Lebensversicherungen

Kampfansage von Allianz-Leben

Versicherer hält die Verzinsung erstmals seit fünf Jahren wieder stabil. Signal an die gesamte Branche

Der jahrelange Abwärtstrend bei den Renditen auf Lebensversicherungen scheint gebremst: Branchenprimus Allianz Leben hält die Überschussbeteiligung für seine rund neun Millionen Lebensversicherungs-Kunden stabil – zum ersten Mal seit fünf Jahren. Die Gesamtverzinsung einschließlich des Schlussüberschusses werde auch 2014 bei 4,2 Prozent liegen, die laufende Verzinsung klassischer Lebens-Policen bei 3,6 Prozent, teilte Allianz Deutschland am Mittwoch mit.

„Das ist ein starkes Signal an die Branche“, sagte Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata. Nicht nur die Allianz-Kunden, auch Konkurrenten hatten auf die Deklaration des Versicherers gewartet. Viele kleinere Versicherer orientierten sich am unangefochtenen Marktführer. Die Rendite werde im Branchenschnitt wohl weniger stark zurückgehen als 2013, sagte Heermann. Damals war die Überschussbeteiligung auf den Sparanteil der Prämien im Schnitt auf 3,6 von 3,9 Prozent gesunken. „2014 werden wir wohl bei 3,4 bis 3,5 Prozent herauskommen“, prognostizierte er.

Die Nummer vier im deutschen Markt, R+V Leben, hatte am Montag ihre Überschussbeteiligung auf 3,4 von 3,6 Prozent gedrückt. Der Abstand zwischen den einzelnen Lebensversicherern werde eher kleiner, sagte Heermann. „Der Markt wächst zusammen.“ Selbst schwächere Versicherer würden wohl nicht wagen, ihre Verzinsung auf weniger als drei Prozent zu senken, mehr als vier Prozent Verzinsung würden seltener.

Allianz-Leben-Produktvorstand Alf Neumann begründete die Entscheidung mit etwas höheren Zinsen an den Kapitalmärkten: „Unsere Neuanlagerendite liegt derzeit über alle Anlageklassen bei 3,7 Prozent. Nach einem sehr turbulenten Jahr sind die Zinsen am Kapitalmarkt heute sogar etwas höher als vor zwölf Monaten“, sagte er. Die Allianz habe das Geld ihrer Kunden mehr in Aktien, länger laufende Anleihen und alternative Anlagen wie Windrädern angelegt. „Wir sind der finanzstärkste Versicherer und haben mehr als andere die Möglichkeit, die Ausschüttungen zu glätten. Wir sind in einer komfortablen Lage, auch was die weltweite Streuung der Kapitalanlagen betrifft.“

Assekurata-Experte Heermann glaubt, dass die Entscheidung der Allianz auch mit der Einführung einer neuen Produktreihe ohne lebenslange Zinsgarantien zusammenhängt. Dafür bietet die Allianz 0,3 Prozentpunkt mehr Rendite als für klassische Policen. „Das lässt sich so sicher besser verkaufen“, sagte Heermann. Vorstand Neumann verwies darauf, dass die Allianz in diesem Jahr deutlich mehr fondsgebundene, indexgebundene und andere kapitalmarktnahe Lebensversicherungen verkauft habe. In den ersten neun Monaten machten sie – die neue Produktreihe eingeschlossen – 23 Prozent des Neugeschäfts aus, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.

Auch die Unsicherheit über die Ausschüttung der Kursgewinne auf festverzinsliche Wertpapiere ist bei der Allianz gewichen. Die geltende Regelung zu den Bewertungsreserven bevorteilt Kunden, deren Verträge auslaufen oder die vorzeitig kündigen. „Das Thema Bewertungsreserven spielte bei unseren Berechnungen keine Rolle, da es klare Signale aus der Koalition gibt, dass sich da 2014 Änderungen ergeben werden“, sagte Neumann. Die Versicherer drängen auf eine Reform, weil die stillen Reserven auf die Papiere bis zum Ende der Laufzeit auf Null schrumpfen. Die Aufsichtsbehörden machen sich Sorgen, dass Versicherer ihre langfristigen Zinsgarantien auf Dauer nicht aus ihren Kapitalanlagen finanzieren können.