Verteilzentren

Logistik als Job-Motor der Region

Mehr als 10.000 Stellen gibt es in den Verteilzentren des Berliner Umlandes. Auch Drogeriekette Rossmann versendet von hier Pakete

Die Logistikbranche gewinnt in der Region Berlin-Brandenburg weiter an Bedeutung. Anfang 2014 will auch die Drogeriekette Rossmann ein Logistikzentrum in Wustermark (Kreis Havelland) eröffnen. Dort sollen 200 Arbeitsplätze entstehen, wie die Investitionsbank Brandenburg (ILB) anlässlich der Grundsteinlegung für die neue Halle mit einer Fläche von 15.000 Quadratmetern am Diensttag mitteilte. Die Hallenmaße entsprechen der Fläche von mehr als zwei Fußballfeldern. Damit gebe es künftig allein in den Güterverteilzentren (GVZ) Großbeeren, Freienbrink und Wustermark mehr als 10.000 Arbeitsplätzen, so die ILB. Rossmann baut in Wustermark ein 24.000 Quadratmeter großes Verteilzentrum auf einer Gesamtfläche von 60.000 Quadratmetern.

Das Berliner Umland entwickelt sich immer mehr zu einem Logistik-Drehkreuz. Unter anderem versenden Amazon und Zalando von dort ihre Waren. Die Verteilzentren in Großbeeren, Freienbrink und Wustermark werden von der Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft (IPG) entwickelt und betrieben. Dort haben sich namhafte Unternehmen wie DB Schenker, Deutsche Post DHL, Rhenus, Fiege, Spitzke (alle Großbeeren), Edeka, Lidl (beide Freienbrink), Netto, Nagel Group, Mahle (alle Wustermark) angesiedelt.

Der Internetversandhändler Amazon hatte im November 2013 in Brieselang (Kreis Havelland) ein Logistikzentrum offiziell eröffnet. Es ist das neunte Versandlager des US-Unternehmens in Deutschland. Innerhalb von drei Jahren will das Unternehmen vor den Toren Berlins 1000 Stellen schaffen. Hinzu kämen bis Oktober 2016 etwa 2000 Saisonkräfte, sagte eine Sprecherin. Deutschlandweit beschäftigt der US-Versandriese rund 9000 Menschen und etwa 14.000 Saisonkräfte.

Das Amazon-Logistikzentrum in Brandenburg war im Oktober mit knapp 170 Mitarbeitern an den Start gegangen. Inzwischen arbeiten dort etwa 1000 Menschen, ein großer Teil davon fest, so die Sprecherin. In dem 65.000 Quadratmeter großen Zentrum will Amazon seine gesamte Produktpalette bearbeiten. Die Behörden vor Ort hätten die Ansiedlung nach der Entscheidung für den Standort im Mai schnell ermöglicht, sagte die Sprecherin. Im Logistikzentrum Brieselang waren von 1996 bis zur Schließung 2012 durch einen Logistik-Dienstleister Kataloge und Waren für das mittlerweile insolvente Versandhaus Neckermann versandt worden.

Der Modeversandhändler Zalando betreibt in Brieselang ein Logistikzentrum. Dort und in Erfurt arbeiten insgesamt 2500 Menschen. Im Januar hatte das Unternehmen ein drittes Logistikzentrum in Nordrhein-Westfalen eröffnet. In Brieselang beschäftigen die Berliner mehr als 1100 Menschen. Sie sind beim Betreiber des Großlagers, dem holländischen Unternehmen Docdata, angestellt.

Verkehrsgünstige Lage

Im benachbarten Falkensee lässt der Technologiekonzern Siemens ein zentrales Lager für das Schaltanlagenwerk in Berlin bauen: Auf einer Fläche von rund 64.000 Quadratmetern errichtet die Gateway Real Estate AG nach Angaben der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft (KAG) Osthavelland eine Logistikimmobilie mit einer Hallenfläche von 21.500 Quadratmetern. Es handele sich hierbei um die noch freien Flächen südlich des prägenden Herlitzgebäudes. Es sei davon auszugehen, dass hier zwischen 60 und 80 Personen einen Arbeitsplatz finden werden, so die KAG. Mieter der Immobilie seien BLG Logistics Solutions, die im Auftrag von Siemens die neue Halle bewirtschaften werde. Laut BLG soll die Galle im Januar 2014 in Betrieb gehen.

Auch Unternehmen, die Elektrogeräte wiederverwerten, betreiben in der Region Berlin Logistikzentren: Rund 600 Mitarbeiter beschäftigt Momox. Das Unternehmen wurde 2006 gegründet und verkauft vor allem gebrauchte Bücher und Spiele. Es liefert Ware von Neuenhagen bei Berlin und aus einem größeren Logistikzentrum in Leipzig. Rebuy verkauft ebenfalls Computerspiele, Handys und Computer. Das Unternehmen beschäftigt 390 Mitarbeiter. Das Logistikzentrum steht in Rudow.

Der Einkaufsklub Brands4Friends beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter. Das Unternehmen wurde 2007 gegründet und gehört mehrheitlich zum US-Online-Auktionshaus Ebay. Das 3000 Quadratmeter große Warenlager und Logistikzentrum befindet sich in Großbeeren.

Der brandenburgische Wirtschaftsminister Ralf Christoffers betonte anlässlich der Grundsteinlegung die Verkehrsanbindung der Verteilzentren: „Ihre große Stärke ist die Vernetzung verschiedener Verkehrsträger wie Schiene und Straße. Das trägt zu einer Optimierung der Transporte entlang der Wertschöpfungsketten der Unternehmen bei.“

Brandenburg hat sich als Logistikstandort behauptet. Steffen Kammradt, Sprecher der Geschäftsführung der ZukunftsAgentur Brandenburg (ZAB): „Die großen Verkehrsachsen verbinden Brandenburg und Berlin vom Atlantik bis nach Moskau und vom Baltikum bis zur Adria.“ Entlang dieser Achsen habe sich ein nachhaltiges Wachstum entwickelt. Laut Kammradt wird 2013 das stärkste Logistik-Jahr seit Gründung der ZAB. Mehr als 1000 Jobs seien geschaffen worden: „Noch vor zehn Jahren lag die Hauptstadtregion beim Flächenumsatz in der Logistik deutschlandweit im Mittelfeld“, so Kammradt. Der Vorstandsvorsitzende der ILB, Tillmann Stenger bezeichnete die Brandenburger Güterverteilzentren als „Synapsen im System der Brandenburger Wirtschaft“. Das Land habe sie mit fast 14 Millionen Euro gefördert – und so Investitionen von mehr als 18,5 Millionen Euro ermöglicht.