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Und wieder steigt das Porto

Ein Standardbrief soll bei der Post 60 statt 58 Cent kosten. Auch Päckchen und Pakete werden teurer

Einige Briefmarkensammler haben die neue Zwei-Cent-Marke schon von der Post zugeschickt bekommen. „Das war ein Versehen. Eigentlich sollte der Versand erst später losgehen“, sagte ein Sprecher der Post. Erst vom 5. Dezember an soll der Verkauf der neuen Mini-Marke beginnen. Mancher Sonderkunde der Post, der das Porto am Erstausgabetag in seinem Briefmarkenladen Sammlern anbietet, wurde aber bereits beliefert. Doch die Marke, die durch die Portoanhebung von 58 Cent auf 60 Cent für den Standardbrief nötig wird, sorgt wieder für Diskussion. Schon wieder eine Portoanhebung? Es sieht so aus.

Die Deutsche Post hat bei der Genehmigungsbehörde Bundesnetzagentur beantragt, das Porto für den Standardbrief von 58 auf 60 Cent anzuheben. Gelten soll das neue Porto von Anfang 2014 an. Genehmigt ist noch nichts, die Behörde muss binnen zwei Wochen entscheiden. Doch der Konzernsprecher sagte, die Post gehe von einer Zustimmung aus. Schließlich erlaubten die Kostensteigerungen des laufenden Jahres die Anhebung um zwei Cent. Die neue Preisformel der Bundesnetzagentur, die die Inflationsrate mit einem Produktivitätsfortschritt der Post kombiniert, ließe dies zu, sagte der Sprecher. Damit steigt der Portopreis für Briefe innerhalb eines Jahres um neun Prozent: von 55 Cent Ende 2012 auf 60 Cent Anfang 2014. Nach 15 Jahren mit einem stabilen Portopreis ist das ein ungewöhnlich großer Sprung.

Kein Bundesadler, kein Brandenburger Tor, noch nicht einmal eine Blume: Die Drei-Cent-Marke der Post, die zur Preiserhöhung Anfang 2013 herauskam, ist keine Schönheit. Briefmarkensammler verliehen der grauen Klebemarke mit dem roten Feld unten in der Ecke die „Goldene Zitrone“ für das hässlichste Porto in Deutschland – wenn nicht gar weltweit. Auch die neue Zwei-Cent-Marke ist keine Schönheit: Nach Informationen der Berliner Morgenpost sieht sie exakt so aus wie das Drei-Cent-Porto, nur hat sie ein grünes Feld rechts unten. Die neuen 60-Cent-Marken sollen zunächst ein Blumenmotiv zieren. „Bei Blumen sind wir flexibler, andere Motive müssen den längeren Genehmigungsprozess durchlaufen“, begründete das der Postsprecher.

Geht der Antrag der Post bei der Bundesbehörde durch, liegt die neue Marke ab Dezember in den Postfilialen: Kleine helle Bögen mit 20 selbstklebenden Zwei-Cent-Marken. Eine Gnadenfrist soll es bei der Post nicht geben: Wenn das Porto genehmigt ist, gilt es vom 1. Januar 2014 an. Wer ab dem Tag noch den alten Wert auf einen Brief klebt, riskiert, dass er die Sendung zurückbekommt oder dass der Empfänger nachzahlen muss. In der Praxis haben aber schon Anfang 2013 bei der Umstellung auf 58 Cent viele Briefträger auf das Nachporto verzichtet. „Eine Anweisung dafür gibt es nicht, das dürften wir gesetzlich gar nicht machen“, sagte der Konzernsprecher.

Für Privatkunden der Deutschen Post geht damit das umständliche Bekleben der Briefe weiter: alte 55-Cent-Marken mit alten Drei-Cent-Marken und zusätzlich mit neuen Zwei-Cent-Marken kombinieren – solange bis der Vorrat aufgebraucht ist. Natürlich kann der Briefeschreiber auch am Automaten das fehlende Porto kaufen.

Mit der vergangenen Anhebung um drei Cent hat der Postkonzern im Geschäftsjahr 2013 rund 100 Millionen Euro mehr eingenommen. Wie hoch das Umsatzplus jetzt ausfallen wird, ist offen. Denn besonders bei den Geschäftskunden der Post kann eine erneute Preisanhebung dazu führen, dass die Unternehmen noch mehr Rechnungen oder andere Schreiben per E-Mail und eben nicht mehr per Brief verschicken. Das Verhältnis dürfte sich bis heute kaum verändert haben: 2012 transportierte die Post rund 7,6 Milliarden Briefe, darunter 6,4 Milliarden Sendungen für Geschäftskunden und 1,2 Milliarden Sendungen für Privatkunden.

Ebenfalls teurer werden bei der Post nächstes Jahr Pakete und Päckchen innerhalb Deutschlands: Hier ist ein Zuschlag von neun Cent vorgesehen. Es gibt aber Einschränkungen: Ausgenommen ist das Porto für Päckchen, die in Filialen der Post aufgegeben werden, sie kosten weiterhin 4,10 Euro. Verändern werden sich zudem einige Preise für internationale Pakete: In entfernte Regionen kosten sie im Durchschnitt um ein oder zwei Euro mehr. Die Paketpreise muss sich der Konzern nicht von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen.