Einstieg

Daimler kauft sich in China ein

Erstmals beteiligt sich ein ausländischer Konzern an einem Staatsbetrieb. Die Stuttgarter hoffen auf einen Absatzschub

Als erster ausländischer Autobauer ist Daimler an einem der wachsenden Pkw-Produzenten Chinas direkt beteiligt. Mit der staatlichen Genehmigung in der Tasche besiegelten Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche und der Chef des langjährigen chinesischen Partnerunternehmens BAIC, Xu Heyi, den Einstieg bei einer Feier im Rathaus von Peking. Für zwölf Prozent an BAIC, der Pkw-Sparte der Beijing Automotive Group, gibt Daimler 625 Millionen Euro aus. Und möglicherweise ist dieser Einstieg nur ein erster Schritt zu engerer Verflechtung. Denkbar ist auch eine Beteiligung des chinesischen Autobauers an Daimler. Zetsche sagte, er begrüßte dies. Doch sei nicht entschieden, Beijing Automotive sei derzeit vor allem mit dem Börsengang von BAIC beschäftigt.

Nach den Worten Zetsches können beide Unternehmen nun besser von den enormen Möglichkeiten des chinesischen Automarktes profitieren. Für Daimler ist das Bündnis ein Meilenstein seiner China-Strategie: Die Stuttgarter sind auf dem größten Automarkt der Welt seit 2010 weit hinter die beiden anderen deutschen Oberklasse-Hersteller BMW und Audi zurückgefallen und wollen wieder nach vorn.

Daimler schickt künftig zwei Vertreter in das Verwaltungsgremium von BAIC. Auch erhöhen die Stuttgarter ihren Anteil an der gemeinsamen Vertriebsorganisation in China von 50 auf 51 Prozent. Mit der neuen Kontrolle soll die Organisation schlagkräftiger werden. Zuvor war bereits der Verkauf von importierten und lokal produzierten Mercedes-Fahrzeugen unter einem Dach zusammengelegt worden.

Mit der einheitlichen Vertriebsgesellschaft, rund 20 geplanten neuen Modellen und dem Ende 2012 eigens für China eingesetzten Vorstandsmitglied Hubertus Troska will Daimler das Steuer herumreißen. Bis 2020 will der Konzern wieder der Weltmarktführer in der Oberklasse werden. „Um unser 2020-Ziel zu erreichen, müssen wir in China nahe an das Niveau von BMW und Audi herankommen“, sagte Zetsche. Von Januar bis Oktober verkaufte Daimler mit rund 187.000 Pkw nur fast halb so viele Neuwagen wie BMW.

Mit Daimler als Ankerinvestor will die staatlich kontrollierte Beijing Automotive Group ihre Pkw-Sparte an die Börse in Hongkong bringen. Der fünftgrößte Autoproduzent Chinas plant mit Einnahmen von mindestens einer Milliarde Dollar. das Geld soll in neue eigene Modelle fließen. 2012 verkaufte BAIC 1,7 Millionen Fahrzeuge.

Auch alle anderen Autohersteller produzieren so wie Daimler und BAIC über Gemeinschaftsunternehmen. Einen Anteil erworben hat bisher aber noch niemand. China lässt in seinen Schlüsselindustrien bisher kaum ausländische Eigentümer zu. Daimler und BAIC schlossen vor zehn Jahren erstmals eine strategische Partnerschaft. Seit 2006 produzieren sie in einem Gemeinschaftsunternehmen Autos in Peking, an diesem hält BAIC jetzt 51 Prozent..

Gefertigt werden die E- und C-Klasse sowie der Geländewagen GLK. In nächster Zukunft soll die GLA-Klasse das vierte lokal produzierte Modell werden. der GLA ist das kleinste SUV von Daimler. Nach den behördlichen Vorschriften dürfen ausländische Hersteller in China nur in Gemeinschaftsunternehmen produzieren. Erst zu Wochenbeginn hatte Mercedes in Peking das erste Motorenwerk außerhalb Deutschlands eröffnet. Damit kann der Anteil lokal gefertigter Teile erhöht und kostengünstiger produziert werden.