Federal Reserve

US-Notenbank drosselt Anleihekäufe

Abkehr von ultralockerer Geldpolitik. Leitzins bleibt unverändert niedrig

Die US-Notenbank drosselt überraschend schon ab Januar ihre milliardenschweren Konjunkturhilfen. Wie die Federal Reserve (Fed) am Mittwoch mitteilte, wird das Ankaufprogramm für Staatsanleihen und Immobilienpapiere zunächst um zehn Milliarden auf 75 Milliarden Dollar pro Monat verkleinert. Viele Börsianer sprachen von einem symbolischen Schritt. Die Finanzmärkte reagierten positiv auf die Entscheidung. Zuletzt wurde immer wieder befürchtet, dass es wegen des nahenden Ausstiegs aus der Politik des billigen Geldes zu größeren Verwerfungen kommen könnte. Die Fed versicherte quasi als Trostpflaster, dass sie den Leitzins von derzeit nahe null Prozent auch bei einer weiteren Verbesserung am Arbeitsmarkt noch länger niedrig halten wird.

Schrittweise absenken

Fed-Präsident Ben Bernanke sagte bei seiner voraussichtlich letzten großen Pressekonferenz, er habe sich eng mit seiner Nachfolgerin Janet Yellen abgestimmt, der jetzigen Vize-Chefin. „Sie unterstützt die Fed-Maßnahmen voll.“ Der Ende Januar scheidende Bernanke ergänzte, bei einer weiteren Verbesserung der Wirtschaftslage könne die Fed bei jeder Zinssitzung das Volumen schrittweise absenken. „Das würde dann bis weit ins kommende Jahr so gehen.“ Experten rechnen damit, dass noch bis zu 500 Milliarden Dollar investiert werden. Das entspricht in etwa drei Prozent der Wirtschaftsleistung der USA.

Am US-Aktienmarkt legte der Dow-Jones-Index mit den 30 Standardwerten knapp zwei Prozent zu. Auch an der Technologiebörse Nasdaq ging es nach oben. Viele Ökonomen und Marktstrategen sagten, sie hätten erst nach dem Stabswechsel mit diesem Schritt gerechnet. Es handele sich aber nur um eine moderate Reduzierung.

Die Fed betonte, die Zinsen in der weltgrößten Volkswirtschaft würden selbst dann niedrig bleiben, wenn die Arbeitslosenquote unter den angepeilten Wert von 6,5 Prozent fallen sollte. Mit den Mini-Zinsen soll sich die Wirtschaft schneller erholen und die Unternehmen dazu bewegt werden, mehr Jobs zu schaffen. Und die Medizin wirkt: So war die Arbeitslosenquote zuletzt auf 7,0 Prozent gefallen, hat sich also der Zielmarke angenähert. Zudem ist ein drohender Haushaltsnotstand in Washington durch einen Kompromiss im Kongress vorerst abgewendet. Dieser hätte die USA erneut an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht und die Wirtschaft stark belastet.

Aufgeblähte Bilanz

Die Fed hält den Leitzins bereits seit rund fünf Jahren nahe null Prozent – eine Reaktion auf die globale Finanzkrise, der später auch die Notenbanken in Europa und Japan gefolgt sind. Bernanke gab sich selbstkritisch: „Ich habe die Krise nicht schnell genug erkannt“, räumte er ein. Die lockere Geldpolitik hat auch Schattenseiten. So hat Bernanke mit den enormen Geldspritzen die Fed-Bilanz auf fast vier Billionen Dollar aufgebläht. Das Gesamtvolumen der aufgekauften Wertpapiere habe die eigenen Erwartungen übertroffen, so Bernanke. Kritiker warnen, dass mit der Geldschwemme die Gefahr einer erhöhten Inflation gelegt wird. Außerdem könnte es zu Preisblasen kommen. Die globale Finanzkrise startete 2007 mit massiven Verwerfungen am US-Immobilienmarkt.