Vermögensbildung

Anlage-Mythos Gold gerät ins Wanken

Der Preis sank 2013 erstmals seit acht Jahren. Doch Ende 2014 könnte es wieder aufwärtsgehen

In einer Zeit, in der die Staatsfinanzen wackelten und die Geldmengen aufgebläht wurden, bot Gold Vermögensschutz. Doch seit Januar ist der Preis in Euro um 29 Prozent eingebrochen. Am Dienstagnachmittag notierte die Feinunze bei 1222 Dollar. Damit erleben Edelmetall-Anleger ein ähnliches Waterloo wie Aktionäre 2008, als die Börsen crashten. Zuvor war der Goldpreis acht Jahre in Folge gestiegen, in Dollar – üblich für die Notierung – sogar seit der Jahrtausendwende.

Viele Marktbeobachter sprechen von einem Trendbruch. „Gold hat die Erwartung nicht halten können, das Vermögen zu schützen“, sagt Tom Weber, Analyst bei der Capitell AG in Hamburg. Diese Enttäuschung ziehe weitere Verluste nach sich, da „ängstliches Kapital“ dem Rohstoff den Rücken kehre. „Der Goldpreis wird weiter sinken“, sagt auch Uwe Zimmer von der Vermögensverwaltung Meridio in Köln. Die Menschen hätten nicht mehr das Gefühl einer Finanzkrise, der Hauptanreiz für den Goldkauf falle daher weg. Nicht ganz so negativ sehen es die Experten des Investmenthauses Tiberius: „Der Bärenmarkt bei Gold dürfte sich 2014 zunächst fortsetzen, dann aber auslaufen“, schreiben sie in einem Report. Die Analysen von Tiberius haben Gewicht. Die Experten gehörten vor einem Jahrzehnt zu den ersten, die den Megatrend erkannten, umgekehrt warnten sie schon 2011 vor einem Ausklingen der Gold-Hausse.

Auslöser für den Einbruch des Goldpreises in diesem Jahr ist nach Einschätzung von Marktbeobachtern der Rückgang der Inflationsraten in den Industrieländern. „Seit die Angst vor akuter Geldentwertung und einem Zusammenbruch des Finanzsystems weg ist, korrigiert der Goldpreis“, konstatiert Marc-Oliver Lux, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner in Grünwald bei München. Mit dem Ausbleiben einer spürbaren Inflation ist es für Investoren überflüssig geworden, sich im großen Stil mit Sachwerten abzusichern.

Eine erwartbare Korrektur

Der Absturz des Goldpreises hat ein Duell – scheinbar – entschieden: Die einzige andere Geldanlage, die ähnlich lang ohne Verlustjahr blieb, sind deutsche Staatsanleihen. In keinem Jahr der zurückliegenden Dekade bescherten Bundespapiere ihren Haltern ein Minus – auch 2013. Doch sind Bundes- und Staatsanleihen wirklich der neue Gral der Sicherheit? Wird Gold zu einem Rohstoff wie Kupfer degradiert? „Wer über den Tag hinausblickt, wird durchaus wieder Potenzial für Gold sehen“, sagt Ralf Wiedmann von der Vermögensverwaltung Advertum. Es sei kaum erkennbar, dass die Staaten zur Haushaltsdisziplin zurückkehren. Mittel- bis langfristig bedeute das große Gefahren für Geldwert und Finanzstabilität.

Der jetzige Rückgang ist eine Normalisierung. „Im Zuge der Euro-Panik war die Euphorie für Gold etwas über das Ziel hinausgeschossen“, sagt Geldmanager Lux. Der langfristige Aufwärtstrend, der etwa zur Jahrtausendwende begründet wurde, sei jedoch noch lange nicht in Gefahr. Dafür müsste der Unzenpreis erst auf unter 750 Dollar fallen. So ist für Edelmetall-Fans Geduld das Gebot der Stunde. Einstweilen können sie sich damit trösten, dass der Goldpreis immer noch fast dreimal so hoch steht wie vor zehn Jahren. Seit 2003 hat sich das gelbe Metall durchschnittlich um elf Prozent im Jahr verteuert. Bundesanleihen brachten im gleichen Zeitraum 4,6 Prozent, Dax-Aktien neun Prozent.