Insolvenz

Retter für Getgoods gesucht

Elektronikhändler aus Berlin und Frankfurt (Oder) ist zahlungsunfähig

Der börsennotierte Online-Elektronikhändler Getgoods ist zahlungsunfähig. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin und Frankfurt (Oder) will am heutigen Freitag für die Holding Insolvenz anmelden. Für die Getgoods Vertriebs GmbH wurde das Verfahren bereits am Donnerstag beantragt, teilte das Unternehmen mit: „Die Rettungsversuche zur Abwendung der Insolvenz sind gescheitert.“

Zuvor seien Gespräche mit Investoren erfolglos geblieben. Nach Medienberichten soll Getgoods unter anderem mit dem Handelskonzern Metro verhandelt haben. Der Geschäftsbetrieb soll vorerst weiterlaufen, hieß es in der Erklärung des Unternehmens. Die Suche nach einem Investor werde fortgeführt. Der Internethändler beschäftigt nach eigenen Angaben insgesamt 220 Mitarbeiter, 170 davon in Frankfurt (Oder).

Das 2007 gegründete Getgoods war einer der schnellwachsenden Internethändler in Deutschland. Das Unternehmen wollte bis zum Jahresende rund eine halbe Milliarde Euro Umsatz erreichen. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei rund 402 Millionen Euro. Getgoods betreibt verschiedene Internetplattformen wie getgoods.de und handyshop.de, über die Smartphones, Notebooks und Tablets verkauft werden, dazu Unterhaltungselektronik und Haushaltselektronik. Das Unternehmen ist überdies in den Handel mit Freizeit- und Baumarktartikeln eingestiegen.

In den vergangenen Monaten hatte das Unternehmen zudem kleinere Onlinehändler zugekauft darunter den Shoppingclub Pauldirekt und 004 Trading, das früher T-Online-Shops der Telekom betrieben hat. Um das schnelle Wachstum und die Zukäufe zu finanzieren, hat das Unternehmen seit dem Herbst 2012 Anleihen im Gesamtwert von 60 Millionen Euro platziert, zuletzt im Oktober eine Tranche über 20 Millionen Euro, vorwiegend bei Investoren im Ausland.

Im Frühjahr hatte zudem ein bislang ungenannter „institutioneller Investor“ rund zwölf Millionen Euro in Getgoods investiert. Spekulationen, dass es sich bei dem Investor um den Mitgründer der zum Metro-Konzern gehörenden Elektronik-Kette Media-Saturn, Erich Kellerhals, handelt, wurden nicht bestätigt. Seitdem halten sich allerdings die Marktgerüchte über einen Einstieg der Metro. Wie Getgoods-Chef Markus Rockstädt-Mies sagte, laufe die Investorensuche trotz des Insolvenzverfahrens weiter. „Dazu gab und gibt es hoffnungsvolle Gespräche.“ Details nannte er nicht.

Gründe, warum das Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht ist, wurden am Donnerstag nicht genannt. Möglich, dass das Unternehmen die für spätestens Samstag anstehende Zahlung von vereinbarten Quartalszinsen für die Anleihen nicht aufbringen konnte.

Zuletzt hatte das Unternehmen versucht, bei seinen Anlegern mit Wachstumsmeldungen zu punkten. Für das dritte Quartal hatte Getgoods ein Umsatzplus von 81 Prozent gemeldet und für das Jahresende einen Gewinn avisiert. Meldungen, wonach Getgoods in Kreditschwierigkeiten stecke, hatte Rockstädt-Mies im Oktober heftig widersprochen. Damals war bekannt geworden, dass Getgoods in zähen Verhandlungen mit dem Kreditversicherer Euler Hermes steckt.

Gezündet haben die vermeintlich guten Nachrichten nicht. Mittwochabend erreichte die Aktie das Niveau eines Pennystocks.