Crowdinvestment-Kampagne

Bergfürst startet ersten Internet-Börsengang

Urbanara sammelt drei Millionen Euro ein. Aktien werden Montag gehandelt

Die Berliner Handelsplattform für Wertpapiere, Bergfürst, hat ihre erste Crowdinvestment-Kampagne erfolgreich abgeschlossen. 1000 private Kapitalgeber haben 300.000 Aktien des Online-Händlers für Wohnaccessoires, Urbanara, im Wert von mehr als drei Millionen Euro gezeichnet. Die Frist endete am 31. Oktober. „Wir haben unser Ziel erreicht und sogar deutlich überschritten“, sagte Bergfürst-Chef Guido Sandler. „Mit dem Rekord-Zeichnungsvolumen von über drei Millionen Euro haben wir den Nachweis erbracht, dass es in Deutschland ein großes Interesse unter den Privatanlegern an der Anlageklasse Venture Capital gibt.“ Bergfürst verfügt über eine Zulassung der Börsenaufsicht Bafin als Handelsplatz für Wertpapiere.

Der Ausgabekurs der Aktie wurde auf zehn Euro festgelegt. Damit liegt der Preis am unteren Ende der zuvor angepeilten Spanne von 10 und 12,50 Euro. Am 11. November sollen die Aktien erstmals gehandelt werden können. Urbanara ist ein schnell wachsender Online-Marktplatz. Der Umsatz stieg 2012 laut Wertpapierprospekt um über 250 Prozent. Das Produktportfolio wuchs bis heute auf eine Gesamtzahl von über 2500 Produkten in 30 Kategorien. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 44 Mitarbeiter in Berlin (39) und Shanghai (5).

Bergfürst ermöglicht es Privatinvestoren, sich an jungen Wachstumsunternehmen in Form von Aktien zu beteiligen und diese im Anschluss auf der integrierten elektronischen Plattform zu handeln. Die Investoren partizipieren – wie Aktionäre an den großen Börsen – an der Wertentwicklung des Unternehmens und bleiben gleichzeitig durch die Möglichkeit des Aktienverkaufs in ihrem Investment flexibel. Darin unterscheidet sich Bergfürst von herkömmlichen Crowdinvestment-Plattformen. Investoren werden hier bei einem Mindesteinsatz von 250 Euro zu echten Anteilseignern und nicht wie bei Companisto, Seedmatch und anderen Anbietern zu Darlehensgebern. Bergfürst richtet sich an Firmen, die zu jung für die Deutsche Börse und zu groß für Crowdfunding mit anderen Plattformen sind, bei denen die Investitionssummen auf eine Million Euro begrenzt sind.

Die Zeichnungsfrist für Urbanara-Aktion hatte am 12. September begonnen und war ursprünglich für 17 Börsentage bis zum 4. Oktober geplant. Wenige Tage nach dem Start teilte Urbanara die Verlängerung dieser Frist bis zum 1. November mit. Die Berliner Volksbank war zwischenzeitlich Teilhaber bei Bergfürst geworden. Auch ihren Kunden sollte die Teilhabe an der Finanzierungsrunde ermöglicht werden.

Unter den Urbanara-Investoren seien viele Business Angel und sogenannte Family Offices, als wohlhabende Familien, die Kapital anlegen wollen, sagte Urbanara-Gründer Ben Esser. Guido Sandler bestätigte diese Einschätzung. Bislang sei der Risikokapitalmarkt Privatanlegern verschlossen geblieben. „Wir haben für unternehmerisch geprägte Persönlichkeiten eine neue Kapitalanlageklasse erschlossen“, sagte er. Fonds mit hohen Managementgebühren und Provisionen seien für diese Zielgruppe bislang die einzige Anlageform gewesen. Wie Esser berichtete, habe es auch zahlreiche Anfragen aus dem Ausland gegeben. Doch an der Internetbörse Bergfürst dürfen nur Anleger in Deutschland handeln.

Herkömmliche Crowdinvestment-Anbieter waren für Urbanara keine Option. „Dafür sind wir zu groß“, sagte Esser, der im April 2012 eine Investitionsrunde über 3,5 Millionen Euro mit Blumberg Capital als Lead-Investor abgeschlossen hatte.

Bergfürst wird voraussichtlich Anfang 2014 weitere Emissionen starten. Sandler spricht von drei bis vier Kandidaten. Dabei soll es sich um „internetaffine Unternehmen nicht nur aus Berlin“ handeln. Schneller könnte dagegen die Immobilienfinanzierung realisiert werden – ein neues Geschäftsfeld von Bergfürst. Wenige Tage nach der Beteiligung der Volksbank war Nicolas Jeissing, Geschäftsführer von Engel & Völkers Gewerbe Berlin, bei Bergfürst eingestiegen. Sandler erwartet hier niedrigere Strukturkosten, als sie bei herkommlichen Immobilienfonds fällig werden, und eine höhere Transparenz für die Anleger. Wie bei den Aktienemissionen soll die Mindesteinlage 250 Euro betragen.