Interview

„Meine große Stärke ist die Fähigkeit, sich in andere einzufühlen“

Der ehemalige AWD-Chef Carsten Maschmeyer über Promis und Start-ups

Carsten Maschmeyer ist für viele Deutsche das ungeliebte Symbol der Finanzberaterbranche. Der Gründer und ehemalige Chef der Vermögensberatung AWD, gilt als Erfinder der Drückerkolonnen in der Finanzwelt. Von diesem Image will Maschmeyer, Lebensgefährte der Schauspielerin Veronica Ferres, Freund von Christian Wulff und Gerhard Schröder, weg. Im Gespräch mit Jan Dams und Thomas Exner erzählt er, wie er jetzt seine Tage verbringt und warum er auch als Multimillionär noch arbeitet.

Berliner Morgenpost:

Herr Maschmeyer, wie haben Sie bisher den Tag verbracht?

Carsten Maschmeyer:

Ich habe, als ich aufgewacht bin, ein paar interessante Ideen gehabt. Das ist meine kostbarste Zeit am Tag. Ich mache nicht einmal das Handy an. Erst bin ich mit meinen Gedanken allein. Danach habe ich mit meiner Liebe telefoniert, die heute etwas länger geschlafen hat als ich. Und dann habe ich mich um eine meiner Start-up-Firmen gekümmert.

Könnten Sie als einer der 100 reichsten Deutschen nicht entspannter leben?

Ich empfinde mein Leben nicht als angespannt. Ich verwirkliche mich. Das macht mir eine Riesenfreude. Ich habe keine „Ich muss“-Termine, sondern nur „Ich will“-Termine.

Na ja, so ganz ohne Verpflichtungen sind Ihre Investments ja nicht.

Deshalb setze ich Prioritäten. Unternehmer sein heißt etwas unternehmen. Meine Frau arbeitet auch, obwohl sie es nicht müsste. Sie hat auf bestimmte Rollen einfach Lust. So geht es mir als Berater und Investor auch.

Mal ehrlich: AWD war am Ende riesig. Jetzt investieren Sie in winzige Firmen. Warum?

Das sehen Sie falsch. Es sind auch Firmen dabei, die über 100 Millionen Euro schwer sind. Tatsächlich investiere ich in Potenziale. Meine erste Firma, die ich in den MDax geführt habe und die für 1,9 Milliarden Franken verkauft wurde, war am Anfang noch kleiner als die Start-ups, in die ich heute investiere.

Für Sie ist die Führungsmannschaft besonders wichtig. Welche Typen müssen da ran?

Mir geht es um die Charaktere und den richtigen Mix. Ideal ist es, wenn in einem Dreiergespann beispielsweise einer der verrückte Kreative ist. Einer sollte operative Managementerfahrung mitbringen und einer muss strategisch denken können. Die sollten sich kongenial ergänzen. Auch will ich das Gefühl haben, die würden rund um die Uhr für ihr Geschäftsmodell leben, selbst wenn sie kein Geld bekämen.

Halten Sie Ihre berüchtigten AWD-Motivationsreden heute bei Ihren Beteiligungen?

Ich kann Menschen immer noch gut motivieren, aber anders als vor 20 Jahren. Es ist auch eine andere Zeit.

Sie sind ein Menschenfänger. Und jetzt nutzen Sie diese Fähigkeit nicht mehr?

Meine große Stärke ist die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen, ihnen Wertschätzung entgegenzubringen. Manchmal leide ich deshalb auch. Man kann nicht einfühlsam sein und selbst eine Elefantenhaut haben.

Was treibt Sie an? Geld?

Da ich meine Berufung zum Beruf machen konnte, empfinde ich das nicht als Arbeit. Antrieb ist in erster Linie der Erfolg. Wenn sich der einstellt, geht das meist mit finanzieller Belohnung einher. Wer ein besserer Schauspieler ist, internationale Filme dreht, bekommt mehr Geld. Geld ist eine Folge von Erfolg, nicht umgekehrt.

Wie wichtig ist Ihnen Prominenz?

Ich habe zwei Sachen unterschätzt. Da die Börse ein öffentlicher Marktplatz ist, gehören Pressekonferenzen und Fernsehinterviews dazu. Das ist mir erst später richtig bewusst geworden. Das zweite: Die Tatsache, dass ich meine Liebe zu Veronica Ferres offensichtlich mit vielen Deutschen teile, hat zu einer von mir unterschätzten Einschränkung der Privatsphäre geführt.

Ihr Ego spielt keine Rolle? Sie reden gern darüber, dass Sie mit Gerhard Schröder und Christian Wulff befreundet sind.

Dass ich mit Gerhard Schröder, Guido Westerwelle oder Ursula von der Leyen befreundet bin, ist bekannt. Aber Freundschaften sind privat und über Privates spreche ich nicht öffentlich. Zu den gemeinsamen Fotos kommt es, weil die Fotografen einen auf jedem Empfang sofort zusammenschieben.

Steht Wulff jetzt zu Recht vor Gericht?

Er ist mein Freund. Und als solcher scheint es mir am klügsten, mich mit öffentlichen Kommentaren zurückzuhalten. Nur so viel: Dass er einen klaren Freispruch möchte, kann ich sehr gut verstehen. Und ich würde mich freuen, wenn er irgendwann auch wieder an seiner politischen Leistung gemessen wird.

Was wäre, wenn Ihr Geld weg wäre?

Dann finge ich wieder von vorn an. Ganz klein. Ich würde wieder versuchen schneller und besser zu sein als andere. Wenn Sie mich morgen enteignen, dann mache ich vielleicht eine Waschstraße in Kanada auf. Ich werde netter, günstiger und kreativer sein als die Konkurrenz. Und ich werde schnell merken, welchen zusätzlichen Service die Kunden wollen. Bald werde ich eine zweite Waschstraße aufmachen und die Mitarbeiter beteiligen.