Gründerzeit

Unsichtbar im Web surfen

Jürgen Stüber über Zenmate, eine Browser-Erweiterung aus Berlin, die Internetnutzern mehr Sicherheit gibt

Drahtlos surfen an öffentlichen Internet-Hotspots kann bekanntlich gefährlich sein: Internetkriminelle, die über die entsprechend Software verfügen, können mit wenigen Klicks alle per WLAN übermittelten Daten mitlesen. Und niemand weiß, ob der Tischnachbar im Café in guter oder schlechter Absicht im Web unterwegs ist. Für Sicherheit sorgt ein neues Programm, das Simon Specka und Markus Hänel erfunden haben: Zenmate.

Technische Lösungen für dieses Problem in öffentlichen WLAN-Netzen gibt es schon lange – doch nur die wenigsten nutzen solche Sicherheitssoftware. Oft ist das Installieren und Einrichten dieser Virtuellen Persönlichen Netzwerke (VPN) kompliziert, Gratis-VPN sind oft langsam. Es macht wenig Freude, diese Schutzfunktion zu benutzen.

Specka und Hänel haben eine Software-Erweiterung (Plug-in) für den Google-Chrome-Browser ersonnen, mit deren Hilfe die IP-Adresse des Nutzers verborgen und eine sichere Internetverbindung (VPN-Tunnel) aufgebaut wird. Die nur knapp 600 Kilobyte große Anwendung läuft – einmal installiert und aktiviert – im Hintergrund und beeinträchtigt die Schnelligkeit der Verbindung nicht erkennbar.

Vor allem in Ländern wie China und Iran, in denen Behörden den Internetzugang zensieren und kontrollieren, ist Zenmate beliebt. Denn mit dem Plug-in können sich Internetnutzer dort anonymisiert im Web bewegen, unerkannt bloggen, soziale Netzwerke benutzen, und alle Seiten öffnen, die in ihrem Land gesperrt sind. Drei Klicks genügen, um einen anderen Standort vorzutäuschen. Das Programm bietet vier virtuelle Alternativen zum offiziellen Standort an.

Als Schutz von Spähattacken durch den US-Geheimdienst NSA, der die kompletten Datenströme sammelt, will Hänel sein Programm nicht verstanden wissen. Und gegen das US-Spähprogramm Prism, das seit 2007 Zugriff auf Daten von US-Internetunternehmen hat, ist das Plug-in allemal machtlos. Dennoch: Zenmate kann auf jeden Fall die Verbindung zwischen dem Laptop und dem nationalen Internetknoten per VPN-Tunnel absichern.

Gegründet im Februar 2013 im britischen Manchester, zog die Firma vor einigen Monaten nach Berlin, besuchte im Mai 2013 das Accelerator-Programm Axel Springer Plug&Play und hat nun auch eine erste sechsstellige Finanzierung des Berliner Wagniskapitalgebers Project A erhalten. „Wir verstehen uns als Sicherheitsunternehmen“, sagt Hänel. Als weitere Entwicklungsschritte seien Schutzprogramme gegen Computer-Viren und Malware geplant. Ferner seien unterschiedliche Kontentypen in Vorbereitung mit Bezahlmodellen für zusätzliche Funktionen. „Das Basis-Account soll aber immer kostenfrei bleiben“, sagt Hänel.

Die Software hat sich schnell im Internet verbreitet – „ohne dass wir einen Cent für Marketing ausgegeben haben“, sagt Hänel. Auf mehr als 200.000 Browsern wurde das Plug-in bereits installiert.

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