Welthandelskonferenz

Deutschland ist Gewinner des Handelsabkommens

Vereinbarung könnte zusätzliches Wachstum von 60 Milliarden Euro im Jahr bringen

Am Ende gab es viele Gewinner. Der Welthandelskonferenz (WTO) auf der indonesischen Trauminsel Bali ist der kaum mehr erwarteten Beweis gelungen, dass 159 Länder mit den unterschiedlichsten Interessen am Ende doch noch einen gemeinsamen Nenner mit Inhalt und Gewicht finden können. „Wir alle haben hier und heute geliefert“, sagte der neue WTO-Generalsekretär, der Brasilianer Roberto Azevedo.

Gelungen ist das erste weltumspannende Abkommen über Handelserleichterungen seit der WTO-Gründung 1995. Damit wurde nicht nur eine existenzbedrohenden Krise für die Welthandelsorganisation (WTO) abgewendet. Damit ist vielmehr auch der Glaubens an multilaterale Problemlösungen wieder belebt worden. Zudem geht von der Vereinbarung ein kräftiges Wachstumssignal für die Weltwirtschaft aus.

Zu den Gewinnern von Bali gehört die Exportnation Deutschland. Gemessen an den emotionalen Ausbrüchen nach dem erfolgreichen Abschluss in fernen Bali fielen die Reaktionen in Berlin allerdings eher nüchtern aus. „Das ist eine gute Nachricht auch für die deutsche Exportwirtschaft“, sagte der geschäftsführende Wirtschaftsminister Philipp Rösler, der erst gar nicht nach Indonesien gereist war.

Abbau von Bürokratie

Von einem richtigen und wichtigen Signal für den Freihandel sprach der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Wenn erst mal all das zum Tragen komme, was in Bali besprochen wurde, könne die deutsche Wirtschaft mit einem Wachstumsimpuls von 60 Milliarden Euro im Jahr rechnen.

Es sind die Deutschen, die seit Jahren als einer der engagiertesten Anwälte für weltumspannende Absprachen in Richtung eines freieren Welthandel auftreten. Dafür gibt es ganz handfeste Gründe. Mit noch 7,65 Prozent Anteil an allen Exporten ist Deutschland als momentane Nummer Drei in der Welt nach China und den USA hochgradig daran interessiert, dass die Türen für seine Güter und Dienstleistungen in der Welt so weit offen wie möglich sind. Auf knapp 1,1 Billionen Euro belief sich im vergangenen Jahr das deutsche Ausfuhrvolumen, neun bis zehn Millionen Arbeitsplätze hängen von den Exporten ab. Mehr als jedes andere große Land hängt das Wachstum in Deutschland vom Welthandels ab.

Wenn nun wie vereinbart massiv Bürokratie im grenzüberschreitenden Handel abgebaut wird, merken das die deutschen Außenhändler besonders stark. Denn das bedeutete für sie: Weniger Belege, Nachweise, Formblätter, Zertifikate „Jedes Handelsgeschäft beschäftigt im Durchschnitt 25 Personen, erfordert 40 Dokumente und führt zu 200 Datensätzen“, umriss Jens Nagel vom Handelsverband BGA den Aufwand kürzlich. Was da gespart werden kann, ist offensichtlich.

Ein ganz großer Gewinner von Bali ist schließlich die Welthandelsorganisation selbst. Sie stand in der Gefahr, bei einem möglichen Scheitern der Konferenz einen wesentlichen Teil ihrer Reputation als internationaler Schlichter in Handelsstreits und als Architekt und Wächter eines freieren Welthandels zu verspielen. Das wurde nun abgewendet – mit dem besonderen Beitrag eines weiteren Gewinners: des neuen Generalsekretärs Azevedo. Für den Brasilianer bot Bali die einmalige Möglichkeit, die lange Serie von Misserfolgen in den zwölf Jahren seit dem Beginn der umfassenden Doha-Runde für mehr Freihandel endlich zu beenden.