Autokindersitztest

Wo Kinder sicher Platz nehmen

Nur ein einziger Autositz stellt die Prüfer von Stiftung Warentest vollkommen zufrieden

Zum Glück sind es nur Tests mit Crashtest-Dummies. Denn bei einem realen Autounfall würden die Kinder ernsthafte Verletzungen erleiden. Zum Beispiel beim Modell „Nania Baby Ride“: Bei einem simulierten Seitencrash blieb der Kopf des Kinder-Dummys nicht in der Sitzschale, sondern schlug heftig gegen die Autotür und hinterließ dort eine tellergroße Delle. Mit „Mangelhaft“ bewerteten die Tester das Modell, genauso wie den baugleichen Kindersitz „Osann Baby Ride“.

Henry Görlitz, Projektleiter des Autokindersitztests von der Stiftung Warentest nennt das Ergebnis „sehr alarmierend“. Je nach Größe und Konstitution des Kindes könnten diese Sitze bei einem Unfall „lebensgefährlich“ sein. Dabei erfüllt der Sitz die Zulassungsbedingungen des Gesetzgebers. Allerdings – und das ist der entscheidende Punkt – sind für diese Zulassung keine Tests mit Seitencrash vorgeschrieben.

16 Modelle hat Stiftung Warentest in ihrer neuesten Qualitätskontrolle von Kindersitzen geprüft. Vier Modelle fielen bei den am Donnerstag veröffentlichten Tests durch. Bei dem Modell „Römer Max-Fix“ war dafür aber nicht der mangelhafte Unfallschutz ausschlaggebend, sondern die verarbeiteten Materialien. So wurde in der Polsterung der Hosenträgergurte bei Laboruntersuchungen der Stoff Naphthalin gefunden.

Dieser Kohlenwasserstoff steht nicht nur unter dem Verdacht, umweltschädlich, sondern auch krebserregend zu sein. Besonders problematisch sei dies, so Stiftung Warentest, da Kinder die Pads in den Mund nehmen und an ihnen lutschen können. Der gleiche Stoff wurde übrigens auch in der Schale des Kindersitzes „Cybex Aton3“ gefunden. Zwar besteht Stiftung Warentest zufolge hier keine akute Gesundheitsgefahr für Kinder, dennoch, die Verwendung des umstrittenen Stoffes wird überhaupt missbilligt.

Die Wertung „sehr gut“ vergaben die Tester nur ein einziges Mal, an den Sitz „Cybex Juno 2-Duy“, der sich mit seinem Fangtisch besonders für Kleinkinder bis vier Jahre eignet und sich mit einem Kostenpunkt von 195 Euro im mittleren Preissegment befindet. In der Bewertung werden besonders die einfache Handhabung und der sehr gute Unfallschutz hervorgehoben. Der kleine Fangtisch bietet kleinen Kindern sowohl den nötigen Halt als auch ausreichend Raum zum Spielen und Bewegen. Im Handel sind weitere Kindersitze mit der Bestnote „sehr gut“ erhältlich. Diese wurden bereits in früheren Tests von Stiftung Warentest geprüft (siehe Grafik).

In dem aktuellen Check erreichten neun weitere Sitze die Wertung „gut“. Dabei ist ein hoher Preis nicht gleichbedeutend mit besserer Leistung. So bekommt der „Casualplay Q-Retraktor Fix“, der mit einem Preis von 430 Euro zur oberen Preisklasse gehört, ebenso die Note „gut“ wie das „Modell Storchenmühle Solar“, das mit 130 Euro vergleichsweise billig ist.

Für die Sicherheit von Kleinkindern empfiehlt Stiftung Warentest die Verwendung von Babyschalen mit dem Befestigungssystem Basis plus Isofix. Dabei handelt es sich um ein System von Haken und Ösen, mit dem der Kindersitz fest mit dem Auto verbunden wird. Unproblematisch lässt sich die Schale leicht einklinken und auch wieder entfernen.

Möglichst lange sollten Eltern für ihre Kinder Babyschalen verwenden, empfiehlt Henry Görlitz. Denn bis zu einem Alter von drei bis vier Jahren können Kinder nur schwer ihren eigenen, proportional zum Körper übergroßen Kopf halten. „Schutzlos sind sie so jedem Schlag im Straßenverkehr ausgesetzt“, sagt Görlitz. Babyschalen bieten dabei dem Kopf einen besonders guten Schutz. Immer wieder, sagt Görlitz, beobachtet er, dass kleine Kinder zu früh in einen Sitz für Ältere gesetzt werden und ihr Kopf so nicht den nötigen Schutz hat.

Außerdem empfiehlt Stiftung Warentest älteren Kindern dicke Jacken auszuziehen und den Gurt relativ straff anzulegen. Maximal eine flache Hand sollte zwischen Gurt und Kind passen, damit die Kleinen bei einem Unfall nicht zunächst in den leeren Raum fallen, bevor sie vom Gurt aufgefangen werden. Generell rät Henry Görlitz dazu, die Sitze vor dem Kauf „unbedingt auszuprobieren“. Denn häufig eigneten sich einzelne Kindersitzmodelle nicht für ein bestimmtes Automodell.