Verschuldung

Viele deutsche Städte sind längst bankrott

Immer mehr deutsche Großstädte rutschen in die Schuldenfalle – und können ihr aus eigener Kraft nicht mehr entfliehen.

Trotz gut laufender Konjunktur und sprudelnder Steuereinnahmen stieg die Zahl der deutschen Städte mit einer sehr hohen Verschuldung zwischen 2010 und 2012 von 14 auf 21. Dies geht aus einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hervor.

Fast jede dritte Großstadt ist stark verschuldet. „Viele deutsche Städte sind längst bankrott“, sagt Hans-Peter Busson, Leiters des Bereichs Government von EY. „In vielen Städten ist ein Kürzen freiwilliger Leistungen kaum noch möglich.“ Der Schuldenberg der 72 in der Studie untersuchten deutschen Großstädte – die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen wurden nicht berücksichtigt – wuchs zwischen 2010 und 2012 von 44,8 auf 47,9 Milliarden Euro – ein Plus von sieben Prozent. Die deutschen Großstädte sind damit im Schnitt mit 2500 Euro je Einwohner verschuldet.

„Die deutsche Städtelandschaft entwickelt sich zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft“, heißt es in der Untersuchung. Denn während die reichen Städte beim Schuldenabbau gut vorankommen, geht es den finanzschwachen Gemeinden immer schlechter. Von den neun ostdeutschen Großstädten konnten sieben Ihre Verschuldung senken oder bei Null halten. So finden sich unter den fünf Städten mit der niedrigsten Verschuldung mit Dresden und Jena zwei Städte aus dem Osten. Aus dem Westen ist die Verschuldung je Einwohner in Stuttgart, Heilbronn und Wolfsburg besonders niedrig. Schuldenkönige sind Oberhausen und Offenbach mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von mehr als 8000 Euro.