Stresstest

Landesbank Berlin macht Sorgen

Sparkassen fürchten Rückschläge bei Umbau. Abbau von 950 Arbeitsplätzen reicht vermutlich nicht

Gut ein Jahr nach der Zerschlagung der WestLB hat die Sparkassen-Finanzgruppe ein neues Sorgenkind: die Landesbank Berlin (LBB). Alle Jahre wieder müssen die Sparkassen, die das Institut 2007 für 5,5 Milliarden Euro übernommen haben, Abschreibungen auf ihre LBB-Beteiligungen vornehmen. Und auch beim anstehenden Umbau der Landesbank, die zu einer Hauptstadtsparkasse schrumpfen soll, befürchten einige Sparkassen-Manager weitere Rückschläge. „Es gibt noch viele Unwägbarkeiten“, sagte einer von ihnen der Nachrichtenagentur Reuters. „Es wird nicht alles so klappen, wie es geplant ist.“

Besonders große Zweifel gibt es in Sparkassen- und LBB-Kreisen, ob der angekündigte Abbau von rund 950 Arbeitsplätzen genügt. „Das reicht nie im Leben“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. „Die LBB darf keine Beschäftigungsgesellschaft sein“, betonte ein anderer Insider, schließlich werde die LBB nach dem Umbau deutlich kleiner sein. Die Investmentfondssparte und Teile des Kapitalmarktgeschäfts gibt die LBB an den Fondsanbieter Deka ab. In den Verhandlungen haben die regionalen Sparkassen-Vertreter großen Wert darauf gelegt, dass keine Probleme von Berlin nach Frankfurt verschoben werden – „ein Problem-Institut reicht“, lautet das Motto vielerFunktionäre.

So ist in Berlin ein Berg an Problemen übrig geblieben, der nun mühsam abgetragen werden muss. „Wir haben eine dreijährige und anspruchsvolle Transformationsphase vor uns“, sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon am Dienstag laut Teilnehmern bei einem Treffen der LBB-Spitze mit rund 400 Sparkassen-Managern. Dabei werde es erhebliche Belastungen geben. „Aufräumen kann niemals bequem sein.“

Fahrenschon war bei der Übernahme der LBB noch Politiker, aber er kann nachvollziehen, warum die Sparkassen die LBB um jeden Preis übernehmen wollten. Schließlich ging es darum, das Eindringen einer Privatbank in den öffentlich-rechtlichen Sektor und die entsprechenden Sicherungssysteme zu verhindern. „Stellen Sie sich nur einmal vor, die Commerzbank hätte damals die LBB erworben: Was hätte dann deren eigene Schieflage 2009 für den Haftungsverbund unserer Gruppe bedeutet?“, sagte Fahrenschon laut Teilnehmern.

Gleichwohl räumte der Sparkassen-Präsident ein, dass für die LBB aus heutiger Sicht zu viel bezahlt worden sei. Im laufenden Jahr seien deshalb erneut Abschreibungen von rund einer Milliarde Euro nötig. Laut einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG liegt der Unternehmenswert heute nur noch bei 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro.

Für die Sparkassen-Organisation seien die Abschreibungen gut zu verkraften, betonte ein Insider. „Das ist von der Dimension her nicht mit der WestLB zu vergleichen.“ Gerade einigen schwächeren Sparkassen in Norddeutschland werde die erneute Abschreibung aber Schmerzen bereiten. Aber auch bei anderen Landesverbänden herrscht Frust: „Wir haben in Berlin sehr viel Geld versenkt, das an anderen Stellen nun fehlt“, sagte Michael Ermrich, der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbands.

Gar nicht ausmalen möchten sich die Sparkassen, was passiert, wenn bei der anstehenden Bilanzprüfung und dem Stresstest durch die europäischen Aufsichtsbehörden neuer Kapitalbedarf zum Vorschein kommen sollte. Die meisten Insider halten das zwar für sehr unwahrscheinlich. Da die Kriterien für den Stresstest noch nicht feststehen, herrscht jedoch – wie bei vielen anderen Banken auch – Unsicherheit.