Handel

Nur einer von vier Fischen ist Öko

Greenpeace hat Frisch-, Dosen- und Tiefkühlprodukte untersucht. Ergebnis ist verheerend

Deutsche Supermärkte verkaufen viel zu wenige Fischprodukte aus nachhaltigem Fischfang, und sie kennzeichnen die Fischangebote nicht richtig. Das zumindest behauptet die Umweltorganisation Greenpeace und bezieht sich auf eine neue Untersuchung von rund 15.000 Fischangeboten im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.

Nach diesen Daten stammt nur knapp ein Viertel der Fischpackungen aus ökologisch nachhaltiger Fischerei oder Aquakultur. Für die Studie hat Greenpeace von Juli bis August 2013 das Fischangebot in 91 Geschäften von 17 Unternehmen getestet. Zu diesen Lebensmittelläden gehören: Kaufland, Lidl, Aldi Nord, Aldi Süd, Netto Stavenhagen, Tegut, Kaiser’s Tengelmann, Norma, Selgro, Edeka und Netto Markendiscount, Real und Metro, Penny, Toom und Rewe sowie Combi. Bei den untersuchten Produkten handelt es sich um Tiefkühlware, Frischfisch sowie Fisch von der Kühltheke oder aus dem Dosenregal.

Einen Lichtblick gibt es aus Sicht von Greenpeace jedoch: Im Vergleich zu 2010, als eine ebenso umfangreiche Untersuchung gemacht wurde, haben sich die Angaben zur Nachhaltigkeit bereits von 16 auf 22 Prozent verbessert. „Das ist aber zu wenig, um die Fischbestände zu schützen“, sagte Iris Menn, die die Studie bei Greenpeace verantwortet. Mehr als drei Viertel der Waren seien nach wie vor nicht nachhaltig, bemängelt die Meeresbiologin.

Das vielleicht interessanteste Ergebnis der Untersuchung ist: Die Eigenmarkenprodukte der Handelsketten sind in den meisten Fällen besser gekennzeichnet als Markenprodukte. So bekannte Marken wie Costa, Lysell, Laschinger oder Saupiquet schneiden deutlich schlechter ab als etwa eigene Handelsware der Discounter. „Diese Markenhersteller blockieren die Bemühungen des Lebensmittelhandels für ein ausreichend gekennzeichnetes Sortiment“, sagte Meeresbiologin Menn.

„Hoher Nachholbedarf“

Der Markenkonzern Costa äußert sich auf eine Anfrage der Morgenpost bislang nicht zu der Untersuchung. Marktführer Iglo hält dagegen die Auszeichnungen für ausreichend. „Erst kürzlich haben wir auf Wunsch der Verbraucher die Angaben auf den Verpackungen erweitert“, sagte eine Iglo-Sprecherin. Zudem sei seit dem Jahr 2012 eine Rückverfolgung der Fischprodukte möglich.

Das sind die konkreten Forderungen, die die Umweltorganisation Greenpeace an die Einzelhändler und Hersteller stellt: Auf der Verpackung soll neben dem deutschen und lateinischen Namen der Fischart noch das genaue Fanggebiet sowie die Fangmethode zu lesen sein. Ebenso wird dies für Fisch aus sogenannten Aquakulturen gefordert, das ist Fischzucht in künstlich angelegten oder abgeriegelten Wassergebieten. Auch bei diesen Fischprodukten muss laut der Umweltorganisation klar hervorgehen, aus welchem Land der Fisch stammt, in welcher Region die Fischfarm angesiedelt ist und wie die Zuchtmethode beschrieben wird.

Doch selbst wenn Angaben zu all diesen Fragen auf den Fischprodukten stehen, sind sie oftmals nicht eindeutig und komplett. Denn auch bei der Kennzeichnung gebe es „noch hohen Nachholbedarf“, heißt es in der Studie: Lediglich knapp ein Viertel der Produkte in den Theken und Regalen sei vollständig gekennzeichnet. Das sei zwar eine deutliche Verbesserung im Vergleich zum Jahr 2010 von acht auf 24 Prozent – aber eben noch nicht genug.