INMA

Neue Ideen aus Berlin

Bei der Europa-Konferenz der INMA diskutieren Medienvertreter über die Zukunft der Branche

Am besten fasste die Stimmung auf der Europa-Konferenz der International News Media Association (INMA) vielleicht ein Teilnehmer auf Twitter zusammen. 1989 seien er und andere nach Berlin gereist, um den Fall der Mauer zu erleben, schrieb er als Kurznachricht. Heute seien sie dagegen gekommen, um zu erfahren, wie eine Amerikanerin eine Mauer hochzieht.

Natürlich war das als Scherz gemeint, und genau so fassten ihn die anwesenden Medienleute im Saal des Hotels „Hyatt“ am Potsdamer Platz auch auf. Eben hatte Yasmin Namini gesprochen, die als Senior Vice President bei der amerikanischen Tageszeitung „New York Times“ („NYT“) die Bezahlstrategie für die Internetseite verantwortet. Die „NYT“ hatte als eine der ersten Zeitungen eine Bezahlstrategie für ihre Online-Inhalte entwickelt und in der Branche damals für großes Aufsehen gesorgt. Doch die Zeitung hatte damit Erfolg. 2011 verdiente sie erstmals seit Bestehen mehr Geld durch die Einnahmen aus dem Vertrieb der Printausgabe und den Online-Abos als durch Werbung. Über diese und andere Strategien für die Digitalisierung diskutierten die anwesenden Zeitungsmanager und Journalisten.

Berlin präsentierte sich als geeigneter Ort für diese Konferenz. Und das nicht nur, weil die deutsche Hauptstadt „einer der am härtesten umkämpften Zeitungsmärkte“ ist, wie Carsten Erdmann, Chefredakteur der Berliner Morgenpost, in seiner Eröffnungsrede sagte. „Der Medienmarkt ist einem starken Wandel unterworfen, und es sieht nicht so aus, als ob sich das Tempo ändern würde“, sagte Erdmann. Die angereisten Teilnehmer hielten Berlin vor allem wegen der inspirierenden Stimmung für einen guten Ort, um sich über die Zukunft der Medienbranche auszutauschen.

Manche wie Yasmin Namini von der „New York Times“ kamen anlässlich der Messe sogar zum ersten Mal nach Berlin. Von der Stadt ist sie begeistert. Ein Grund dafür sei natürlich die spannende Geschichte der ehemals geteilten Stadt. „Besonders in Berlin ist die moderne Architektur, die so gut die Geschichte mit einbindet. Und ich liebe die Eastside Gallery, die muss unbedingt bewahrt werden“, sagt sie. Außerdem findet sie es toll, dass man hier gut zu Fuß gehen kann. „Das bin ich von New York gewöhnt“, sagt sie. In den Restaurants hat sie sich an die deutsche Küche herangewagt. Sie hat hier Wiener Schnitzel gegessen, Currywurst und jede Menge Steak. Den Gründergeist Berlins hat sie auch schon gespürt. „Wenn ich in Berlin ein Business gründen müsste, wäre es ein kleines Start-up“, sagt Yasmin Namini. Dafür sei Berlin mittlerweile bekannt.

Tatsächlich hält der wirtschaftliche Aufschwung in der Hauptstadt an. Zwar ist die Arbeitslosenquote mit rund elf Prozent in keinem anderen Bundesland höher als in Berlin. Doch der aktuelle Trend lässt zumindest für die Zukunft auf Besseres hoffen. Denn in Berlin entstehen derzeit zahlreiche neue Arbeitsplätze. Das geht zumindest aus aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamts hervor. So gab es zwischen Januar und Ende Juni rund 35.400 Erwerbstätige mehr als im Vorjahr. Das ist ein Plus von zwei Prozent. In ganz Deutschland lag der Anstieg dagegen nur bei 0,6 Prozent.

Isabelle André, Chefin der französischen Website Le Monde Interactif, hat davon bislang wenig mitbekommen. Sie ist zwar schon das zweite Mal in der Hauptstadt, aber nur geschäftlich. Sie mag an Berlin die Mischung aus Kultur und Leuten. „Abends finde ich es teilweise etwas einsam, obwohl ich glaube, dass Berlin ein guter Platz zum Feiern ist“, sagt Isabelle André.