Tarifkonflikt

Aussperrungen bei Pin

Der Post-Konkurrent und die Gewerkschaft Ver.di stehen sich in Berlin unversöhnlich gegenüber

Zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di und der Pin AG eskaliert der Arbeitskampf. Rund 200 Zusteller des Berliner Post-Konkurrenten haben am Dienstag in Berlin einen unbefristeten Streik begonnen. Damit reagiert die Gewerkschaft zum einen auf am Montag verhängte Aussperrungen von Streikenden durch das Unternehmen. Zum anderen will die Gewerkschaft ein neues Angebot des Arbeitgebers erzwingen. Pin spricht dagegen von einem illegitimen Streik.

Aussperrungen sind bei Arbeitskämpfen in Deutschland selten. Nach Gewerkschaftsangaben hatte ein größerer Arbeitgeber zuletzt 1991 Streikende ausgesperrt. Bei Pin sind davon rund 200 Beschäftigte betroffen, die am Freitag und Sonnabend die Arbeit niedergelegt hatten. Sie dürfen vorerst nicht arbeiten und bekommen für den Zeitraum auch kein Geld von der Pin. Bei gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten springt die Streikkasse der Gewerkschaft ein.

Pin beschäftigt rund 850 Zusteller, insgesamt arbeiten mehr als 1100 Mitarbeiter für das Unternehmen. Pin liefert in Berlin nach eigenen Angaben rund 370.000 Postsendungen pro Tag aus, darunter die Behördenpost des Berliner Senats. Wie bei früheren Streikaktionen hat Pin die Zustellung gesichert, indem Aufträge an den größten Konkurrenten, die Deutsche Post, abgegeben wurden.

Die bei Ver.di organisierten Beschäftigten unter den Pin-Mitarbeitern hatten sich in einer Urabstimmung für einen Streik ausgesprochen, nachdem in sechs Verhandlungsrunden um einen Tarifvertrag seit dem Sommer kein Ergebnis erzielt wurde. Ver.di hatte den Vorstand der Pin ultimativ am Sonnabend aufgefordert, ein neues Angebot zu machen. „Darauf haben wir bislang keine Reaktion erhalten, stattdessen wurden die Kollegen ausgesperrt“, sagte die für Postdienste zuständige Ver.di-Fachbereichsleiterin Benita Unger. Die Gewerkschaft fordert 10,5 Prozent mehr Lohn.

Pin-Vorstandschef Axel Stirl lehnt das ab, weil die Forderungen das Überleben des Unternehmens gefährdeten. „Wir sind mit unserem Angebot an die wirtschaftlich machbare Grenze gegangen“, sagte er der Morgenpost. Ein neues Angebot werde es daher nicht geben. Pin zahle nach der Deutschen Post die zweithöchsten Gehälter in der Branche. Ein einfacher Zusteller mit etwa sechsjähriger Betriebszugehörigkeit habe einen Stundenlohn von 9,20 Euro. Das Einsteigergehalt liege bei 8,50 Uhr.

Stirl wirft Ver.di vor, die Belegschaft zu spalten, zumal der Großteil der Beschäftigten nicht streiken wolle. In den Tarifverhandlungen habe eine Einigung kurz bevor gestanden. Nachdem auch ein von Ver.di eingeschalteter Sachverständiger eine niedrigere Erhöhung empfohlen habe, habe Ver.di die Gespräche abgebrochen.

Zumal Verdi-Verhandlungsführer Roland Tremper den Berliner Senat indirekt aufforderte, den Auftrag mit Pin nicht zu verlängern, sieht sich Stirl wieder im Überlebenskampf. Die ursprüngliche Pin AG war 2007 in die Insolvenz gerutscht, nachdem die damalige Bundesregierung einen überraschend hohen Mindestlohn für Postdienste vereinbarte. 19.000 Jobs gingen bei Pin damals bundesweit verloren. Auch andere Deutsche-Post-Konkurrenten bauten massenweise Arbeitsplätze ab. Der Mindestlohn, der die halbstaatliche Post bevorteilte, wurde 2010 vom Bundesverwaltungsgericht für unwirksam erklärt.