Forschung

Rolls-Royce will Flugzeugteile drucken

Triebwerksbauer plant mit neuer Technologie

Motorenteile, frisch aus dem 3D-Drucker: Das könnte schon bald bei Rolls-Royce Realität werden. Der britische Triebwerksbauer will die Produktion von Flugzeugkomponenten beschleunigen und leichtere Teile herstellen. „3D-Drucker eröffnen neue Möglichkeiten und neue Designformen“, sagte Henner Wapenhans, Technologie-Stratege bei Rolls-Royce, der „Financial Times“. „Beim Drucken müssen Sie kein Werkzeug benutzen, um Ihrem Produkt eine Form zu geben. Sie können jede Form schaffen, die Sie sich wünschen.“

Die Technologie könnte dabei helfen, das Gewicht von Flugzeug-Teilen zu verringern – zum Beispiel bei Klammern und Bügeln. „Es gibt Studien, die zeigen, dass man mit 3D-Druckern bessere Leichtstrukturen schaffen kann, die sich mehr daran orientieren, was die Natur macht und wie Knochen aufgebaut sind“, sagte Wapenhans.

Der Motorenbauer, der in seinem Werk in Dahlewitz bei Berlin mehr als 2200 Mitarbeiter beschäftigt, experimentiert bereits heute mit 3D-Druckern und will langfristig die Vorlaufzeiten für die Teileproduktion verringern. Nicht nur Triebwerksteile, sondern auch Prototypen lassen sich mit 3D-Druckern schneller herstellen, gleichzeitig muss das Unternehmen weniger Teile lagern – 3D-Drucker spucken die benötigten Komponenten auf Knopfdruck aus. „Einige Teile, die wir in der Luftfahrtindustrie verbauen, haben sehr lange Vorlaufzeiten“, sagte Wapenhans. 18 Monate vergehen, bis das Endprodukt fertig ist. „Selbst wenn es eine Woche dauert, ein Teil zu drucken, ist das immer noch sehr viel schneller“, so Wapenhans.

Bis Rolls-Royce tatsächlich Teile druckt, sollen noch weitere Tests stattfinden. „Die Teile müssen hohen Belastungen standhalten, wir müssen den Prozess standardisieren“, sagte ein Rolls-Royce-Sprecher am Donnerstag. Für das Unternehmen biete die Technologie die Chance, das Gewicht der Motoren zu reduzieren und Kosten zu senken. Rolls-Royce hatte im ersten Halbjahr 2013 eine Auftragssteigerung um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einen Gewinn von 840 Millionen Pfund (rund eine Milliarde Euro) bekannt gegeben.

Wettbewerber General Electric ist ebenfalls in die 3D-Druck-Forschung eingestiegen, die Tochterfirma GE Aviation kaufte vor kurzem zwei amerikanische 3D-Unternehmen. Auch die Autoindustrie verwendet 3D-Drucker. „Deutsche Autobauer drucken Prototypen und Leichtplastikteile“, sagte Kim Francois, die bei der 3D-Firma Materialise arbeitet. Sie druckt Designermöbel, Zahnprothesen und Autoteile – je nachdem, was sich der Kunde wünscht. „Für kleinere Unternehmen macht es keinen Sinn, sich eigene Drucker zuzulegen“, so Francois. Bei Kaufpreisen von bis zu 200.000 Dollar pro Industrie-Drucker müsse das Gerät rund um die Uhr laufen, um die Anfangsinvestition zu rechtfertigen. Trotz der hohen Kosten hält Francois die Technologie für vielversprechend: „Es ist für Firmen sehr attraktiv, wenn sie innerhalb kürzester Zeit einen Prototyp herstellen können.“