Gründerzeit

Der Schwarm macht’s

Jürgen Stüber über zwei Erfinder, die auf der Konferenz MakeTechX ihre Projekte präsentierten

Lizzy und René Herzer wollen Macher, Hacker und Künstler vernetzen. Mit der Konferenz MakeTechX brachten sie in der Platoon-Kunsthalle an der Schönhauser Allee Leute zusammen, die an sinnstiftenden Technologien arbeiten. Zwei Beispiele, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Josiah Kavuma aus Uganda stellte seine Malaria-Diagnose-App Matibabu vor und Hans Stier einen Automaten, der Kaffee röstet und kocht – und Bauern in der Dritten Welt hilft.

200 Millionen Menschen erkrankten im Jahr 2010 an Malaria, 655.000 sind daran gestorben – vor allem Kinder unter fünf Jahren, so eine Statistik der Gates Foundation. Auch Joshiah Kavumas Studienkollege erkrankte an Malaria. „Er lag zwei Monate im Krankenhaus, musste sich schmerzhaften Untersuchungen unterziehen. Es kostete Zeit und viel Geld“, sagt Kavuma. Das war der Impuls für die Studenten der Computerwissenschaften aus Uganda, sich mit dem Thema zu befassen.

Sie entwickelten eine Malaria-Diagnose, bei der kein Blut abgenommen werden muss. Stattdessen benutzen sie ein Pulsoxymeter. Das ist ein kleines Messgerät, das mit einem Clip an der Fingerspitze befestigt wird und den Sauerstoffgehalt des Blutes misst, indem es die Haut mit Infrarotstrahlen durchleuchtet. Dieses Messgerät erkennt den Abbau der roten Blutkörperchen durch die Malaria-Erreger. Das Messergebnis des Oxymeters wird in einer Smartphone-App angezeigt. In zwei Jahren, sagt Kavuma, soll die Technologie Serienreife erreichen. Bis dahin haben er und sein Team noch ein Stück Arbeit zu leisten. Momentan seien erst 60 Prozent der Diagnosen korrekt, sagt er.

Am Stand nebenan kocht Hans Stier Kaffee. Er füllt grüne Kaffeebohnen oben in die Maschine ein. Nach fünf Minuten kommt unten „der frischste Filterkaffee der Welt“, wie er sagt, heraus. Stiers Maschine röstet, mahlt und brüht den Kaffee in einem einzigen Arbeitsschritt.

Der Erfinder will nicht nur einen innovativen Kaffeeautomaten bauen. Er hat auch eine politische Mission. Die Kaffeebohnen werden direkt bei den Bauern in Nicaragua, Costa Rica und anderen Ländern eingekauft und bis auf eine Fair-Trade-Organisation ohne weitere Zwischenhändler an den Kunden geliefert. Die Bauern erhalten einen Preis, der – wie Stier sagt – drei Mal so hoch wie bei Kaffeekonzernen sei.

Nachdem Stier 135 Prototypen seiner Kaffeemaschine gebaut hat, plant er die Produktion in einer größeren Serie. Mit einer Kampagne auf der Crowdsourcing-Plattform Kickstarter, die am Dienstag beginnt, will er 500 Kunden gewinnen, die den Kaffeeautomaten zum Preis von 250 US-Dollar vorbestellen und damit eine erste Finanzierung sichern. Aus dem Internetschwarm stammt auch das Design. Hans Stiers Start-up „Bonaverde“ hatte auf der Design-Plattform Jovoto ein Projekt ausgeschrieben, an dem sich mehr als 50 Designer mit ihren Entwürfen beteiligten. Einer wird nun realisiert – vorausgesetzt bei Kickstarter findet sich eine ausreichende Zahl an Investoren.