Untersuchung

VW-Vorstände verdienen 170 Mal mehr als Arbeiter

Neue Studie über die Lohnschere in Dax-Firmen

Die Einkommensschere zwischen Managern und Mitarbeitern ist einer Studie zufolge in Deutschland beim VW-Konzern am größten. Demnach verdienten die Vorstände des Autobauers 2011 das 170-Fache eines durchschnittlichen VW-Beschäftigten. Das ergibt eine Analyse der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Auch bei Metro und Adidas verdienten die Vorstände mehr als 100 Mal so viel wie ein Mitarbeiter. Im Durchschnitt der Dax-30-Unternehmen verdienten die Chefs 53 Mal so viel wie ein normaler Arbeitnehmer.

Am geringsten waren die Unterschiede bei der Commerzbank, deren Vorstände als Bedingung für staatliche Finanzhilfen einen Gehaltsdeckel akzeptieren mussten. Sie verdienten nur zwölf Mal so viel wie ein durchschnittlicher Mitarbeiter. Auch beim Nivea-Hersteller Beiersdorf lagen die Vorstandsgehälter mit dem 20-Fachen eines Durchschnittsverdienstes relativ niedrig. Gegenüber einer ähnlichen Studie aus dem Jahr 2005 habe die Ungleichheit insgesamt zugenommen, so die Stiftung. „Niemand sagt, ein Vorstand solle das Gleiche verdienen wie der Mitarbeiter, der am Band steht. Aber sein Gehalt darf auch nicht völlig abgehoben sein“, sagt Lasse Pütz von der Hans-Böckler-Stiftung.

Ein VW-Sprecher verwies auf neuere Zahlen des Konzerns, wonach 2012 das Leistungsentgelt der Manager – ohne Sachkosten wie Fahrer und Dienstwagen – etwa bei dem 20-Fachen eines Facharbeiterlohns gelegen habe. Allerdings wurden bei dieser Rechnung die zuletzt beträchtlichen Bonuszahlungen an die Manager nicht berücksichtigt. Eine Adidas-Sprecherin erklärte, dass von den weltweit mehr als 46.000 Mitarbeitern der Gruppe nur gut 5000 in Deutschland arbeiteten. Das Unternehmen beschäftige gerade in Wachstumsmärkten wie Russland, wo das Lohnniveau deutlich niedriger sei als in der Bundesrepublik, viele junge Menschen. Das beeinflusse die Zahlen. Die Metro wollte nicht zu dem Bericht Stellung nehmen.

In den USA klafft die Verdienstlücke sogar noch viel stärker auseinander. In Übersee streichen die Chefs der 350 größten US-Unternehmen das 273-Fache ein, wie die Böckler-Stiftung unter Verweis auf eine Studie des Economic Policy Institute (EPI) für 2012 berichtete.

Für ganz Deutschland konnten die Forscher keine einheitliche Entwicklung ausmachen. Im Trend zeige sich jedoch, dass in 19 von 25 Firmen die Ungleichheit zwischen 2005 und 2011 zugenommen habe. Veränderungen nach oben oder unten könnten mehrere Gründe haben: Neben der Geschäftsentwicklung spiele auch eine Rolle, ob Mehrjahresboni fällig geworden seien.