Unternehmen

Air Berlin verfehlt das Ziel

Die Airline wird auch 2013 keinen Gewinn erwirtschaften. Jetzt wird der Verkauf weiterer Flugzeuge und Unternehmensteile geprüft

Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin fliegt derzeit noch mit 25 eigenen Flugzeugen rund 440 Ziele an. Bis Ende des Jahres wollen die Berliner laut Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer aber nur noch zehn bis 15 eigene Flugzeuge in der Flotte haben und weitere 40 Routen schließen. Das zeigt zweierlei: Air Berlin braucht Geld und schrumpft weiter. Das Unternehmen werde nach den ersten neun Monaten des Jahres und „angesichts der weiterhin herausfordernden Marktbedingungen“ die Erwartungen für das Jahresergebnis 2013 nur durch Einmaleffekte und sonstige betriebliche Erträge annähernd erreichen können, sagte Wolfgang Prock-Schauer bei der Vorstellung der Ergebnisse. Übersetzt heißt das: Eine schwarze Null sei im operativen Geschäft nicht zu erwarten.

Im für die Ferienfluggesellschaft wichtigsten Zeitraum von Juli bis Ende September sanken die Einnahmen um 3,5 Prozent auf 1,346 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) stieg trotz des Sparprogramms Turbine nur um 14 Prozent auf 115,6 Millionen Euro. Einmalkosten für die Umsetzung diverser Maßnahmen schlugen negativ zu Buche.

Viele Deutsche waren wegen des guten Wetters im Sommer schlicht zu Hause geblieben. Air Berlin fliegt im Auftrag fast aller großen Pauschalreiseveranstalter Urlauber in den Süden, verkauft aber auch selbst Tickets für viele Ziele rund ums Mittelmeer. Allerdings warten aber auch die Reiseveranstalter mittlerweile immer länger, bevor sie Sitzplatzkontingente fest buchen und dann auch bezahlen müssen. In diesem Sommer konnten die Flugzeuge in Richtung Mittelmeer deshalb nur mit merklichen Abstrichen bei den Ticketpreisen gefüllt werden. Und auch das erheblich reiseschwächere Wintergeschäft läuft schleppend. Die Fortschritte bei der Sanierung des Konzerns würden durch den harten Preiskampf zunichte gemacht. „Darüber hinaus werden wir es mit einem schwierigen Winterhalbjahr zu tun haben“, sagte Prock-Schauer.

Keine Insolvenzgefahr

Die Gefahr einer Insolvenz wiesen Hüttmeyer und Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer aber energisch zurück. Die hohen Verluste, die die Airline in der Vergangenheit eingeflogen hat, haben das Eigenkapital mittlerweile komplett aufgezehrt. Am Ende des dritten Quartals liegt es bei minus sechs Millionen Euro. Als Folge der Finanzkrise müssen Unternehmen in Deutschland derzeit allerdings nur dann Konkurs anmelden, wenn sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können.

Klar ist allerdings bereits jetzt, dass Hüttmeyer die Schulden im laufenden Jahr nicht so reduziert wie geplant. Eigentlich sollte die Nettoverschuldung zum Jahresende auf 500 Millionen Euro fallen. Nach den ausbleibenden Erfolgen im dritten Quartal hält das Management jetzt aber nur noch 650 Millionen Euro für möglich. Ende 2012 lag die Nettoverschuldung allerdings noch bei 770 Millionen Euro.

Air Berlin hat aber angeblich genügend Liquidität, um gut über den Winter zu kommen und arbeite daran, weitere Unternehmensteile noch vor Weihnachten zu Geld zu machen, hieß es. Und damit sei nicht der Verkauf der Flugzeuge gemeint, stellte der Finanzchef auf Nachfrage klar. Aktuell sind rund 300 Millionen Euro in der Kasse. Zudem hat Air Berlin laut Hüttmeyer immer noch die Möglichkeit „150 Millionen Dollar aus dem Gesellschafterdarlehen von Etihad“ abzurufen. Dies war beim Einstieg der arabischen Airline in 2011 gewährt worden. Etihad hält knapp ein Drittel der Aktien und die positiven Effekte der Zusammenarbeit übertreffen laut Prock-Schauer „alle Erwartungen“. Er zeigte sich jetzt optimistisch, dass seine Airline im kommenden Jahr ausschließlich mit der Fliegerei Geld verdienen wird.

Gründe für seinen Optimismus sind zum einen die „langfristig angelegte, strategische Partnerschaft“ mit Etihad. Auch die Verknüpfung des Streckennetzes mit den Partnern der Oneworld-Allianz läuft nach Angaben der Berliner sehr gut. „Mit American Airlines haben wir in Amerika einen sehr starken Partner“, sagte der Air-Berlin-Chef. Und er erwartet, dass sich dieser positive Trend durch die Genehmigung der Fusion von American mit US-Airways noch verstärken wird.

Aber auch bei Sanierung des Tagesgeschäfts will Prock-Schauer weiter Druck machen. Der Air-Berlin-Chef peilt 2014 weitere Einsparungen in Höhe von 200 Millionen Euro an. Zudem sollen wie geplant bis zum Jahresende rund 900 Vollzeitstellen und damit rund ein Zehntel der Belegschaft abgebaut worden sein. Knapp 600 Stellen seien bereits eingespart. Im Dezember soll zudem der Großteil des Kundenservice ausgelagert werden. Mehr als 200 Mitarbeiter der Service-Center KG sollen in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem österreichischen Callcenter-Betreiber CCC übergehen. Allein Premium-Kunden will die Fluggesellschaft weiterhin durch eigene Mitarbeiter betreuen.

Abgefunden hat sich der Air-Berlin-Chef mit den Turbulenzen rund um den neuen Berliner Großflughafen. Für den gibt es immer noch keinen konkreten Eröffnungstermin. Air Berlin stelle sich deshalb bis auf weiteres auf den „Weiterbetrieb in Tegel“ ein. Der alte West-Berliner Flughafen müsse allerdings von der Flughafengesellschaft weiter ertüchtigt werden, da er eigentlich längst hätte geschlossen sein sollte und nun an der Kapazitätsgrenze betrieben wird. Mögliche neue Strecken werden also nicht ab Berlin eingerichtet sondern anderswo. „Wir werden mehr in Düsseldorf machen“, kündigte Prock-Schauer an.