Studie

Berlins grüne Kraft

Umwelttechnologie treibt das Wirtschaftswachstum an. Die IHK fordert mehr Unterstützung

Längst sind die Zeiten vorbei, in denen Umweltschutz von Unternehmen als notwendiges, aber lästiges Übel angesehen wurde. In ganz Deutschland spielt die sogenannte Green Economy, also die Entwicklung von Produkten für den Klimaschutz, mittlerweile eine große Rolle. Die Hauptstadtregion nimmt dabei eine ganz besondere Stellung ein. Hier ist das Wachstum in diesem Bereich sehr groß. Gleichzeitig entstehen in Berlin viele spannende Ideen, wodurch die Entwicklung des gesamten Wirtschaftszweigs angetrieben wird.

6200 Firmen sind in Berlin bereits auf dem Gebiet der Greeen Economy tätig. Zusammen erwirtschaften sie einen Jahresumsatz von 17 Milliarden Euro und treiben damit das Wirtschaftswachstum in der Hauptstadt an. Gleichzeitig haben sich diese Firmen zu einem wichtigen Arbeitgeber entwickelt. Mehr als 75.000 Beschäftigte sind in dem Bereich tätig. Sie forschen an neuen umweltschonenden Verfahren und energieeffizienten Technologien oder bieten Energie- und Umweltdienstleistungen an.

So hat Berlin nicht nur das längste Fernwärmenetz in ganz Europa, hier sitzen auch einige von Deutschlands größten Energieversorgern und Entsorgungsbetrieben. Dazu kommt, dass in den zahlreichen Neubauten der Hauptstadt von Anfang an auf Energieffizienz geachtet wurde. Das gleiche gilt jüngst auch für die Sanierung vieler Altbauten. Einer Studie der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) zufolge investieren Berlins Unternehmen jährlich mehr als eine Milliarde Euro in umwelt- und ressourcenschonende Technologien.

Verpasste Chancen

In der Studie geht erstmals deutlich die herausragende Bedeutung dieser Branche für die Hauptstadt hervor. „Unsere Zahlen zeigen: Die Berliner Green Economy belegt einen Spitzenplatz im bundesweiten Standortvergleich, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder. „Mit sechs Prozent Anteil an der Gesamtbeschäftigung ist die Green Economy ein wichtiger Pfeiler für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.“

Nach Ansicht der IHK nutzt Berlin aber noch nicht die Chancen voll aus, die sich im Zusammenhang mit der Green Economy bieten. Dadurch setzt Berlin seiner Vorreiterrolle aufs Spiel. Der Verband forderte den Senat daher auf, ein Netzwerk für die Energie- und Umwelttechnik einzurichten. „Angesichts nationaler und globaler Herausforderungen wie Energiewende oder Rohstoffknappheit werden sich Leitmärkte für nachhaltige Wassertechnologien, Kreislaufwirtschaft oder Energie- und Materialeffizienz ungebrochen dynamisch entwickeln“, sagt Eder.

Berlin ist zwar in einer guten Position, könnte aber abgehängt werden, wenn die Politik nicht reagiert. „Will Berlin bei diesem Rennen vorne mitspielen, müssen wir raus aus den Startlöchern“, sagt Jan Eder. „Andere Regionen schlafen nicht und haben die Green Economy teilweise schon seit Jahren gezielt in den Fokus gerückt.“

Zumal Berlin nicht zum ersten mal ein sogenanntes Cluster einrichten würde, bei dem sich Produzenten, Zulieferer, Dienstleister und Forscher gegenseitig unterstützen und inspirieren. So hatte Berlin vor zehn Jahren für Gesundheitswirtschaft, Mobilität und schließlich auch Kreislaufwirtschaft eigene Cluster ausgerufen. Solch einen Impuls vermisst die IHK im Zusammenhang mit der Energie- und Umwelttechnik. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) habe die Cluster zwar „nicht aufgegeben, aber sie lässt sie schleifen“, sagte Eder.

Zweistellige Wachstumsraten

Andere Bundesländer wie Bayern und Nordrhein-Westfalen aber auch Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen sind da schon weiter, zeigt die Studie. So gibt es beispielsweise in der süddeutschen Stadt Augsburg schon seit 2006 ein Netzwerk für die Green Economy mit über 30.000 Ansprechpartnern.

In Deutschland legt die Green Economy seit 2007 mit jährlichen Wachstumsraten von durchschnittlich zwölf Prozent zu. Der IHK-Studie zufolge wird „diese Erfolgsgeschichte zu einem guten Teil in Berlin geschrieben.“ Die meisten Beschäftigten sind dabei bei einem Unternehmen tätig, das neue Technologien erarbeitet oder Dienstleistungen anbietet.

Forschung und Entwicklung ist für die Firmen in diesem Bereich ganz entscheidend. Sie tüfteln unter anderem an neuen Methoden, um Energie zu speichern, was vor allem angesichts der von der Bundesregierung verordneten Energiewende an Bedeutung gewinnt. Berater, Architekten und Ingenieure unterstützen Firmen und Privatpersonen gleichermaßen, energieeffizient zu arbeiten und ihre Gebäude umzurüsten.