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Fachkräfte dringend gesucht

Berliner Unternehmen müssen lernen, um die besten Mitarbeiter zu werben

Viele Unternehmen unterschätzen bislang dramatisch die Folgen des demografischen Wandels. Nach Ansicht von Eric Schweitzer, Chef der Berliner Industrie- und Handelskammer, ist der aufziehende Mangel an Fachkräften bereits jetzt schon spürbar. „Unternehmen sind auf dem Arbeitsmarkt nun auch Bewerber“, sagte Schweitzer bei einer Fachkräftekonferenz von IHK Berlin und Handwerkskammer am Dienstag. Die Unternehmen müssten lernen, mit dieser neuen Rolle umzugehen. „Vor allem die kleinen und mittelständischen Unternehmen befinden sich im sprühenden Ideenwettkampf um die besten Konzepte“, so Schweitzer.

Über 200 Teilnehmer kamen zu der Konferenz, um darüber zu diskutieren, was Politik, Wirtschaft und Schulen unternehmen können, damit der drohende Fachkräftemangel verhindert wird. Vertreter von 25 Berliner Firmen präsentierten ihre Vorschläge, um Fachkräfte nicht nur zu finden, sondern auch im Unternehmen zu halten. Schweitzer betonte in seiner Eröffnungsrede den Erfolg der dualen Ausbildung, bei der Jugendliche parallel in einem Betrieb und einer Berufsschule oder Berufsakademie unterrichtet werden. Dieses Modell habe vor zehn Jahren als veraltet gegolten, so Schweitzer. „Heute wollen andere Länder die duale Ausbildung kopieren, da es die besten Fachkräfte hervorbringt.“

Ein weiterer wichtiger Punkt ist es nach Ansicht des IHK-Chefs, mehr Frauen in Vollzeitbeschäftigung zu bringen. Aus dem Grund sollte jede Familie einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Ganztagsschule für die Kinder haben, sagte Schweitzer. „Langfristig rechnet sich das auch für den Staat, da die Einnahmen aus Steuern und Sozialausgaben steigen, wenn mehr Frauen in Vollzeit arbeiten.“ Es forderte die Firmen auf, sich flexibler bei Arbeitszeitmodellen zu zeigen und mehr Möglichkeiten anzubieten, die es den Frauen erlauben, Beruf und Familie zu vereinbaren. Dazu gehört unter anderem ein sogenanntes Home Office, bei dem die Arbeit nicht im Büro, sondern von zu Hause aus erledigt wird.

Berlins Arbeitssenatorin, Dilek Kolat (SPD) befürwortete auf der Konferenz eine Ausbildungsoffensive. Sie bedauert, dass eine Ausbildung zum Facharbeiter für Jugendliche heute offenbar nicht mehr den selben Stellenwert habe wie früher. „Der Wert, den eine solche Berufsausbildung hatte, ist irgendwie abhanden gekommen“, so Kolat. Das müsse sich dringend ändern. Entgegen dem bundesweiten Trend bildeten Berliner Betriebe von Jahr zu Jahr weniger Mitarbeiter aus.

Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Jürgen Wittke, will mit der Fachkräftekonferenz vor allem zwei Signale aussenden: „Berlin muss als Standort für Fachkräfte attraktiv bleiben und möglichst noch attraktiver werden.“ Dazu müsse die Politik ihren Beitrag leisten, in dem sie etwa eine entsprechende Betreuung der Kinder zu Randzeiten anbietet. Gleichzeitig müssten die Unternehmen ihr Personalmanagement überdenken. „Dazu gehören neben Flexibilität bei der Mitarbeiterauswahl auch Maßnahmen, um Mitarbeiter im Betrieb zu halten und zu fördern“, so Wittke.

Fachkräfte aus dem Ausland

Berliner Senat, IHK und Handwerkskammer starteten eine gemeinsame Kampagne, um ausländische Fachkräfte für Handwerk, Industrie und Handel in Deutschland zu begeistern. In kurzen Filmspots werden Portraits einer Ingenieurin sowie Berufsschullehrerin aus Spanien, eines Anlagenmechanikers aus der Türkei und eines Tischlers aus Kamerun vorgestellt. Ein Berliner Unternehmer zeigt, wie Fachkräfte mit ausländischen Abschlüssen sein Unternehmen verstärken. Wie Kolat sagte, seien die ersten Zahlen zur Anerkennung eines ausländischen Abschlusses in Deutschland vielversprechend. Ein Jahr nach dem in Kraft treten des Gesetzes gab es 11.000 Anerkennungsverfahren, davon sind rund Dreiviertel abgeschlossen. Dies zeige „dass die Anerkennung des Berufsabschlusses der richtige Weg ist“, so Kolat.

www.anerkennung-berlin.de