Jubiläum

Berliner Erfinder kämpft gegen Stromausfall

Siemens zeichnet Ideen des Jahres aus und feiert den 100. Geburtstag seiner Hauptverwaltung

Die wenigsten Bürger sind auf einen Stromausfall vorbereitet. Für sie kommt der Strom einfach aus der Steckdose. Und wenn das plötzlich nicht mehr geschieht, sind sie aufgeschmissen. Die Wäsche mit der Hand zu waschen, würde vielleicht gerade noch gehen. Doch das meiste Essen im Kühlschrank wäre nach einigen Stunden vergammelt. Und kaum einer wäre in der Lage, irgendwo spontan ein Feuer anzuzünden, um Wasser für Tee heiß zu machen. Zumal wenn er in einer Etagenwohnung lebt.

Um genau dieses Szenario zu vermeiden, gibt es Erfinder wie den Berliner Matthias Kereit. Er hat sich Gedanken darum gemacht, wie man sogenannte Blackouts, also großflächige Stromausfälle, verhindern kann. Für seine Idee wurde er von Siemens als einer von zwölf „Erfindern des Jahres 2013“ ausgezeichnet. Mit diesem Preis ehrt der Konzern seit 1995 herausragende Forscher und Entwickler aus dem eigenen Haus. Denn sie sorgen mit ihren Erfindungen dafür, dass Siemens seine Stellung als eines der weltweit führenden Unternehmen für Elektronik und Elektrotechnik behaupten kann.

Die Bedeutung solcher Erfindungen lässt sich auch an den Geschäftszahlen ablesen. So hat Siemens 2013 fast sechs Prozent des Umsatzes für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Das waren 4,3 Milliarden Euro und somit noch einmal 50 Millionen Euro mehr als 2012. Zwei Drittel davon wurden für Projekte in Deutschland eingesetzt. Davon hat unter anderem natürlich auch Matthias Kereit profitiert.

Kereit hat bei Siemens in Berlin Programme für Schutzgeräte entwickelt, die Hochspannungsleitungen überwachen. Sobald die Geräte registrieren, dass ein Kurzschluss droht, können die Leitungen abgeschaltet werden. Auf diese Weise kann ein größerer Blackout, der ganze Stadtviertel oder Regionen ohne Strom zurücklässt, vermieden werden.

Rund 60.000 Patente hat Siemens insgesamt im abgelaufenen Geschäftsjahr angemeldet. Das sind fünf Prozent mehr als im Vorjahr und damit ein neuer Rekord für den Konzern. Die zwölf als „Erfinder des Jahres“ ausgezeichneten Mitarbeiter haben schon allein für 500 Patente gesorgt und zudem 600 Erfindungsmeldungen gemacht. Das zeigt, welche wichtige Rolle sie im Unternehmen spielen. „Die Technologiekompetenz und das Know-how der Siemens-Erfinder sind für unser Unternehmen entscheidende Erfolgsfaktoren“, sagt Klaus Helmrich, der im Vorstand für Personal zuständig ist.

Nur eine weibliche Preisträgerin

Unter den geehrten Erfindern ist nur eine Frau. Elena Reggio forscht in der italienischen Hafenstadt Genua, wie sich Systeme im Fertigungsmanagement leichter bedienen lassen. Bei ihrem Programm genügt es, ganz grundlegende Daten einzugeben. Anschließend wird die Produktion genau so gesteuert, dass alle Maschinen und Anlagen gleichmäßig zum Einsatz kommen und nicht einzelne Geräte überbelastet werden.

Michael Ott aus Mühlheim an der Ruhr hat wiederum ein Verfahren erdacht, bei dem Gasturbinenschaufeln durch Laserschweißgeräte repariert werden können. Für das Unternehmen ist damit eine große Kostenersparnis verbunden. Denn solch eine Gasturbinenschaufel ist so viel wert wie ein Kleinwagen. Wenn sie repariert werden kann, statt jedes Mal durch eine Neue ersetzt werden zu müssen, spart das Unternehmen viel Geld.

In Berlin gibt es am morgigen Freitag für den Konzern noch einen Grund zum feiern. Die Hauptverwaltung an der Nonnendammallee wird 100 Jahre alt. Sie wurde nach ihrem Bezug ab 1913 zum Kern des damals vergleichsweise neuen Siemens Produktionsstandorts. Tausende Mitarbeiter waren zwar schon für den Konzern tätig. Allerdings lag die Hauptverwaltung zu dem Zeitpunkt noch außerhalb des Stadtgebiets von Berlin in der Nähe der Stadt Spandau.

Siemens hatte sich bewusst für den neuen Standort außerhalb des damaligen Stadtgebiets entschieden. Die anderen Produktionsstätten wie das Kabelwerk Westende und das Automobilwerk waren über die ganze Stadt verteilt. Um die Fabrikanlagen und Verwaltungseinheiten an einem Ort zusammen zu führen, hatte der Konzern schon ab Ende des 19. Jahrhunderts eine 200.000 Quadratmeter große unbebaute Fläche auf den Nonnenwiesen zwischen Charlottenburg und Spandau erworben. Seit 1914 wird das Gelände offiziell als Siemensstadt bezeichnet. Dort entstanden seit 1922 auch Wohnsiedlungen.

Seit 2008 Weltkulturerbe

Die Anlagen wurden im wesentlichen von Karl Janisch entworfen, der in den USA studiert hatte, wie kostengünstige und zugleich aber auch sozial verträgliche Werksanlagen aussehen sollen. Sein Nachfolger Hans Hertlein setzte das Werk fort. Seit 2008 steht Siemensstadt auf der Liste des Weltkulturerbes.