Kriminalität

Krankenversicherer Debeka in Datenkauf-Skandal verwickelt

Mitarbeiter von Deutschlands größter privater Krankenkasse Debeka haben nach Firmenangaben in den 80er- und 90er-Jahren massenhaft Adressen potenzieller Kunden gekauft.

Versicherungsvertreter hätten diese auf eigene Rechnung erworben und untereinander verteilt, gab Vorstandschef Uwe Laue zu. Dem „Handelsblatt“ zufolge hatten es die Mitarbeiter auf angehende Beamte abgesehen – die wichtigsten Kunden für die Debeka. Von ihren 2,2 Millionen Krankenversicherten sind 1,87 Millionen Beamte und deren Angehörige. Das Koblenzer Unternehmen hat 25 Prozent Marktanteil in der privaten Krankenversicherung.

„Der damaligen Führungsmannschaft fehlte die Sensibilität für diese datenschutzrechtliche Thematik“, erklärte Laue, der auch Präsident des Verbands der privaten Krankenversicherung ist. „Und in diese Selbstkritik schließe ich mich ausdrücklich mit ein.“ Laue, der sein 40-jähriges Berufsleben bei der Debeka verbracht hat, war seit 1994 in führender Funktion im Vertrieb tätig. Der Verband erklärte am Freitag, die Klärung der Vorwürfe sei allein Sache des Unternehmens. Und die Debeka habe dargelegt, „dass aus den viele Jahre zurückliegenden Vorfällen Konsequenzen gezogen wurden“. In welchem Ausmaß der Ankauf von Daten betrieben wurde und wann er abgestellt wurde, berichtete die Debeka nicht.

Die Debeka arbeitet anders als die meisten Versicherer mit festangestellten Vertriebsmitarbeitern. Nach den Enthüllungen habe sie die 2010 erlassenen Verhaltensrichtlinien für ihre 17.000 Beschäftigten verschärft, erklärte die Versicherung. „Eine direkte Weisung lautet: Die Debeka toleriert keinerlei Form der Bestechung und Korruption.“ Wie die Versicherungsvertreter an die Adressen gekommen sind, ließ sie offen. Die Krankenkasse selbst habe nie Adressen gekauft. Sie wachse vor allem durch Empfehlungen ihrer Mitglieder. Werbung macht die Krankenkasse nicht, die auch eine Bausparkasse betreibt und Lebens- und Sachversicherungen anbietet.

Das „Handelsblatt“ berichtete unter Berufung auf ehemalige Mitarbeiter der Debeka, hohe Vertriebsmanager hätten Behörden-Angestellte bestochen, um an Adressen von Staatsdienern zu kommen, die kurz vor der Verbeamtung standen. Das habe ihnen beim Verkauf von Krankenversicherungen Wettbewerbsvorteile verschafft. Die Adressen hätten die Erfolgsquote im Vertrieb deutlich erhöht, berichtete die Zeitung. Woher sie gekommen seien, sei streng geheim gewesen.