Gründerszene

Warum der Twitter-Investor Union Square in Berlin investiert

US-Wagniskapitalgeber finanziert SoundCloud und iLiga

Zwölf Millionen Downloads verzeichnet „The Football App“ (iLiga). 250 Millionen Nutzer besuchen monatlich die Musikplattform SoundCloud. So unterschiedlich die beiden Plattformen aus Berlin auch sind, ein Schlüssel zu ihrem Erfolg ist das Konzept, wie sie ihre Nutzer vernetzen. „Sowohl iLiga als auch Soundcloud gehören in diese Kategorie“, sagt Brad Burnham, Partner des Wagniskapitalgebers Union Square Ventures (USV) aus New York.

Und damit verrät Burnham auch einen Grund, warum Union Square in beide Start-ups investiert hat. „Wir interessieren uns für große Netzwerke mit engagierten Nutzern“, sagt Burnham. Ausschlaggebend für ein USV-Investment seien einzigartige Lösungen. „Und wir suchen Geschäftsmodelle, die Marktstrukturen ändern“, erläutert Burnham. Er traf den Gründer Lucas von Cranach (The Football App) und SoundCloud’s Mobile-Chef Andy Carvell zu einem Gespräch im Berliner Apple Store.

iLiga bietet Liveticker, Nachrichten, Videos, Tabellen, Statistiken und Hintergrundinfos aus 100 internationalen Fußball-Ligen und Wettbewerben live auf allen mobilen Plattformen. SoundCloud ist ein Audiostreamingdienst, auf den Künstler ihre Musikstücke hochladen und mit anderen Nutzern teilen. iLiga und SoundCloud haben von Anfang an ihr Augenmerk auf das Wachstum ihrer Community gelegt. „Wir haben eine neue Art erfunden, Musik und andere Audio-Inhalte zu teilen und dafür ein Publikum zu finden“, sagt Andy Carvell von SoundCloud. Der Kontakt zur Community werde gepflegt. Die interessantesten Nutzer seien Markenbotschafter (SoundCloud Heroes) geworden. „Sie tragen dazu bei, dass sich die Nutzer engagieren“. Beliebt seien auch täglich neue Empfehlungen besonders interessanter Tracks.

„Für uns war es am Anfang wichtig, das bestmögliche Produkt anzubieten“, sagt Lucas von Cranach. iLiga sei eine der ersten Fußball-Apps auf dem Markt gewesen: „Kein Mitbewerber hatte uns auf dem Radar.“ So konnte das Start-up weitgehend ungestört an seinem Projekt arbeiten und dabei wachsen – maßgeblich durch Interaktionen der Nutzer.

Auf die Frage nach der Bedeutung von Geschäftsmodellen erzählt Burnham die Geschichte von Twitter. Union Square Ventures gehört zu den frühen Investoren des Kurznachrichtendienstes. „Im Frühjahr 2007 sahen wir, dass da etwas passiert“, erinnert sich Burnham. Ein Geschäftsmodell sei damals nicht erkennbar gewesen. „Die Twitter-Gründer schufen aber einen Mehrwert für ihre Nutzer“, sagt er. Das sei für den Erfolg und den Wert der Plattform ausschlaggebend gewesen.

Genau wie im Fall der Blogger-Plattform Tumblr – ebenfalls ein Unternehmen aus dem USV-Portfolio. „Die Gründer arbeiteten anfangs noch an einer anderen Plattform. Wir haben sie überzeugt das zu lassen und sich auf Tumblr zu konzentrieren“, erinnert sich der Investor.

Großes Potenzial in Berlin

Berlin sei für junge Menschen die beste Stadt. Er sieht ein großes Potenzial in der internationalen Berliner Start-up-Szene. „Es wird fantastisch, wenn die ersten Berliner Gründer ihre Start-ups verkauft haben und dann Business Angels werden,“ sagt Burnham. „Dann wird die Umgebung für Gründer in Berlin noch attraktiver.“ Er werde in Zukunft häufiger in Berlin sein, kündigte der New Yorker Investor an. Ein Büro wolle Union Square Ventures in der Stadt aber nicht eröffnen. „Wir haben auch keines in San Francisco.“ Es habe Vorteile, von einem einzigen Standort aus zu arbeiten.

Union Square Ventures ist einer der größten Kapitalgeber (VC) in den USA. Twitter, Tumblr und Foursquare sind die bekanntesten Unternehmen aus dem Portfolio des VC, The Football App und SoundCloud sind die beiden USV-Investments in Berlin. Union Square Ventures managt vier Investmentfonds mit einem Volumen von insgesamt 650 Millionen Dollar.