Unternehmen

SAP-Zukunft liegt in der Wolke

Softwarekonzern erobert mit der Cloud neues Geschäftsfeld. Fest installierte Software unwichtiger

Noch rund ein halbes Jahr, dann möchte Jim Hagemann Snabe als Chef des Walldorfer Softwarekonzerns SAP aufhören. Ein starkes Unternehmen plant der 47-Jährige seinem Co-Chef Bill McDermott zu überlassen, der ab dem Frühjahr den Konzern alleine führen soll. Und so passt es, dass der Softwarekonzern einen kleinen Coup vermeldet. Das Unternehmen scheint nach eigenen Angaben am Erzrivalen Oracle bei Anwendungen in der Datenwolke vorbeigezogen zu sein. „Wir sind jetzt der zweitgrößte Anbieter in der Cloud und wachsen stärker als jeder größerer Wettbewerber“, sagte Snabe der Berliner Morgenpost. Auf Platz eins liegt das US-Unternehmen Salesforce.com. Snabe sagt: „Keine Frage: Die Zukunft von SAP liegt in der Cloud.“

Das Geschäft in der Datenwolke gilt als Wachstumstreiber in der IT-Industrie. Unabhängig davon, ob es sich hierbei um Anwendungen für Privatpersonen handelt, etwa über Musik- und Fotoplattformen, sondern auch für die Geschäftswelt. Was sich wie ein normaler Wandel in der Softwareindustrie anhört, ist in Wahrheit eine Revolution für SAP. Der Walldorfer Softwarekonzern, der in Berlin mehr als 600 Mitarbeiter beschäftigt, verdiente bislang sein Geld vor allem mit fest installierter Software.

SAP bemerkt einen Bedeutungsverlust des klassischen Softwaregeschäfts. Im dritten Quartal ging der Umsatz aus Softwarelizenzen um fünf Prozent auf 975 Millionen Euro zurück, teilte SAP mit. Um Währungseffekte bereinigt sollen die Software- und softwarebezogenen Serviceerlöse im Jahresverlauf um zehn Prozent steigen – also weniger stark als zu Jahresbeginn veranschlagt.

Die Konjunktur bleibt für SAP indes herausfordernd. Der Euro markiert gegenüber anderen Währungen, vor allem gegenüber dem japanischen Yen, sehr stark. Sollte das so bleiben – und es derzeit sieht nicht nach Veränderungen aus – dann erwartet SAP, dass die Wachstumsrate des Betriebsergebnisses um sieben Prozentpunkte gedrückt wird. Unterm Strich dürfte damit nur ein Wachstum von fünf Prozent drin sein. Um Währungseffekte bereinigt bestätigte SAP alle bisherigen Prognosen. Der Umsatz wuchs um rund zwei Prozent auf 4,05 Mrd. Euro. Der um einige Posten bereinigte Betriebsgewinn stieg um fünf Prozent auf 1,3 Mrd. Euro. Hier hatten Analysten 1,32 Mrd. Euro erwartet.