWL-Studium kennengelernt. Die eine ging in die Beratung, die andere in die Finanzwirtschaft, man merkt das analytischen Denken ihrem Unternehmen an. Die Gründerinnen von Laremia haben ein Jahr lang den Markt und ihr Modell analysiert, bevor sie online gingen. Sie haben einen Showroom eröffnet und dort schon die ersten Kleider ihrer Kollektion verliehen. So erfuhren sie, was ihre Kundinnen wollten. Zum Beispiel Beratungen: „Was steht mir überhaupt, womit kann ich das kombinieren?“ – „Tragbare Mode“, sagt Mangold, „darauf legen wir besonders Wert.“

Auch Berliner Labels überzeugen

Bei Designerware ist das nicht selbstverständlich. Noch arbeiten die beiden vor allem mit ausländischen Designern zusammen. Bald aber wollen sie auch Berliner Labels von ihrer Idee überzeugen, Kaviar Gauche zum Beispiel oder Lala Berlin. „Für die Designer ist es durchaus interessant, mit uns zu arbeiten“, so Mangold. Schließlich macht der Internet-Verleih sie ja auch bekannt. Dann traue man sich vielleicht eher mal in ein Stück zu investieren, wenn man dem Namen vertraut.

Auf der frisch gelaunchten Webseite von Laremia gibt es Tipps und Tricks zum Tragen. Zum Beispiel, welche Art BH man am besten zu einem Kleid wählen sollte, oder welche Schuhe. Man kann auch Taschen oder Ohrringe leihen. Und wer nicht weiß, was ihm steht, der kann auch einen Termin ausmachen und zum Showroom kommen. Offline.