Verluste

Die Deutsche Altlasten-Bank

Gerichtskosten verhageln erneut die Bilanz. Immerhin sollen Vergleiche in Sicht sein

Nur wenige Unternehmen pflegen ihre Rivalität so geflissentlich wie die größten Investmentbanken der Welt. Zumindest heimliche Schadenfreude über Fehltritte der Konkurrenz ist da eigentlich Usus. Dennoch darf man davon ausgehen, dass Anshu Jain und Jürgen Fitschen sich nicht auf die Schenkel geklopft haben, als die Horror-Nachricht für ihren US-Wettbewerber JP Morgan über die Ticker lief – erwies sich dessen Rekordstrafe von 13 Milliarden Dollar (9,5 Milliarden Euro) für unlautere Hypothekengeschäfte doch schnell als Menetekel für die Deutsche Bank. Deren Doppelspitze muss nun ihrerseits zusätzliche 1,2 Milliarden Euro für Rechtsstreitigkeiten in den USA zurückstellen, weil die JP-Morgan-Buße deutlich machte, dass auch die Deutsche Bank in der Causa nicht so billig davonkommen wird, wie bisher erhofft.

Hoffnung auf Befreiungsschläge

Dabei hatte die Deutsche Bank bereits genug rechtliche Probleme am Hals. Wegen verbotener Absprachen bei den Referenzzinsen Libor und Euribor drohen ebenfalls Strafzahlungen in Milliardenhöhe, dazu kommen die Dauerfehde mit den Nachkommen des Medien-Pleitiers Leo Kirch und weitere, kleinere Scharmützel. Insgesamt 4,1 Milliarden Euro hat die Deutsche Bank inzwischen für Rechtsrisiken zurückgelegt.

Der stete Fluss an schlechten Nachrichten von der juristischen Front erweist sich mehr und mehr als Dauerhypothek für die vor eineinhalb Jahren angetretene Bankführung. Das Bestreben von Jain und Fitschen, die mannigfaltigen Altlasten, an deren Entstehung sie als Vorstände durchaus auch beteiligt waren, möglichst schnell zu bereinigen, ist offensichtlich gescheitert.

Immerhin verlautet aus Kreisen der Bank nun eine gewisse Hoffnung auf erste Befreiungsschläge. Man sei zuversichtlich, demnächst Vergleiche mit den Aufsichtsbehörden erzielen zu können, um zumindest einige der unangenehmen Themen abzuhaken, so heißt es. Genaue Prognosen, wann es soweit sein wird, will in den Frankfurter Zwillingstürmen freilich niemand abgeben. Konkurrenten haben Vergleichszahlungen von insgesamt 2,5 Milliarden Dollar geleistet.

Die juristischen Kosten zehrten im dritten Quartal fast alles auf, was die Bank verdient hatte. Der Vorsteuergewinn brach um 98 Prozent auf 18 Millionen Euro ein, nach Steuern blieb ein Überschuss von 51 Millionen Euro. Und wenn die Bank nicht mancherorts die Notbremse gezogen hätte, hätte sie wohl sogar rote Zahlen geschrieben. „Nur Kostensenkungen haben der Deutschen Bank noch zu einer schwarzen Null verholfen“, schrieben die Analysten von Goldman Sachs. Gespart wurde etwa bei den umstrittenen Bonuszahlungen: Für die Vergütung ihrer Mitarbeiter gab die Bank zwischen Juli und September 2,9 Milliarden Euro aus, 400 Millionen Euro weniger als vor einem Jahr.

Für geringere Erfolgszahlungen gab es allerdings auch allen Anlass. Denn gerade im bonusträchtigen Investmentbanking läuft das Geschäft alles andere als rund. Die Sparte machte im zurückliegenden Quartal nur noch 345 Millionen Euro Gewinn, nach 1,1 Milliarden Euro vor einem Jahr. Ausgerechnet in der Domäne der Deutschen Bank, dem Handel mit festverzinslichen Produkten, brach fast die Hälfte der Erträge weg. Vor Jahresfrist hatte die Ankündigung der Europäischen Zentralbank, die europäischen Krisenländer notfalls mit der Notenpresse zu retten, das Geschäft beflügelt. Eine vergleichbare Sonderkonjunktur fehlte in diesem Jahr. Stattdessen lähmte die Ankündigung der US-Notenbank Fed, künftig weniger Geld in die Wirtschaft zu pumpen, die Anleihenmärkte weltweit.

Das schwache Geschäft und die hohen Rückstellungen rücken auch ein Thema wieder in den Fokus, das die Deutsche Bank im Frühjahr schon für abgehakt erklärte: Die entscheidende Eigenkapitalquote sank leicht von 10 auf 9,7 Prozent. Beim Abbau der Risiken in ihrer Bilanz kam das Institut kaum weiter voran, gleichzeitig fehlten die Gewinne, um die Kapitalpolster weiter aufzufüllen. Dabei muss die Bank ihre Bilanz weiter schrumpfen, weil sie den Grenzwert für die Gesamtverschuldung, auf den die Aufseher immer stärker achten, bisher nur haarscharf einhält. Erstmals verriet Finanzvorstand Stefan Krause, wie viel diese Schrumpfkur kosten wird: Die Bank rechnet mit bis zu einer halben Milliarde weniger Gewinn pro Jahr, dazu kommen einmalige Kosten von 600 Millionen Euro.

Nur eine wirklich gute Nachricht gab es für die Bankführung an diesen Tag: Der Aufsichtsrat des Instituts verlängerte Fitschens Amtszeit wie bereits geplant um knapp zwei Jahre. Die Verträge beider Co-Chefs laufen nun einheitlich bis März 2017.