Prognosen

Energiewende trifft Softwareentwickler PSI

Das Geschäft mit Stromversorgern ist rückläufig. Neue Geschäftsfelder kosten erst einmal Geld

Der Berliner Softwareentwickler PSI bekommt die Unsicherheit über die künftige Energiepolitik in Deutschland zu spüren. Der Umsatz der wichtigen Energiemanagement-Sparte ist in den ersten neun Monaten um weitere drei Prozent auf 43 Millionen Euro gesunken, weil die Unternehmen der Branche sich bei Investitionen zurückhalten. „Der Bereich Elektrische Energie litt unter dem Investitionsstau bei den Energienetzen“, berichteten die Berliner. PSI entwickelt unter anderem Software für die Steuerung großer Netze.

Energiemanagement ist die zweitgrößte Sparte des Unternehmens, das weltweit 1700 Mitarbeiter beschäftigt. 450 davon in Berlin. Das 1969 gegründete Unternehmen ist nach SAP und Software AG einer der wenigen großen deutschen Software-Entwickler. Anders als vom Vorstand erhofft, bremst die Energiewende die Geschäfte des Unternehmens. Schon 2012 musste PSI in der Sparte ein Umsatzminus von zehn Prozent verkraften. Um sich von dem Segment unabhängiger zu machen, investiert PSI in andere Geschäftsbereiche. Diese Kosten belasten vorerst aber das Ergebnis.

Zwar konnte PSI über alle Geschäftsbereiche hinweg seit Jahresbeginn den Umsatz um zwei Prozent auf knapp 129 Millionen Euro steigern, vor allem höhere Kosten für die Entwicklung neuer Produkte und die Bereinigung von Altlasten drückten das Unternehmen aber in die roten Zahlen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres fiel unter dem Strich ein Verlust von 2,8 Millionen Euro an, nachdem PSI vor Jahresfrist noch 5,5 Millionen Euro Gewinn gemacht hatte. Der Auftragseingang liegt mit 143 Millionen Euro auf Vorjahresniveau.

Das im TecDax notierte Unternehmen hatte bereits im September operative Verluste für das dritte Quartal angekündigt und die Prognose für das Gesamtjahr drastisch gesenkt. Es war die erste Gewinnwarnung seit der Neuaufstellung des Unternehmens 2004. Nach dem Börsengang 1998 war das Unternehmen in die Schieflage geraten, unter neuer Führung von 2002 an aber saniert und neu ausgerichtet worden. Heute stützt sich PSI im Wesentlichen auf Softwareentwicklungen im Produktionsmanagement, dem Infrastrukturmanagement und im Energiesektor. Zudem ist das Unternehmen mittlerweile weltweit aktiv. Hatte PSI früher fast ausschließlich für den deutschen Markt gearbeitet, liegt die Exportquote heute bei 50 Prozent. Der nach Berlin und Aschaffenburg bei Frankfurt/Main drittgrößte PSI-Standort ist Kuala Lumpur in Malaysia.

Bahnstrom managen

Um sich von der Nachfrageschwäche der Energieversorger unabhängiger zu machen, investiert das Unternehmenunter anderem in die Entwicklung von Softwarelösungen für Logistiker. Zudem wird an einem Energiemanagementsystem für Bahnstrom gearbeitet. Die Entwicklungskosten beider Projekte fallen aber deutlich höher aus als zuvor veranschlagt. Wie das Unternehmen mitteilte, drückten die Kosten des Energiemanagementsystems das operative Ergebnis des Bereichs Energiemanagement mit einer Millionen Euro in die Verlustzone.

Die Logistik-Software ließ den Gewinn der Produktionsmanagement-Sparte auf rund 300.000 Euro einbrechen. Im Vorjahreszeitraum stand da noch ein Gewinn von 4,5 Millionen Euro. Der Umsatz in dieser Sparte ging um 1,5 Prozent auf 63,3 Millionen Euro zurück. Lediglich die kleinste Sparte Infrastrukturmanagement wies mit einem Umsatzplus von 26 Prozent und einem Anstieg des operativen Ergebnisses von 22 Prozent in den ersten neun Monaten Wachstum auf.

Im Gesamtjahr erwartet PSI nun ein operatives Ergebnis von 5,2 Millionen Euro – nur noch rund ein Drittel der ursprünglich in Aussicht gestellten 14 bis 17 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte PSI ein Betriebsergebnis von 12, 9 Millionen Euro erwirtschaftet.