Expansion

dm plant weitere Drogeriefilialen

Branchenprimus investiert in Berlin. Discounter wollen bei Körperpflegemitteln und Reinigern nun ebenfalls mitverdienen

Die Drogeriemarktkette dm bleibt dank einer starken Kundennachfrage auf Wachstumskurs und will ihr Filialnetz weiter kräftig ausbauen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr (30.9.) stieg der Umsatz um 11,9 Prozent auf einen Rekordwert von 7,69 Milliarden Euro, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Berlin hat dabei erheblich zum starken Wachstum der Drogeriemarktkette beigetragen. In der Hauptstadt setzen die dm-Läden 254 Millionen Euro um. Das sind 32 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Gewinn äußerten sich die Karlsruher nicht. dm ist seit der Schlecker-Pleite deutscher Branchenprimus im Drogeriegeschäft, führt seinen Erfolg aber nur zu einem geringen Teil auf das Ende des Ex-Konkurrenten zurück.

Konsumenten setzten verstärkt auf kompetente Beratung und würden deshalb mehr Fachmarktzentren aufsuchen, erklärte Firmenchef Erich Harsch. Er sieht die guten Zahlen des seit 40 Jahren bestehenden Drogeriekonzerns vor allem als Folge „großer Kundenzufriedenheit“.

Für das nächste Jahr plant das Unternehmen 150 neue Märkte und Rekordinvestitionen von 230 Millionen Euro allein in Deutschland. Konzernweit will das Management 300 Millionen Euro ins dm-Netz stecken. Das Geld soll in neue Läden, die Neugestaltung von Filialen, den IT-Bereich und die neue Firmenzentrale in Karlsruhe fließen.

dm wolle den Wettbewerb im Markt für Drogerieprodukte „aktiv gestalten“, betonte Harsch. Große Wachstumsimpulse seien aber in keinem Sortiment zu erwarten. Durch den Geburtenrückgang in der Bevölkerung könne das Marktvolumen insgesamt sogar schrumpfen.

Wie groß und nachhaltig der „Schlecker-Effekt“ sei, könne man noch nicht sagen. Er sei jedenfalls längst nicht so groß wie überall beschrieben, meinte Harsch. dm sei auch auf bestehenden Flächen gewachsen. Dennoch prüfe man natürlich „jede Möglichkeit, die sich bietet“, um weiter zu expandieren.

Die Karlsruher haben nach eigenen Angaben einen Marktanteil bei Drogeriewaren von mehr als 20 Prozent. Im März 2012 lagen sie noch bei 18,5 Prozent, gefolgt von Aldi mit knapp zwölf Prozent. Der Rivale Rossmann lag damals bei knapp elf Prozent. Auf dem deutschen Markt erreichte dm im Geschäftsjahr 2012/2013 ein Wachstumsplus von 14,3 Prozent und kam damit auf einen Umsatz von 5,84 Milliarden Euro.

Für das gute Abschneiden Berlins gibt es laut dem Gebietsverantwortlichen Jens Famula mehrere Gründe. „Wir sind in ganz Deutschland stark mit unseren Drogerieprodukten gewachsen und in diesem Marktsegment mittlerweile die Nummer eins, sagt Famula. „Außerdem wollen viele Investoren mit uns Verträge machen, wenn es beispielsweise darum geht, in einem neu gebauten Gebäude Geschäfte anzusiedeln.“ Von der Pleite gegangenen Kette Schlecker hat er in seinem Gebiet zwar direkt keinen Laden übernommen. Doch natürlich habe sich der Wegfall des Konkurrenten auch in den Geschäftszahlen bemerkbar gemacht, so Famula.

17 neue Filialen in Berlin

Die Zahl der Kunden pro Tag blieb dagegen weitgehend unverändert. „Das liegt vor allem daran, dass wir im vergangenen Geschäftsjahr 17 neue Filialen eröffnet haben“, sagt Famula. Diese könnten teils rein rechnerisch noch gar nicht den selben Umsatz erwirtschaften wie etablierte Filialen, da sie erst im Laufe des Geschäftsjahres den Betrieb aufgenommen hätten, so Famula. Im Durchschnitt kamen 1410 Kunden pro Tag zum Einkaufen in eine Berliner Filiale von dm.

Zum Ertrag macht das Unternehmen traditionell keine Angaben. Die nötige Umsatzrendite von etwa einem Prozent sei erreicht, hieß es. dm wolle nicht gewinnorientiert sein, sagte Harsch: „Wir investieren in unsere Mitarbeiter.“ An die Beschäftigten in Deutschland wurden zum Ende des Geschäftsjahres mehr als 13 Millionen Euro ausgeschüttet.

In den vergangenen zwölf Monaten hat dm 135 neue Filialen in Deutschland eröffnet und sein Netz damit auf 1480 Standorte erweitert. Europaweit stieg die Zahl der Märkte auf 2893. Konzernweit schuf dm mehr als 5300 neue Stellen, davon fast 4800 in Deutschland. Bundesweit arbeiten bei dm derzeit nahezu 34.000 Menschen, konzernweit sind es fast 50.000.

Den Kampf um Marktanteile führt dm künftig aber nicht mehr nur gegen die direkte Drogeriemarkt-Konkurrenz. Auch die Discounter sind ins Rennen eingestiegen. Zum einen haben die Billigheimer ihre Drogerie-Sortimente erweitert, zum anderen wurden für einen Großteil der Produkte die Preise gesenkt, etwa für Allesreiniger oder Feinwaschmittel. Branchenführer Aldi setzt beim Angriff auch auf Markenware. Alleine 14 Nivea-Produkte stehen mittlerweile bei Aldi im Regal.