Unternehmen

Die Problemlöser vom Görlitzer Park

dan pearlman berät Firmen wie die Lufthansa, wie sie ihre Botschaft am besten transportieren

Um kreativ zu sein reicht es nicht aus, sich in Berlin Mitte mit einem Macbook ins Café Oberholz am Rosenthaler Platz zu setzen. Dort trifft man zwar viele Gleichgesinnte, die ebenfalls gerade an einer Idee für ein Startup feilen oder ihren Blog schreiben. Tatsächlich mögen dabei auch schon gute Einfälle herausgekommen sein. Doch glaubt man Nicole Srock.Stanley, braucht es mehr, um daraus dann langfristig ein Unternehmen aufbauen zu können, dem Kunden wie Lufthansa, Smart und Marc O’Polo vertrauen.

Zusammen mit ihrem Mann Kieran Stanley und den beiden Freunden Marcus Fischer und Volker Katschinski gründete Nicole Srock.Stanley vor 14 Jahren die Kommunikationsagentur dan pearlman. Genauer gesagt handelt es sich bei ihrem Geschäftsmodell um Markenarchitektur. Nicole Srock.Stanley bezeichnet das Unternehmen selbst als „strategische Kreativagentur oder ganz einfach gesagt als Problemlöser.“ dan pearlman berät andere Firmen, wie sie ihre Marke sowohl intern den Mitarbeitern als auch nach außen den potenziellen Kunden am besten vermitteln. Dabei handelt es sich um einen ganz entscheidenden Erfolgsfaktor.

Denn nur wenn die Mitarbeiter auch verstanden haben, für welche Werte ihr Arbeitgeber steht und welche Zielgruppe sie mit den Produkten erreichen wollen, können sie sich voll einbringen. Und nur dann gelingt es auch, diese Botschaft den Käufern klar zu machen. „Eine Marke ist ein abstraktes Gebilde“, sagt Nicole Srock.Stanley. Sie vergleicht es mit einem Geldschein. Das sei eigentlich auch nur ein bedrucktes Stück Papier, bei dem sich die Gesellschaft auf einen bestimmten Wert geeinigt habe. „Der Wert einer Marke setzt sich dementsprechend aus vielen verschiedenen Bestandteilen zusammen wie etwa persönlichen Erfahrungen oder Aussagen von anderen.“ Der Ruf des Unternehmens und die Gestaltung des Laden spielen ebenso eine Rolle wie die Empfehlung eines Freundes.

Kreativlabor in Kreuzberg

Als sie einen Namen für ihr Unternehmen suchten, hatten die vier Gründer eine Fantasiefigur vor Augen, einen „lässigen Typen“, sagt Nicole Srock.Stanley. „So eine Art Sean Connery.“ Daraus wurde dan pearlman. Ihr erstes Büro öffneten sie in der Schlesischen Straße. Nach einem Jahr zogen sie um in die Kiefholzstraße in der Nähe des Görlitzer Parks.

Auf drei Stockwerken sitzen dort heute 100 Mitarbeiter. Im obersten Stock ist das Kreativlabor. Dort stehen schlichte Schreibtischen. Auf weiße Kartons wurden Holzplatten gelegt und übereinander gestapelt. Dadurch bekommt der Raum eine Struktur. Ganz hinten ist die Küche und ein langer Holztisch für Besprechungen. Daraus stehen alte Milchtüten, in denen jemand Schnittlauch und Basilikum angepflanzt hat. Für einen Großraum ist es erstaunlich ruhig.

An einer Wand hat Nicole Srock.Stanley in einem übergroßen Setzkasten winkende Katzen aufgestellt, die man aus chinesischen Restaurants kennt. Sie nennt es Cat Analytics. Jede silber glänzende Katze sitzt in einem eigenen Fach und repräsentiert eine andere Stadt. Sie winken daher auch nicht zufällig, auch wenn es erst mal so wirkt. Die Installation ist mit Google Analytics verbunden. Jedes mal, wenn jemand in Stockholm, London, Berlin oder einer anderen der aufgeführten Städte auf die Website von dan pearlman geht, winkt die Katze mit der Pfote.

Der Standort Berlin spielt für das Unternehmen eine sehr wichtige Rolle. „In einer vergleichbar coolen Stadt wie London könnten wir uns gar nicht auf einer so großen Fläche ausbreiten wie in Berlin“, sagt Kieran Stanley. Denn hier seien die Mieten noch immer vergleichsweise niedrig. „Für den kreativen Prozess ist es ganz wichtig, dass die Mitarbeiter im Büro zusammen kommen und dann aber auch wieder auseinander gehen“, so Kieran Stanley. „Grundsätzlich gilt aber auch: Wir können nur so kreativ sein, wie es der Auftraggeber auch zulässt.“

Lufthansa hat sich mit großem Erfolg darauf eingelassen. Für den Luftfahrt-Konzern entwickelte dan pearlman eine Markenakademie. Das Unternehmen war stark gewachsen, manche Angestellten verstanden nicht mehr ganz, wie sie alle Airlines von Germanwings bis hin zur Swiss in die Unternehmen einordnen sollten. In der Markenakademie lernen die Mitarbeiter spielerisch, für welche Werte die einzelnen Airlines des Konzerns stehen und wie sie sich unter dem Dach der Lufthansa AG eine Einheit bilden. Dafür bekam dan pearlman den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2011, die höchste Auszeichnung in dem Bereich.

Auch das Pilotprojekt „Haus der guten Taten“ von COEO wurde mit einem Preis ausgezeichnet. Dort werden fair gehandelte und von Menschen mit Behinderung erstellte Produkte verkauft. dan pearlman hat vom Markennamen über das Logo bis hin zur Anordnung der Produkte im Geschäft das Konzept entwickelt. „Wir verfolgen einen sogenannten 360 Grad Ansatz“, sagt Nicole Srock.Stanley. „Wenn wir einen Auftrag bearbeiten, sind Strategieexperten, Architekten und Kommunikationsprofis dabei.“ Zunächst entwickelt ein Team von dan pearlman in enger Absprache mit dem Kunden die Strategie für die Marke. Dann überlegen sie, wie sie die Nachricht am besten vermitteln, also entwerfen beispielsweise ein Logo oder suchen einen Namen. Anschließend planen sie ganz konkret, wie die Fläche für die Präsentation der Marke ausgestaltet werden soll. Das kann ein Messestand ebenso sein wie ein Flagshipstore. Soziale Medien wie Facebook können helfen, eine Marke bekannt zu machen. „Man darf bei der Markenkommunikation aber nie nur auf einen Kanal setzen“, sagt Nicole Srock.Stanley.

Bei dan pearlman arbeiten Mitarbeiter aus vielen verschiedenen Ländern. Die Agentur ist weltweit eng vernetzt und kann sich immer Rat von einem Experten vor Ort einholen, um auf die landesspezifischen Besonderheiten einzugehen. So hat dan pearlman für Katar mitgeholfen, in der Hauptstadt Doha Eventpavillons aufzustellen, in denen sich der Wüstenstaat als Gastgeber für die Fußballweltmeisterschaft 2022 präsentieren konnte. Eines ist Kieran Stanley dabei aber besonders wichtig. „ In Emails kann man wunderbar Fakten und Details austauschen. Doch sie können das persönliche Gespräch nicht ersetzen.“ Auch Skype sei da allenfalls eine Notlösung. „Wenn es um die Feinabstimmung geht, muss man sich gegenüber am Tisch sitzen und in die Augen sehen können, um auch wirklich alles genau zu verstehen.“

Sicht des Kunden einnehmen

Natürlich kennen die beiden auch das Problem, das einem nichts einfällt. Doch die langjährige Erfahrung lässt sie dann nicht in Panik verfallen, im Gegenteil. „90 Prozent des kreativen Denkprozesses sind Übung und die systematische Herangehensweise an die zu lösende Aufgabe“, sagt Nicole Srock.Stanley. „Der Rest ist Intuition.“ Kieran Stanley rät dann „zur Flucht nach vorne“ und taucht noch tiefer in das Projekt ein. „Ganz wichtig ist der Perspektivwechsel, also immer wieder mit dem Kunden reden und sich hineinversetzen, was er wirklich will.“

Nicole Srock.Stanley vergleicht ihre Herangehensweise auch mit einer Schatzsuche. Wenn man weiß, dass auf dem Acker irgendwo ein Schatz versteckt ist, bringe es wenig, mal hier und dort zu graben, sagt sie. „Man muss den Acker von links nach rechts umgraben und irgendwann stößt man dann in jedem Fall auf das Gold.“